Bänz Friedli entzündete in der Kleinen Bühne Zeitbomben

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„Die Tiere werden durch gründliches Abwaschen vom radioaktiven Staub befreit“. Kein Witz von Bänz Friedli, sondern ein behördlicher Ratschlag. (Bild: kubu)

Er ist ein Einzelgänger, eine Ausnahmeerscheinung in der Schweizer Komikerszene und darüber hinaus. Bänz Friedli hat sich mit seinen philosophisch-witzigen Geschichten und Erfahrungen unzählige Auszeichnungen geholt. Zweieinhalb Stunden sprudelte es im Stegreif nur so aus ihm hinaus, pausenlos, nonstop. Kein Versprecher, die Rede garniert mit Körpersprache, ulkiger Gestik und Mimik, auch geistig eine unglaubliche Leistung. Stoff findet er überall als Beobachter absurder Verhaltensmuster im Alltag, in der Politik, der Schule, der Schweizergeschichte und in der Erziehung. So zum Beispiel im Gespräch mit einem Kind, das vom Sperma redete und wissen wollte was damit gemeint sei. Schliesslich stellt sich heraus, dass es darunter die Figur auf dem Zweifränkler mit einem Speer in der Hand verstand, eben den „Speerma“. Bänz wunderte sich auch, dass Vierjährige bereits mit dem Smartphone umgehen können, aber keine Ahnung vom Nationalheld Tell haben. Aber dieser sei ja sowieso von alternativen Historikern entthront worden. Überhaupt könne von einem „einzig Volk von Brüdern“ keine Rede sein. Wo denn da die Schwestern blieben, lautete der Vorwurf.

Überall Anstössiges gefunden
Ein so aufmerksamer Beobachter wie Bänz Friedli entdeckt ständig problematische Entwicklungen. Vorerst sprach er von seinen Erfahrungen als Schutzraumkontrolleur, wo er unglaubliche Sachen gesehen habe, und leitete dann über zum Atomproblem, Endlager und den Schutzmassnahmen, die anfänglich sehr naiv gewesen seien. So lautete ein behördlicher Ratschlag: „Die Tiere werden durch gründliches Abwaschen vom radioaktiven Staub befreit“. Nach dem Motto „Glaube, Liebe, Hoffnung“ würden dann die Strahlen allmählich zurückgehen. Heute herrsche zwar die Meinung, man müsse mit dem Endlager „langsam vorwärts machen“, was in sich ein Widerspruch sei. Dann prophezeite Bänz selber fahrende Autos, die allein Kommissionen besorgen, das Laubblasen war bei ihm blosse Umverteilung und Live Ticker seien Instrumente, mit dem wir unsere Zeit in den Griff bekommen. Das Umgekehrte sei jedoch der Fall. Dann ärgerte er sich über die behördliche Regulierungswut. In Deutschland gelte zum Beispiel die Vorschrift, dass der Kondom eine Füllmenge von zwanzig Litern ertragen müsse bevor er platze. Schliesslich zitierte er noch Heinrich Heine (1797-1856): „Was dem Menschen dient zum Seichen, damit schafft er auch seinesgleichen“.

Absonderliches ins Visier genommen
Um die davonlaufende Zeit todzuschlagen, bewaffnete sich Bänz Friedli nach der Pause mit einer Fliegenklatsche. Besonders nötig sei diese in der unendlichen Warteschlaufe von Swisscom. Dann regte er sich auch auf über Mädchen mit knabenhafter Gestalt, wo da die Brüste blieben, fragte er sich. Als bekennender Anhänger der Young Boys ärgerte er sich auch, dass solche eine der am meisten bei Google angeklickten Suchangabe der Schwulen sind. Ebenso verwerflich fand er die Aussage von Darbeleys Geliebten, dass ihr Söhnlein ein Geschenk Gottes sei. Damit habe der leibliche Vater eine unangebrachte Spitzenposition erreicht. In Deutschland würden alle Schweizer als Komiker gelten, stellte er fest. Auch der von allen Seiten bejubelte und ideologisch in Anspruch genommene Niklaus von der Flüh sei keine Ausnahme. Er habe zwanzig Jahre ohne Nahrung gelebt und einen Stein als Kopfkissen benützt. Schliesslich sei er zum Opfer einer Kissenschlacht geworden. Gesättigt von einem Querschnitt aus nachdenklich und hinreissend komischen Geschichten, trennte sich das Publikum ungern vom fabelhaften Bänz Friedli. Sein Auftritt war die köstliche und überaus witzige Finissage in einer erfolgreichen Saison der Kleinen Bühne.

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