Der Rächer von «No Billag» mit dem Talent, sich bei Linken und Grünen unmöglich zu machen

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Christian Riesen, der Mann, der die «No Billag»-Unterschriften sammelte. (Bild: Big Pics)

So weit ist Christian Riesen noch nie gekommen. Vor dem Bundeshaus darf er in die Kamera des deutsch-französischen Senders Arte sprechen. Die «No Billag»-Initiative interessiert über die Grenzen der Schweiz hinaus. Und Christian Riesen, ein 47-jähriger Informatiker, steht an forderster Front.

Ein paar Tage später. Riesen sitzt an einem Tisch im Restaurant Bahnhof in seinem Wohnort Wangen bei Olten. Stolz legt er Fotos auf die Plastiktischdecke. Sie zeigen das Säli der Pizzeria voller junger Menschen, die sich über Unterschriftenbögen beugen. An einem eigenen Tisch hinter einem grossen Laserdrucker sieht man Riesen selbst. «Im Chefbüro», sagt er und lacht. Hinten an der Wand kann man Komitee-Chef Olivier Kessler erkennen.

Auf den Bildern aus dem Jahr 2015 sind die Rollen umgekehrt verteilt: der «No Billag»-Co-Präsident sortiert die Unterschriftenbögen, der Logistiker ist der Chef. Seither stand Riesen wieder im Schatten des streitlustigen Kessler. Zum Kampagnenfinale wagt er sich aus der Deckung. Man trifft ihn auf Podien in Biel oder Grenchen. In Chur hörte sogar Medienministerin Doris Leuthard (CVP) zu.

Laut den letzten Umfragen sieht es nicht gut aus für «No Billag». Doch unabhängig vom Abstimmungsresultat vom 4. März, für Riesen steht schon jetzt der grösste Erfolg seines politischen Engagements fest. Für Schlagzeilen sorgte er mit Volksbegehren seit mehr als zwanzig Jahren. Bisher scheiterte er grandios.

Die Sache mit der Todesstrafe
Am Anfang war die Todesstrafe. Er spricht nach all den Jahren nicht mehr gerne darüber. Als Jung-SVPler lancierte Riesen 1997 eine Volksinitiative zur Wiedereinführung der Todesstrafe. Das war dann selbst der SVP zu viel. Riesen musste sich aus der Partei zurückziehen.

Heute spricht Riesen von einer Jugendsünde. Die Exekution von Verbrechern habe er nie gewollt. Es sei damals um die Revision des Strafgesetzbuches und um die Provokation gegangen. Die Provokation ist ihm gelungen und hat ihn den Job gekostet. Im Netz wird ihm die alte Geschichte ab und zu noch vorgehalten. Die SVP hat ihm vergeben. Seit 2016 ist er wieder Mitglied.

Die Initiative für die Wiedereinführung der Todesstrafe scheiterte damals, noch bevor die erste Unterschrift gesammelt war. Riesen beerdigte die Idee. Beim zweiten politischen Gehversuch waren schon einige Unterschriften gesammelt, als Riesen sich einschaltete, aber es waren viel zu wenige. Erwin Kesslers Vereins gegen Tierfabriken VgT warb im Jahr 2002 für ein Verbot des Schächtens ohne Betäubung und hatte schon fast aufgegeben, als Riesen vollmundig ankündigte, «insbesondere über die Kanäle Internet und Handy die noch fehlende Anzahl Unterschriften in kürzester Zeit zusammenzubringen». Das klappte nicht, brachte ihn aber wieder auf den Radar der Linken. Nun stellte man ihn als Antisemiten hin. Da half es wenig, dass Riesen schon im Voraus beteuert hatte, er könne mit dem «braunen Gelump» nichts anfangen.

Riesen hat ein ausserordentliches Talent, sich bei Linken und Grünen unmöglich zu machen. Dazu trug auch bei, dass er eine Zeit lang als Informatiker in einem Kernkraftwerk arbeitete und im Jahr 2013 auf eigene Faust das Referendum gegen die kostendeckende Einspeisevergütung ergriff. Es wollte das Ökostromprojekt schlechthin zu Fall bringen. Riesen brachte zwar nur gut 20'000 Unterschriften zusammen. Dafür knüpfte er Kontakte zu den Jungfreisinnigen. Als diese sich schliesslich aufmachten, die Billag-Gebühren zu bodigen, meldete sich Riesen. So wurde er zum Logistiker im Komitee von «No Billag».

Als Solcher hat er Beachtliches geleistet. Während mittlerweile selbst Jungparteien den bürokratischen Aufwand des Beglaubigens von Unterschriften bei Spezialfirmen einkaufen, erledigten die Initianten von «No Billag» unter der Regie von Riesen das Zählen, Sortieren, Einschicken und wieder Entgegennehmen der Unterschriftenbögen selbst.

Als John Punisher im «Spiegel»
Gegen die Billag-Gebühren ist Riesen, der einst Audio- und Videoelektroniker gelernt hat, aus «technischen Gründen». Im Internetzeitalter sei die Produktion von Radio und TV billiger geworden, Gebührenmilliarden brauche es darum nicht mehr.

Er habe nicht damit gerechnet, dass die Initiative die Schweiz dereinst derart in Atem halten würde. Dabei bewies er auch abseits der Politik ein Gespür für Themen, welche die Menschen auf ganz besondere Weise ansprechen. Unter dem Pseudonym John Punisher veröffentlichte er Bücher mit Anleitungen zur Rache. Das nicht ganz ernst gemeinte Buch wurde zum Hit und Riesen zum gefragten Interview-Partner. Sogar die Journalisten des «Spiegels» interessierten sich für ihn.

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Rächer Riesen?

Aschi Gretzenbach
schrieb am 13.02.2018 11:20
Nach dem immer gleichen Muster, wenn die Argumente ausgehen, zielt man auf den Mann. Und: Neid muss man sich verdienen, Mitleid erhält man gratis. Das ist offensichtlich die Basis, auf der Ritter seinen Artikel geschrieben hat. Wenn solchen "Meinungsmacher" in der Tagespresse so viel Raum für ihre Sicht der Dinge eingeräumt wird, ist der Weg zur "Zwangsgebühren"- finanzieren Presse auch nicht mehr weit. Soll heissen liebe Chefredaktoren: Abos für derartige Berieselungen kann man sich sparen.

Kampagne gegen NoBillag

Nicole, Rothrist
schrieb am 12.02.2018 20:01
Der Bericht sagt mehr über den Autor als über Christian Riesen oder NoBillag. Wer so über eine Person mit Geschichten aus dem letzten Jahrhundert her ziehen muss, ist nicht ehrlich. Christian Riesen lernte ich in Rothrist als sehr bodenständige, tier- und menschenfreundliche Person kennen, der sich gerne und uneigennützig engagiert.

In...

B. Kerzenmacher
schrieb am 12.02.2018 16:54
einem Zeitalter, das es möglich macht, mit einem Computer TV-Produktionen für Millionen anschaubar zu machen, ist die stoische Meinung, den Bildungsauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks kann man nur mit Milliarden aufrechterhalten, doch höchst fragwürdig. Solange Bürger nicht mitbestimmen dürfen, wofür die Gelder ausgegeben werden, haben Zwangsabgaben ohnehin nicht die geringste Existenzberechtigung.
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