Sie: «Und was trinken wir zum geschmolzenen Fett?» Er: «Walliser Nervengift würd ich sagen.»

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In der Zeit zwischen den Jahren sollte man vorsorglich die Batterien aus der Körperwaage entfernen. Entsprechend gross ist sonst der Schock, wenn man aus purer Gewohnheit weihnachtsgeschädigt drauftritt. Einen entsprechenden Anteil haben Wein und sonstige Alkoholika, weil die bekanntermassen den Fettstoffwechsel verlangsamen, besonders nachts. Die Sösschen, die das sowieso üppige Fondue chinoise begleiten, haben also besonders leichtes Spiel. Ein probates Mittel, sich die Kalorien in einer Art Konfrontationstherapie auf Distanz zu halten, besteht darin, die Dinge beim Namen zu nennen. Käsefondue nennt man aus dieser Perspektive so, wie es sich im Wesentlichen dem Verdauungstrakt darbietet: geschmolzenes Fett. Bellinis, Hugos und Cüpli gibt es ab sofort nicht mehr. Die heissen jetzt alle gleich, nämlich so, wie sie der Körper wahrnimmt: Nervengift. Auch allem Süssen sprechen wir die beschönigenden Namen ab – und nennen es fortan nur noch: Zucker. Probieren Sies einfach mal aus – es wirkt! Ein Dialog vor einem Abend mit Freunden – nennen wir sie Müllers – hört sich dann etwa wie folgt an:

Sie: «Du, was offerieren wir den Müllers morgen eigentlich zum Apéro?»

Er: «Ich glaube, sie trinkt nicht so viel Nervengift, aber er ist einem Gläschen Nervengift nicht abgeneigt.»

Sie: «Haben wir eigentlich noch von dem Nervengift, das wir letzten Monat in Italien gekauft haben?»

Er: «Ich glaube schon, einkaufen müssen wir trotzdem, wir brauchen noch Nervengift für das geschmolzene Fett.»

Sie: «Hm, ich weiss nicht, ob das eine gute Idee ist?»

Er: «Klar. Ein bisschen Nervengift verleiht dem geschmolzenen Fett doch erst das gewisse Etwas!»

Sie: «Und was trinken wir zum geschmolzenen Fett?»

Er: «Walliser Nervengift würd ich sagen.»

Sie: «Und danach?»

Er: «Ich glaube, ich mache wieder mal selbst Zucker.»

Sie: «Mit der neuen Zuckermaschine?»

Er: «Mit der neuen Zuckermaschine. Ich habe ein neues Rezept entdeckt, Blutorangen-Zucker mit einem Schuss Nervengift.»

Sie: «Hört sich lecker an!»

Bsetzistei ist die wöchentlich erscheinende Kolumne aus der Feder der Redaktorinnen und Redaktoren des Zofinger Tagblatts und der Luzerner Nachrichten.

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