Der Zofinger Stadtpfarrer Lukas Stuck sagt: «Die Kirche ist auch ein Kraftort»

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«Riesige Events zu organisieren, um die Leute in die Kirche zu locken: Das brauchen wir nicht», so Pfarrer Lukas Stuck. Foto: pp

Herr Stuck, zum zweiten Mal organisieren Sie am 25. Mai eine «lange Nacht» in der Zofinger Stadtkirche. Das Projekt war letztes Jahr also ein Erfolg?
Ja. Die «lange Nacht der Kirchen» ist ein internationales Projekt. Wir fanden, das probieren wir auch im Aargau aus. Das Projekt gab den Anstoss, auch andere Angebote in den Abendstunden aufzugleisen. Wir haben letztes Jahr einen Bibel-Marathon organisiert, bei dem die Kirche die ganze Nacht geöffnet blieb. Wir wollen damit signalisieren, dass die Kirchentür nicht nur sonntags offen ist. Die Stadtkirche Zofingen ist ja seit einiger Zeit montags bis sonntags tagsüber immer offen.

Die Lesung mit Hansjörg Schneider ist ja eine Art Kultur-Anlass.
In der «langen Nacht der Kirchen» soll nicht der Pfarrer, sondern jemand anders das Wort haben. Mir war wichtig, etwas Aussergewöhnliches zu organisieren. Darum auch der Auftakt mit den Poetry Slams, vorgetragen von ehemaligen Konfirmanden. Dass der bekannte Autor Hansjörg Schneider zu uns in die Stadtkirche kommt, ist eher Zufall. Zustande kam es dank unserem guten Kontakt mit der Buchhandlung Mattmann. Schneider fand die Idee, in der Kirche aus seinem neusten Buch zu lesen, gut. Das soll auch zeigen: Die Stadtkirche ist ein öffentlicher Ort, nicht nur ein privates Versammlungslokal am Sonntagmorgen. Es heisst ja STADTkirche. Sie ist das älteste Gebäude in der Stadt, sie liegt im Zentrum und bildete früher das Zentrum. Das möchten wir den Menschen ein Stück weit zurückgeben. Die Kirche ist ja auch so etwas wie ein Kraftort.

Kritiker sagen, die Kirchen setzten immer mehr auf Events statt Glaubensinhalte. Was antworten Sie?
Ich kann diese Stimmen verstehen. Meine primäre Aufgabe ist es sicher nicht, grosse Events zu organisieren, sondern die Seelsorge; bei den Menschen zu sein. Wir haben in den Vorbereitungen darauf geachtet, nicht ein aufwendiges Programm zu gestalten, sondern zu bündeln, was schon da ist – aufbauend auf bestehenden Kontakten. Riesige Events zu organisieren, um die Leute in die Kirche zu locken: Das brauchen wir nicht. Wir stellen aber fest, dass sich in den letzten Jahren wieder mehr Menschen für die Kirche als Ort interessieren; die «lange Nacht der Kirchen» kommt diesem Bedürfnis entgegen. Wir bieten eine Plattform an einem sehr schönen Ort.

Die reformierte Kirche hat 2017 im Kanton Aargau wieder Mitglieder verloren. Geht das so weiter?
Dieser Prozess ist nicht umkehrbar, die Kirche verändert sich; wir sind nicht mehr die Volkskirche, die wir früher waren – und diese Zeiten werden auch nicht mehr kommen. Wir sind eine Minderheit, das ist ein Fakt. Das stellt uns auch vor die Herausforderung, zu prüfen, vor welchen Aufgaben wir stehen. In Zofingen heisst das unter anderem, dass die Kirche ein Ort sein soll, in dem alle willkommen sind. Neben der Tatsache, dass die reformierte Kirche weniger Mitglieder hat, gibt es auch positive Entwicklungen. Wir haben mehr Freiwillige, die aktiv das Kirchenleben gestalten. In Zofingen haben wir eine sehr stabile Zahl an Gottesdienst-Besucherinnen und -Besuchern.

Die «Lange Nacht der Kirchen» in der Region

Den Auftakt der langen Zofinger Kirchennacht machen Jugendliche der Kantonsschule Aargau. Sie werden Poetry Slams präsentieren, selbst geschriebene Texte zum Thema Kirche. Höhepunkt ist die Lesung von Hansjörg Schneider. Der bekannte, in Zofingen aufgewachsene Autor wird aus seinem autobiografischen Buch «Kind der Aare» lesen. Nach der Lesung sind die Türen der katholischen Kirche Zofingen geöffnet und laden zum ökumenischen Taizé-Gebet ein. Ein besonderes Programm bietet die reformierte Kirche Brittnau. Auftreten im Gottesdienst (ab 19.30 Uhr) wird der Schweizer Modedesigner David Togni. Er ist Gründer des sozialen Modelabels «Love Your Neighbour», das hauptsächlich durch den Verkauf von Fairtrade-Produkten Geld für Menschen in der Not sammelt. Um 21.30 Uhr tritt die junge Sängerin Gloria Amelia auf – «ihre Lieder erzählen Geschichten von träumenden, reisenden, trauernden, verliebten und kritischen Gedanken», heisst es in der Ankündigung. Die reformierte Kirchgemeinde Rothrist startet um 18 Uhr in die «lange Nacht», unter anderem steht ein Bibliolog auf dem Programm, bei dem man «eine Geschichte der Bibel erleben und mitten in der Geschichte dabei sein kann». Eine lange Kirchennacht läutet am übernächsten Freitag auch die Stadtkirche Aarburg ein, auf dem Programm steht unter anderem Musik und Singen mit der Gesangsformation Nameless.
Weitere Infos: www.langenachtderkirchen.ch

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