Über Kantonsgrenzen hinweg: Schutz einheimischer Pflanzenbestände

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Ein sogenannter Neophyt: das einjährige Berufskraut. (Bild: Werner Stirnimann)

Nördlich des Napfs fliessen diverse Bäche Richtung Norden zur Aare. Sie durchqueren dabei bernisches, luzernisches und aargauisches Gebiet in der Grössenordnung von 600 Quadratkilometern. 70 Praktiker und Fachleute aus diesem Gebiete diskutierten in Altbüron über den Ansatz einer «neophytenarmen Zone» zur weiterhin vorbildhaften Eindämmung exotischer Problempflanzen. Dieser wurde während der letzten 12 Jahren von verschiedenster Seite vorangetrieben und unterstützt. Damit sollen die einheimischen Pflanzenbestände samt vielfältiger Tierwelt bewahrt werden.

Der neue Begriff «neophytenarme Zone» stiess auch beim Bundesamt für Umwelt (BAFU) auf grosses Interesse. Ebenfalls unterstützt wurde die Tagung vom Kanton Luzern, von mehreren Regionalorganisationen und vom WWF Bern, das sich das europaweit bedeutsame Smaragdgebiet Oberaargau am Unterlauf der Fliessgewässer Langete, Rot und Oenz befindet. Insgesamt 60 Gemeinden waren im Vorfeld kontaktiert worden, an der Tagung war die Mehrzahl davon über die eine oder andere Funktion vertreten.

Im Sinne nationaler Strategie

Aus Bundesbern an die Tagung angereist war Gian-Reto Walther, zuständiger für das Thema Neobioten (zum Beispiel Neophyten) beim Bundesamt für Umwelt. Er stellte an der Tagung die Bestrebungen des BAFU vor. Diese sind komplex und umfassen viele strategische, rechtliche und koordinative Bereiche. Für die Pioniere unter den Tagungsteilnehmer war sein Fazit Balsam in den Ohren: «Wer heute schon Anstrengungen unternimmt, invasive gebietsfremde Arten einzudämmen, handelt übereinstimmend mit der Zielsetzung der ‹Strategie der Schweiz zu invasiven Arten’ und verringert dadurch den eigenen Handlungsbedarf und damit die Kosten in der Zukunft.»

Peter Kull von der Abteilung Landwirtschaft und Wald (lawa) des Kantons Luzern zeigte eingangs erschreckendes Bildmaterial, etwa von einem Wald voller Drüsiges Springkraut, von Infrastruktur inmitten Japan-Knöterich oder von einem Flachmoor mit Reinbewuchs nordamerikanischer Goldruten. Während Leute im Auftrag des Kantons in Naturschutzgebieten selber Hand anlegen, unterstützt das lawa die ausführenden Kräfte mit verschiedenem Informationsmaterial, online und in gedruckter Form. Zudem hat der Kanton Luzern in jeder Gemeinde eine Kontaktperson und führt unter anderem zusammen mit dem Kanton Bern einen Pilotversuch gegen den Japan-Knöterich durch. Auch Peter Kull motivierte zu frühzeitigem Handeln und lobte den Ansatz der «neophytenarmen Zone» in den nördlichen Napfausläufern ein «gutes Konzept», das auch anderswo Schule machen könne.

Beat Stöckli (Biodiversia GmbH) zeigte Beispiele von seltenen Pflanzen, die sonst von den exotischen Problempflanzen verdrängt würden. Dank Freiwilligen und dem frühen Bekämpfungsbeginn vor 12 Jahren können die Kosten für Eindämmung der invasiven Neophyten zwischen Napf und Aare vergleichsweise tief gehalten werden. Sie bewegen sich pro Gemeinde oftmals nur im Bereich weniger Hundert, im Ausnahmefall weniger Tausend Franken. Trotzdem stellte sich bei der Diskussion der rund 600 Quadratkilometer grossen «neophytenarmen Zone» heraus, dass die Gemeindefinanzen der kritische Faktor sind; beziehungsweise die Priorität welche dem Thema auf Stufe Gemeinderat und letztendlich auch Werkhof oder Unterhalt gegeben wird. Obwohl dadurch Zurückhaltung zu spüren war, zeigte sich an der Tagung eine deutliche Mehrheit der Anwesenden bereit, im Alltag weiterhin einen Beitrag zur Weiterentwicklung der «neopyhtenarmen Zone» nördlich des Napfs zu leisten.

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