Panini für Patrioten: Die missglückte Wiederbelebung der Bundesfeierkarten

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Ab 1910 sorgten die Bundesfeierkarten alljährlich für eine Postkartenflut in den Schweizer Briefkästen. Besonders patriotisch: die Karte des Künstlers Richard Schaupp, die 1910 die beiden imaginären Helden Tell und Winkelried auf einem Sujet vereinte (unten rechts). HO
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Die Idee war genial: Der St.Galler Kaufmann Albert Schuster blickte 1909 kritisch auf das Treiben am 1.August und befand, die Bundesfeier dürfe sich inskünftig nicht mehr «im blossen Vergnügen und Feiern» erschöpfen. Der Nationalfeiertag, meinte Schuster, müsse mit einem karitativen Akt verbunden werden.

Die Idee stiess auf Anklang. Schon im Jahr darauf entwarf das neu gegründete Bundesfeierkomitee zusammen mit der Schweizerischen Postverwaltung die erste offizielle Bundesfeierkarte. Für 20 Rappen konnte man sie kaufen. Der Erlös (rund 29000 Franken) ging vollumfänglich an die Opfer einer Hochwasserkatastrophe.

Zustupf für «notleidende Mütter»
Die Idee des karitativen Kartengrusses überstand die Wirren der beiden Weltkriege und hielt sich bis ins Jahr 1960. Ein Schweizer Künstler entwarf jeweils das Sujet, das Bundesfeierkomitee legte – anfänglich noch in Absprache mit dem Bundesrat – den Spendezweck fest. Mal kamen «notleidende Mütter» zum Zug, mal das Rote Kreuz, mal wurde der Erlös für die «Hauswirtschaftliche Erziehung» ausgegeben.

1960 erschien die letzte offizielle Bundesfeierkarte. Der Absatz sank von einst über 600000 verkauften Exemplaren im Jahr 1938 auf 100000 Karten. Zudem erfüllten ab 1938 die Bundesfeier-Briefmarken (ab 1952 unter dem «Pro Patria»-Label vertrieben) die sommerliche Spendensammelfunktion. Im vergangenen Jahr aber wollte die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft (SGG), ein Verein zur Stärkung der Zivilgesellschaft, den Brauch wieder aufleben lassen. Die SGG, die auch das Rütli verwaltet, rief gemeinsam mit «Pro Senectute» alle pensionierten Bewohnerinnen und Bewohner der Schweiz auf, Vorschläge für die Bundesfeierkarte 2017 einzureichen. Diese sollten nicht mehr wie einst die Werte Wehrhaftigkeit, Fleiss und Bescheidenheit vermitteln, sondern lediglich einen «Aspekt des Lebens in der Schweiz» zum Ausdruck bringen. Der Sieger des Wettbewerbs hätte am 1.August auf dem Rütli verkündet werden sollen.

Unbefriedigende Einsendungen
Doch statt der Bundesfeierkarte aus Volkes Stube präsentierte die SGG eine professionell gestaltete Karte aus eigenem Haus. Was war geschehen? «Keine der etwa 50 Einsendungen genügte den Voraussetzungen, weder inhaltlich noch technisch», erklärt SGG-Geschäftsleiter Lukas Niederberger. «Deshalb wurde auf eine neue Bundesfeierkarte im Jahr 2017 verzichtet.»

Des pensionierten Schweizers Vision der Heimat schien also nicht mit den Vorstellungen der Marketingprofis der SGG zusammenzupassen. Auch dieses Jahr ist die von der SGG herausgegebene Bundesfeierkarte ein Eigengewächs des Traditionsvereins, das auf die von der SGG seit Jahren beworbene neue Nationalhymne aufmerksam macht. Von den – wenn auch aus heutiger Sicht antiquiert wirkenden – künstlerischen Karten der Vergangenheit ist der SGGEntwurf meilenweit entfernt.

Im kommenden Jahr wird die Bundesfeier am 1.August unter dem Motto «Miliz» gefeiert. Ein perfekter Steilpass für die SGG, um einen neuen Wettbewerb für eine künstlerisch anspruchsvolle Bundesfeierkarte auszurufen.

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Heinrich Häfliger
schrieb am 22.07.2020 08:47
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