Projekt «Aktivstall»: Die glücklichen Pferde vom Ruedertal

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Corinne und Marcel Schnetzler auf ihrer ausgebauten Reitanlage in Schmiedrued. FDU

Der Schnee stäubt unter den Hufen der fünf Wallache. Dicht hintereinander galoppieren sie, nehmen elegant die Kurve um den Weidezaun und rauschen an ihren beiden Haltern vorbei zur Tränke. Corinne und Marcel Schnetzler sind gewissermassen ihre Schlummereltern. Sie sorgen dafür, dass es immer zu Fressen und genügend Schlafplätze gibt und dass es den 17 Pferden auf dem Reitbetrieb «Das Pferd» auch sonst an nichts fehlt.

Die Schnetzlers haben voriges Jahr in Schmiedrued ihr Projekt eines Aktivstalls verwirklicht, der 24 Stunden freien Auslauf vorsieht. Auf diesem können die Pferde nach Belieben zwischen Ruhe-, Liege-, Fress-, und Laufbereichen wechseln. Auch werden sie so zum Bewegen motiviert. Dazu haben sie das Ausbildungs- und Therapiezentrum «Das Pferd» auf ihrem 3000 Quadratmeter grossen Gelände aufwendig ausgebaut. Pferde möchten sich bewegen. Dieser natürliche Drang werde ihnen aber mit der Boxenhaltung genommen, sagt die 48-jährige Corinne Schnetzler.

Freude nicht nur für Reiter
Pferd «Lucky» kommt neugierig daher und stöbert in Marcel Schnetzlers Haaren. «Als er zu uns kam, konnte er Menschen nicht mehr leiden», sagt der 57-jährige Ostschweizer. Schuld daran seien Missverständnisse zwischen Pferd und Reiter gewesen.

In jüngerer Zeit satteln immer mehr Pensionsställe auf Aktivställe um. Corinne und Marcel Schnetzler haben dies mit einem ganzen Reitbetrieb getan, was weit und breit einzigartig ist. Neben der Stallanlage wurde auch eine neue Reithalle à 20 mal 40 Meter gebaut. Nicht nur der Reiter soll hier Freude haben, sondern auch das Pferd. «Ob Sport- oder Freizeitpferd, jedes Pferd verdient einen liebevollen Umgang», sagt Corinne Schnetzler. Dies bedeute, den Pferden in ihrer Ausbildung Zeit für die Entwicklung zu lassen und auch in der Stallhaltung genügend Bewegungsfreiheit zu bieten.

Der Betrieb mit Aktivstall geisterte den beiden schon im Kopf herum, kurz nachdem sie 2005 mit ihren drei Kindern zugezogen waren. Die beiden Töchter, heute 17 und 26 Jahre alt, sind inzwischen ebenfalls in den Reitstiefeln zu Hause, der Sohn ist jedoch nie ein Pferdenarr geworden. Per Zeitungsinserat hatten sie damals von Gränichen aus nach einem geeigneten Hof gesucht. «Der dortige Platz war zu knapp und unsere Pferde waren überall in Ställen verstreut», sagt Corinne Schnetzler über diese Zeit.

Ein paar Jahre nach dem Umzug wollten sie ihr Ökonomiegebäude mit integrierter Reithalle und der Aktivstallanlage realisieren. Doch der Hof stand auf Landwirtschaftsland. Über sechs Jahre sollte es zur Baubewilligung dauern. «Die Gemeinde und auch der Kanton haben uns in dieser Zeit grossartig unterstützt», sagt Corinne Schnetzler. Der erste Plan der Gemeinde, den Nutzungsplan zugunsten des Ausbaus zu revidieren, scheiterte an der Zustimmung des Grossen Rats. Der zweite Plan gelang schliesslich. Das Gelände wurde durch eine Teiländerung der Bau- und Nutzungsordnung sowie des Kulturlandplans zur «Spezialzone Matt».

Selbstständigkeit dank Hightech
Immer wieder kommt eines der Pferde «Grüezi» sagen und prüft, ob nicht in einer Hand ein Leckerli versteckt ist. «Unsere Pferde sind die Lehrmeister für die Reiter und wir sind die Vermittler», erklärt Marcel Schnetzler ihre Rolle. Dieser versuchen die Schnetzlers als Reitlehrer, Pferdeausbilder und Corinne Schnetzler zusätzlich als Reittherapeutin für Reiter und Pferd gerecht zu werden. Da der Preis für ein Pensionspferd von der Art der Leistung abhängt, können ihn die Instruktoren so pauschal nicht nennen.

Kennen gelernt haben sich Schnetzlers in der Ostschweiz. Das Thema Reiten sorgte für so viel Gesprächsstoff, dass sie schliesslich ein Paar wurden. Er, der gelernte Schreiner, war Westernreiter, sie, die gelernte Kauffrau, pflegte den klassischen englischen Stil. Dass sie sich nicht nur privat, sondern auch beruflich zusammentaten, bot sich an.

Jedes der Pferde trägt einen Chip an der Mähne, der ihnen Zugang zu den zugeteilten Bereichen gewährt. Dahinter steckt eine ausgeklügelte Computertechnik. Per Mausklick kann man verfolgen, dass «Magic» schon drei Minuten am Heu fressen ist und «Buddy» vergangene Nacht drei Mal der Hunger gepackt hat.

Mitarbeit der Reiter gefragt
Die Selbstständigkeit der Pferde bedeutet jedoch nicht, dass die Stallbesitzer die Füsse hochlegen können. «Der Zeitaufwand für den Aktivstall ist sogar grösser», sagt Corinne Schnetzler. So müssen die Tiere immerzu beobachtet werden. Immerhin betreuen die beiden eine Pferde-WG mit 17 Mitbewohnern. «Wie ein Mensch hat auch jedes Pferd wieder andere Bedürfnisse», sagt sie. Vor allem die Integration eines neuen Pferdes bereite viel Aufwand.

Damit die Harmonie innerhalb der Pferdegruppe erhalten bleibt, müssen die Pferdebesitzer das ihrige leisten. «Wir stellen in enger Zusammenarbeit sicher, dass die Reiter unsere Philosophie mittragen, mit dem Pferd und nicht gegen es zu arbeiten», so Corinne Schnetzler. Entlasse eine Reiterin das Tier nach dem Reiten gestresst in die Gruppe, lasse es diesen Stress an den anderen Tieren aus. Auch müssen die Besitzer der Pensionspferde regelmässig mit dem Tier arbeiten. Der Begriff «Aktivstall» bedeute nicht, dass das Reitpferd weniger bewegen muss.

www.daspferd.ch

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