Wie viel Energie ist beim EHC Olten noch im Playoff-Tank?

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Kräfteraubendes Körperspiel: Oltens Silvan Wyss (rechts) im Zweikampf an der Bande mit SCL-Verteidiger Yves Müller. (Bild: Freshfocus)

Der EHC Olten wirkt müde, ausgelaugt, erschöpft, spielt die Scheibe abermals kampflos tief ins gegnerische Drittel – Hauptsache, der Puck ist aus dem eigenen Drittel: Die Oltner haben am Sonntag nach einer schnellen 2:0-Führung nach sieben Minuten aufgehört, Eishockey zu spielen. Die Folge: Der SC Langenthal rennt an, macht das Spiel, dominiert. Doch die Quittung bleibt zur Überraschung aller aus: Nur dank einer herausragenden Leistung von Torhüter Matthias Mischler und einer aufopfernden Defensivarbeit vermag sich der EHCO über die Zeit retten.

2:1-Führung in der Serie hin oder her: Es machte in diesem Playoffspiel drei den Anschein, als würden die Powermäuse arg an den Kräften zehren. Schliesslich fiel auch den Langenthalern auf, dass der Gegner die Energiereserven anzapfte: «Wir merkten, dass bei den Oltnern ‹der Pfuus ausgeht›, aber wenn man nur ein Tor schiesst, wird es schwierig, dass man das Spiel gewinnt», kostete SCL-Verteidiger Claudio Cadonau im TV-Interview im Hinblick auf die weiteren Spiele einen kleinen Seitenhieb in Richtung EHCO aus.

«Smart und einfach»
Muss der EHC Olten tatsächlich physisch am Anschlag spielen? Die Passivität habe sicher viel Kraft gekostet, «aber nichtsdestotrotz haben wir gewonnen, was uns wiederum viel Energie gegeben hat», meint Silvan Wyss, der als unermüdlicher Kämpfer im Team stets vorangeht und von geblockten Schüssen einige blaue Flecken davon trug.

EHCO-Trainer Chris Bartolone meint: «Drei Spiele in fünf Tagen, zwei davon gingen in die Verlängerung. Langenthal war in Spiel zwei etwas müder als wir, nun waren wir es. Playoffs gehen an keinem Eishockeyspieler spurlos vorbei», so Bartolone. Er habe deswegen seinen Spielern angeraten, nicht den Anspruch zu haben, besonders Einfallreiches auf das Eis zaubern zu wollen, sondern vielmehr «smart und einfach» zu spielen.

Energielevel: 75 von 100
Doch wie hoch schätzt Trainer Chris Bartolone den Energielevel seiner Mannschaft von 1 bis 100 nach derzeit neun gespielten Playoffpartien ein? «Ich würde sagen: Bei 75 Prozent», sagte Bartolone am Sonntag unmittelbar nach dem Spiel. Nun wurden die Batterien beim EHCO am trainingsfreien Montag wieder aufgeladen. Fragt sich nur: Wie stark?

Klar ist: Die Energiereserven werden nunmehr von Spiel zu Spiel zu einem gewichtigen Thema. Playoffserien werden längst nicht mehr nur auf dem Eis entschieden. Bereits unmittelbar nach einem Spiel beginnt die Regenerationsphase, welche ebenfalls höchste Professionalität erfordert. «Wichtig ist sicher, dass man vor dem Spiel gut aufwärmt und auch danach gut ausläuft. Jeder ist mit sich selber am liebsten», sagt Wyss. «Und dann ist gut Essen und gut Schlafen angesagt.»

Schlaf als Herausforderung
Bereits unmittelbar nach dem Spiel heisst es Kohlenhydrate und Proteine zu sich nehmen und dazu viel Wasser trinken. Doch die grosse Herausforderung ist für die Spieler viel mehr, erholsamen Schlaf zu finden. Oftmals sind die Spieler zu später Stunde zu Hause. Voller Adrenalin finden sie etwa auch auf der Rückfahrt im Car keine Ruhe. «Mit Langenthal als Gegner haben wir kurze Anfahrtswege und können immer zu Hause schlafen. Da sind wir sicher privilegiert», sagt Wyss, der damit auch Eishockeyspieler in anderen Ligen anspricht.

Und dennoch: Haben die EHCO-Spieler spät nachts den Schlaf gefunden, geht der Wecker oftmals nach weniger als sechs Stunden wieder los. Denn in Playoffzeiten steht schon am Morgen früh wieder die aktive Regeneration im Mittelpunkt. Eine Playoffserie ist deshalb auch mental herausfordernd. «Schlaf ist für mich immer noch die beste Erholung. Aber genau so wichtig ist es für mich, vom Eishockey abschalten zu können. Auch mal andere Gedanken zu haben ist die beste Ablenkung, um im Kopf wieder frisch zu sein und mit grosser Lust und Motivation wieder auf das Eis zu gehen. Das tut mir am besten», sagt der erfahrene EHCO-Verteidiger Joel Fröhlicher.

In bester Verfassung
Nicht zuletzt werden die Weichen für physisch harte Playoffs bereits im Sommer vor der Saison gestellt: «Kein Eishockeyspieler absolviert besonders gerne Sommertrainings. Aber diese halten dich während der Playoffs am Leben», weiss EHCO-Athletikcoach Thaddäus Schnider. Körperlich wie auch mental sei die EHCO-Truppe in bester Verfassung. «Wir haben vier ausgeglichene Linien und ausserdem auch noch überzählige Spieler, die einspringen können», so Schnider, der anfügt: «Grundsätzlich hat jeder in den Playoffs müde Beine. Die Frage ist bloss: Wer kann damit besser umgehen?»

Findet der EHCO am Mittwochabend wieder das lauffreudige Spiel? Silvan Wyss sprüht vor Zuversicht: «Wir müssen versuchen, das Spiel wieder etwas offensiver zu gestalten, müssen wieder etwas vertrauter mit der Scheibe umgehen und vor dem Tor unsere Chancen nutzen. Mit unseren Fans im Rücken kommt es gut.» Ein Sieg wäre gleichbedeutend mit drei Matchpucks für den Finaleinzug. Noch ist es ein langer Weg dahin.

Cédric Schneuwly rekonvaleszent
Positive Nachrichten aus dem Verletztenbulletin: Alle verletzt gemeldeten Spieler sind wieder im Eistraining. Insbesondere auch Captain Cédric Schneuwly konnte wieder mittrainieren. Ob und wann er zum Einsatz kommt, entscheidet nicht mehr der Teamarzt, sondern der Trainer. Sowohl Simon Barbero, der zuletzt Schmerzen im Unterkörper verspürte, wie auch der langzeitverletzte Marco Truttmann, absolvieren die Trainings derweil wieder im roten «Kein-Kontakt»-Dress.

Alle Resultate der NLB-Playoff-Halbfinalserien finden Sie hier.

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