Michel Gammenthaler: «Ich rutsche gerne in den Tag hinein»

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Michel Gammenthaler liebt Auftritte, hasst aber das Auswendiglernen. Mirco Rederlechner

Zauberer und Comedian Michel Gammenthaler ist redegewandt, präsent und witzig, dies aber nie unter der Gürtelline. Der 45-Jährige unterhält seit über zwanzig Jahren auf der Bühne, im Radio und Fernsehen. Davor war er als kaufmännischer Angestellter in einem Reisebüro tätig, vermietete Limousinen und mixte Drinks als Barkeeper. Heute vermischt Gammenthaler Zauberei mit Comedy zu einer ganz eigenen Stand-up-Form. Der mehrfach ausgezeichnete Künstler lebt in Uster. Michel Gammenthaler verrät im Interview, weshalb er nie den Wecker stellt, er lieber in der Deutschschweiz als in Deutschland auftritt und ihm das Auswendiglernen verhasst ist. Diesen Samstag, 21. April steht er in der Kleinen Bühne in Zofingen vor ausverkauftem Haus im Rampenlicht.

Herr Gammenthaler, mögen Sie Gurken?

Michel Gammenthaler: (überlegt) Salat- oder Essiggurken? Egal, ich mag beide sehr gerne.

Und wie steht es mit Cornichons?

Absolut, die esse ich auch sehr gerne.

Den «Cornichon»-Preis der Oltner Kabaretttage haben Sie noch nicht erhalten, obwohl sie einige Male dort aufgetreten sind. Ein Traumpreis für Sie?

(Lacht) Preise kommen, wenn man am wenigsten damit rechnet. Darauf hinzu- arbeiten, finde ich etwas albern.

Vor acht Jahren haben Sie mit dem «Salzburger Stier» den renommiertesten Kabarettpreis im deutschsprachigen Raum erhalten. Setzen Sie Preise unter Druck?

Nein, weil ich den Preis ja nicht für etwas erhalten habe, was noch kommt, sondern für das, was ich gemacht habe. Ich finde Preise toll, weil es Zuschauer gibt, die dies als Gütesiegel wahrnehmen.

Was ist Ihre Stärke?

Mein spontaner Umgang mit dem Publikum. Ich nehme wahnsinnig viel auf und was geschieht, baue ich gleich in die Aufführung ein. Das ist für mich das Salz in der Suppe und das mögen auch die Zuschauer, weil sie spüren, dass es jeden Abend anders ist.

Wenn Sie jemanden auf die Bühne holen, welche Grenzen überschreiten Sie niemals?

Für mich ist wichtig, die Person nicht blosszustellen. Meine Maxime ist, dass wir auf der Bühne Spass haben. Besonders freut mich, wenn jemand zuerst scheu ist, sich aber mit der Zeit öffnet und dann richtig den Plausch hat.

Sind Sie ein mutiger Mensch?

Ja und nein. Es gibt Dinge, die ich nicht mehr machen würde. Die haben aber mit der Bühne nicht viel zu tun. Früher reizte mich Bungee-Jumping, heute nicht mehr. Ich habe den Mut, mich neu zu erfinden. Ich habe vier Programme mit verschiedenen Figuren gemacht und ich habe damit aufgehört, als ich keine Lust mehr dazu hatte. Es gab einige, die meinten, ich sei dann weg vom Fenster. So gesehen bin ich mutig, weil ich das mache, was mir Freude macht. Was mir an meinem Beruf sehr gut gefällt, ist, dass ich selbstbestimmt bin. Natürlich habe auch ich Verpflichtungen, doch den grössten Teil der Tage gestalte ich selber.

Und wie sieht Ihr Tag so aus?

Ich rutsche gerne in den Tag hinein. Ich stelle nicht bösartig den Wecker und bin dann da. Nein, ich geniesse es, langsam anzugehen. So zwischen acht und halb neun Uhr morgens fange ich langsam an meine Fühler auszustrecken. Ich bin aber relativ gut organisiert.

Dann können Sie auf Knopfdruck neue Nummern entwickeln?

Wenn ich will, kann ich es. In der Regel fliegen mir aber Ideen unvermittelt zu und dafür bin ich dankbar. Es ist eine grosse Erleichterung für mich, dass ich nie auf eine Eingebung warten musste. Ich bin kein esoterischer Mensch, aber ich bin überzeugt, dass ich über eine unerschöpfliche Quelle an Kreativität verfüge.

Zaubertricks und Texte werden kopiert. Was halten Sie davon?

Wenn man im Theater spielt, sollte man seine Texte und Zaubererein selber erschaffen. Copy – paste würde mich überhaupt nicht zufriedenstellen. Ich stehe ja auf der Bühne, weil ich mich und meine Gedanken ausdrücken will.

Wie haben Sie es mit dem Auswendiglernen?

Ich hasse es, obwohl ich es kann. Gerade wenn ich selber geschriebene Texte lerne, frage ich mich immer wieder, warum ich sie überhaupt aus meinem Kopf rauslasse, wenn ich sie später dann doch wieder auswendig lernen muss.

In der Schweiz haben Sie eine volle Auftrittsagenda. Ist eine Tournee durch Deutschland geplant?

Ich habe keine Ambitionen, in Deutschland oder Österreich aufzutreten. Ich konzentriere mich vor allem auf die Deutschschweiz, hier kann ich mit meiner Kunst ein gutes Leben führen und hier fühle ich mich auch wohl. Zudem haben wir in unserem Land eine tolle Comedy-Szene. Ich sehe keinen Grund, in die Ferne zu schweifen.

 

Michel Gammenthaler tritt mit dem Soloprogramm «Hä ...?» unter anderem am 17. Mai in Fislisbach; 19. Oktober in Sursee sowie 2. und 3. November in Olten auf. Unter www.michel-gammenthaler.ch alle Auftrittsdaten.

Michel Gammenthaler

Der 45-Jährige wuchs im Kanton Zürich auf und begann seine berufliche Laufbahn mit einer kaufmännischen Lehre in einem Reisebüro. Nach verschiedenen Temporärjobs präsentierte Michel Gammenthaler Ende der 90er-Jahre mit dem Bieler Zauberkünstler Christoph Borer erste abendfüllende Programme. 2003 stellte er sein erstes Soloprogramm unter dem Titel «Doppelgänger» vor und kombinierte Magie mit Komik. Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Publikums- und Jurypreis des Arosa-Humor-Festivals. Aktuell tourt Michel Gammenthaler mit seinem neusten Programm «Hä...?» durch die Schweiz.

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