Trockenheit und Hitze: So steht es um das Trink- und Badewasser im Aargau

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Auch wenn es gerade bei grosser Hitze besonders Spass macht, sollte man den Gartenschlauch im Moment eher sparsam benutzen (Bild: Shutterstock)
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Bauern müssen ihre Felder bewässern (Archivnild om)

Nach Bergdietikon haben weitere Aargauer Gemeinden die Bevölkerung dazu aufgerufen, umsichtig und sparsam mit dem Trinkwasser umzugehen. Am Montag informierte der Bergdietiker Gemeinderat, dass sich eine Trinkwasserknappheit abzeichne. Grundwasser könne nicht mehr in den gewohnten Mengen gefördert werden, sodass bereits Wasser aus den Nachbargemeinden gekauft werden musste. In den letzten 30 Tagen habe Bergdietikon rund 55 Prozent des Wassers zugekauft, sagte Gemeindeschreiber Patrick Geissmann gegenüber der «Limmattaler Zeitung».

Als erste Präventivmassnahme und zur Sensibilisierung der Bevölkerung hat der Gemeinderat beschlossen, den Betrieb der öffentlichen Brunnen bis auf weiteres einzustellen. Ebenso wird die Bewässerung von öffentlichen Grünanlagen auf das Notwendigste reduziert.

Ein Platzregen bringt nichts
Innert nur eines Tages sind dem Aufruf aus Bergdietikon weitere Gemeinden gefolgt. So bitten auch Frick, Aristau und Ueken die Bevölkerung, Wasser zu sparen. In Ueken hat der Wasserstand im Pumpwerk Blackimatt die Marke von 370 Metern über Meer erreicht. Ist dieser Stand erreicht, folgt ein Aufruf zum Wassersparen. Sinkt der Pegel weiter unter 368 Meter über Meer, ist der Stand kritisch und es gibt konkrete Einschränkungen für den Wasserverbrauch, heisst es in der Mitteilung der Gemeinde.

Brunnenmeister Lukas Schraner schätzt, dass es etwa weitere zwei Wochen dauern würde, bis die kritische Grenze erreicht wäre. Die Wasserpumpen in Ueken laufen aber auch dann weiter. Erst bei einem Wasserstand von ungefähr 364 Metern über Meer stellen sie ab, sagt Schraner. Er hofft, dass es nicht so weit kommt und der Grundwasserspiegel vorher wieder steigt. Dazu reiche ein Gewitter oder ein Platzregen aber nicht. «Es müsste schon ein bis zwei Wochen regnen», so der Brunnenmeister. Bei einem Platzregen falle zu viel Wasser auf einmal. «Der Boden kann das Wasser gar nicht aufnehmen. Es landet in den Bächen oder in der Kanalisation.»

Hoher Wasserverbrauch in Frick
Während der Grundwasserspiegel sinkt, steigt der Wasserverbrauch wegen der hohen Temperaturen stark an. In Frick etwa werde fast täglich ein Verbrauch von bis zu 200 000 Liter pro Stunde erreicht, heisst es in der Mitteilung des Gemeinderates. Mit 200 000 Liter Wasser könnten etwa 1300 Badewannen gefüllt werden. Auch in der Nacht sinkt der Wasserverbrauch in Frick kaum unter 60 000 Liter pro Stunde. Das sei dreimal so viel, wie während einer durchschnittlichen Nacht, heisst es in der Mitteilung weiter.

Auch Frick hat als Massnahmen gegen die Trinkwasserknappheit öffentliche Brunnen auf das Minimum reduziert. Bäume werden nur noch bei Neupflanzungen oder im Strassenbereich gewässert. Auch bei den Sportplätzen wurde die Bewässerung auf das absolute Minimum eingeschränkt, heisst es in der Mitteilung. Zudem bittet der Gemeinderat auch die Landwirtschaft und Industrie darum, den «Wassereinsatz sehr gezielt vorzunehmen und allfälliges Sparpotenzial auszunützen.

