Géraldine Ruckstuhl: Mit dem richtigen Umfeld wird man gross

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An den Schweizer Meisterschaften in Zofingen holte Géraldine Ruckstuhl mit dem Speer ihren ersten Titel bei den Aktiven. (Bild: Michael Wyss)

Mit dem Tüpfelchen auf dem i, wie sie es beschreibt, endete Géraldine Ruckstuhls Saison. Beim IAAF-Meeting Décastar in Talence (Fr) realisierte die Athletin aus Altbüron Platz zwei und im Siebenkampf einen Schweizer Rekord. Die 20-Jährige verbesserte die alte Bestmarke von 6357 auf 6391 Zähler: «Die Bedingungen waren perfekt und ich bin froh, dass ich die Wettkampfzeit mit einem so guten Resultat abschliessen konnte.»

In ihrer Stimme schwingt viel Freude mit, wenn sie vom «tollen Meeting» in Frankreich erzählt, bei dem ihr der Weltrekord im Zehnkampf (9126 Punkte) des Einheimischen Kevin Mayer ebenso Eindruck machte wie die Stimmung. Jeder Teilnehmende durfte ein Musikstück wählen, das bei dessen Einsätzen abgespielt wurde. Géraldine Ruckstuhl entschied sich für «Summer» von Calvin Harris und unternahm zu dessen Beats beim Weit- und Hochsprung ihre Versuche.

Der Wettkampfstart über 100m Hürden glückte mit 13,85 Sekunden. Im Hochsprung pushte der eigene Sound Géraldine Ruckstuhl zur persönlichen Bestleistung. Mit 1,83 schaffte sie zwei Zentimeter mehr als bisher und riss auch bei 1,86 die Stange nur knapp. 13,82 Meter im Kugelstossen und 24,96 Sekunden über 200m wären laut ihrem Trainer Rolf Bättig bei noch besseren Windverhältnissen steigerbar. Im Weitsprung blieb Géraldine Ruckstuhl mit 5,96 Meter rund zehn Zentimeter unter ihrer eigenen Topmarke. Im Speerwurf glückte ihr das Einwerfen besser als der Wettkampf, als das Sportgerät bei 55,11 Meter stecken blieb.

Vor dem abschliessenden 800-Meter-Lauf hatte die Altbürerin eine längere Pause, die sie optimal nutzte. «Der Massenstart war ungewöhnlich, es gab ein ziemliches Gerangel auf den ersten 200 Metern. Eigentlich hatte ich vor lauter ‹Ellbögeln› schon die meiste Energie verbraucht.» Dann aber mobilisierte Géraldine Ruckstuhl nochmal alle Kräfte, im Wissen, dass der Schweizer Rekord greifbar war und drückte aufs Tempo. «Ich spürte, dass ich Reserven habe und voll angreifen muss», so die Athletin des STV Altbüron. Ausgepumpt überquerte Géraldine Ruckstuhl die Ziellinie. Ihr Effort und ihr Mut wurden mit 2:13,98 und dem Schweizer Rekord belohnt.

Umstellungen zahlten sich aus

Dass das Ausnahmetalent in Form ist, war vor dem Meeting in Frankreich klar. Zuletzt holte Géraldine Ruckstuhl an den U23-Schweizer-Meisterschaften vor Wochenfrist in Aarau den Titel mit dem Speer, im Weitsprung und im Kugelstossen sowie Silber über 100 m Hürden. An der Europameisterschaft in Berlin wurde sie im August starke Neunte.

Aber die Konstanz, die sie beim Saisonabschluss an den Tag legte, überraschte. «Eigentlich fühle ich mich ja immer noch als Nachwuchsathletin. Dass ich mit 20 Jahren mit den besten der Welt mithalten kann, gibt mir viel Selbstvertrauen.» Zudem verschaffe ihr der erfolgreiche Saisonabschluss die Gewissheit, dass sie auf gutem Weg sei und die Umstellungen richtig waren. Ausbezahlt habe sich etwa, dass sie die Saisonvorbereitung erstmals in Magglingen absolviert habe, wo sie nebst perfekter Infrastruktur auch gutes Essen genossen habe.

Die Erweiterung des Trainerteams fruchtete auch früher als geschätzt. Nebst Rolf Bättig fördern und und fordern Adrian Rothenbühler (Kraft, Sprung), Theo Felber (Sprung), Terry Mc Hugh (Speer und Kugel), Raphael Monachon (Hürden) und Philipp Huber (Nationaltrainer) die Luzernerin. «Der Austausch unter und mit ihnen ist enorm motivierend», betont Géraldine Ruckstuhl, die daneben auf ein starkes familiäres Umfeld baut und sagt: «Nur wenn alles stimmt, kannst du gross werden.» Ihrem nächsten grossen Ziel, Olympia 2020 in Tokio, sei sie einen wesentlichen Schritt näher gekommen. «Und ich habe diese Saison viel über mich und meinen Körper gelernt, lege mehr Wert auf Regeneration», betont Ruckstuhl, die in der viermonatigen Saison eine «enorme Spannbreite» an Erfahrungen sammelte.

Missglückter Beginn

Beim ersten Meeting im Mai in Götzis zwang sie nach geglückter Vorbereitung ein Zwicken im linken Oberschenkel zur Aufgabe und zu einer Pause mit Physiotherapie und Aufbautraining. In Zofingen sicherte sich Géraldine Ruckstuhl im Juli mit dem Speer den ersten Schweizer-Meister-Titel bei den Aktiven, ehe mit Rang 9 an der EM in Berlin ein weiteres Topergebnis glückte. «Das ist ein Jahr, das ich gerne Revue passieren lasse und analysiere.»

Nun freut sich Géraldine Ruckstuhl auf eine Pause, auf die Zeit mit Familie und Freunden und darauf, «mal eine Weile nicht an Leichtathletik denken zu müssen.» Ganz zur Ruhe kommt sie aber auch bis Ende Oktober, wenn sie das Training wieder aufnimmt, nicht. «Nach drei Tagen ohne Sport halte ich es nicht mehr aus und muss was tun», sagt die Kauffrau und lacht. Wandern, biken oder Tennis – Bewegung muss irgendwie dann doch sein.

Leichtathletik. Talence (Fr). Internationales Mehrkampfmeeting. Männer. Zehnkampf: 1. Kevin Mayer (Fr) 9126 (WR, bisher Ashton Eaton 9045 2015). – Frauen. Siebenkampf: 1. Carolin Schäfer (De) 6457. 2. Géraldine Ruckstuhl (Altbüron) 6391 (Einzelresultate: 100 m Hürden 13,85; Hoch 1,83 m; Kugel: 13,82 m; 200 m: 24,96, Weit: 5,96 m; Speer: 55,11 m; 800 m: 2:13,98).

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