Anders als Bergdietikon musste Frick bis jetzt noch kein Wasser von einer Nachbargemeinde zukaufen. «Im Fricktal haben wir aber gerade entlang der Sissle keinen grossen Grundwasserträger», sagt Harri Widmer, Leiter Bau und Umwelt. Es sei deshalb umso wichtiger, dass auch in Gemeinden, die über mehr Reserven verfügen, Wasser gespart werde. «Bei dieser extremen Trockenheit sollte Wassersparen für alle ein Muss sein», sagt Widmer. Das dürfte der Bergdietiker Gemeindeschreiber Patrick Geissmann gleich sehen. «Wenn die Gemeinden, von denen wir Wasser kaufen, in Bedrängnis geraten, sind wir stark betroffen», so Geissmann. Bergdietikon hinge buchstäblich am Tropf der Nachbarn.

Quellen nicht übernutzen
Aus einer Nachbargemeinde zu beziehen, haben fast alle Aargauer Gemeinden. «Je nach Gebiet können verfügbare und benötigte Trinkwassermengen über mehrere Gemeinden ausgeglichen werden», sagt Irina Nüesch von der Abteilung Trink- und Badewasser beim Kanton. Die kantonalen Fachstellen würden diese regionalen Versorgungskonzepte «angesichts der Klimaentwicklung begrüssen und fördern». Im Gegensatz zu früher seien Noteinspeisungen in Form von provisorischen Schlauch- oder Leitungsverbindungen zur Seltenheit geworden, sagt Nüesch. Der Bezug von Trinkwasser aus benachbarten Gemeinden sei für die Gemeinde natürlich mit Zusatzkosten verbunden.

Gleichzeitig sollten die Quellen und Grundwasservorkommen während Trockenperioden nicht übernutzt werden. «Der Aufruf zum Wassersparen erfolgt deshalb oft aus beiderlei Gründen», sagt Irina Nüesch. Also auch aus Kostengründen.

Jeder kann mithelfen
Laut Wetterbericht bleibt es auch die nächsten Tage trocken und heiss. Damit sich die Wasserknappheit im Aargau nicht weiter zuspitzt, sind die Gemeinden auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. Solange der Regen ausbleibt, sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • Keine Autos oder Hausplätze waschen
  • Keine Pools füllen
  • Den Rasen gar nicht und Gartenanlagen nur sparsam bewässern. Am besten nur mit gesammeltem Regenwasser, sofern noch vorhanden
  • Duschen statt baden. Ein Bad verbraucht bis zu sechsmal mehr Wasser als eine Dusche
  • Geschirrspüler und Waschmaschine vor dem Einschalten ganz auffüllen
  • Anlagen auf versteckte Lecks überprüfen, zum Beispiel WC-Spülungen

WALDBRANDGEFAHR

Feuerungsverbot im Suhrental-Uerkental

Die Regiowehr Suhrental hat gestern für alle Gemeinden des Bevölkerungsschutzverbandes Suhrental-Uerkental ein generelles Feuerungsverbot im Wald verfügt. Es betrifft die Gemeinden Attelwil, Bottenwil, Hirschthal, Holziken, Kirchleerau, Kölliken, Moosleerau, Muhen, Reitnau, Safenwil, Schlossrued, Schmiedrued, Schöftland, Staffelbach, Uerkheim und Wiliberg. Das Verbot gilt auch für befestigte Feuerstellen, Unterstände und Waldhütten mit Kamin. Im Siedlungsgebiet sei äusserste Vorsicht geboten. Untersiggenthal hat wegen der Waldbrandgefahr das 1.-August-Höhenfeuer im Boll abgesagt. Gipf-Oberfrick schreibt in einer Mitteilung, dass ein Feuerwerksverbot immer wahrscheinlicher werde. Zudem könne es sein, dass das traditionelle 1.-August-Feuer ausfalle.

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