Züri-Schnurre gegen Berner Langsamkeit

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Tobias Walt

Berner sind langsam. Manchmal eben deutlich zu langsam. Dies wurde mir kürzlich nach einer schönen Wanderung auf den Gantrisch wieder aufgezeigt. Nicht viele reguläre Postautos bedienen pro Tag den gleichnamigen Naturpark. Deshalb hat «Bus alpin» den Wanderbus ins Leben gerufen. Ein privater Verein, welcher an Wochenenden Verbindungen für Wanderer in abgelegene Gebiete organisiert. GA und Halbtax-Abo sind im Wanderbus nicht gültig, auch wenn er durch die Postauto AG betrieben wird. Also bezahlte ich zwölf Franken für die Strecke zwischen Gurnigel Wasserscheidi und dem Bahnhof Schwarzenburg, nachdem das Postauto bereits mit einigen Minuten Verspätung eingetroffen war und es dem Chauffeur lange Zeit nicht gelang, sein Ticketverkaufsgerät in den Griff zu bekommen. So fuhr der Bus mit einer Verspätung von sechs Minuten los.
Ich würde ja nun gerne den Chauffeur in Schutz nehmen, denn mit technischen Problemen hatte wohl jeder von uns schon zu kämpfen. Doch leider machte der Berner seiner Herkunft alle Ehre. Während der 40-minütigen Fahrt dachte er nicht im Geringsten daran, die Verspätung aufzuholen. Im Gegenteil: An einer Stelle hielt er an und führte ein zweiminütiges Telefongespräch. Und als ein Postauto entgegenkam, plauderte er eine weitere Minute mit dem Kollegen, ehe es in gemächlichem Tempo weiterging. Als der Bus an einer im Winde wehenden Berner Flagge vorbeifuhr, hatte ich fast das Gefühl, ich würde den Berner Bären mit dem Chauffeur zweistimmig singen hören: «Probier’s mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit ...»
Just in dem Moment, als der Bus auf dem Bahnhofsvorplatz in Schwarzenburg vorfuhr, setzte sich der Zug in Richtung Bern in Bewegung. Hätte der Chauffeur auf seine gemütlichen Plaudereien verzichtet, wäre der Anschluss trotz der Anfangsverspätung problemlos erreicht worden. Ich ärgerte mich allerdings nicht darüber, dass ich nun 30 Minuten auf den nächsten Zug zu warten hatte. Zeit hatte ich an diesem freien Tag. Viel mehr ärgerte ich mich darüber, zwölf Stutz für einen ungenügenden Service ausgegeben zu haben, der mich nun doch nicht schneller an mein Ziel brachte, als wenn ich am Berg auf das nächste reguläre Postauto gewartet hätte, mit dem ich kostenfrei mitgefahren wäre. Tja, ihr lieben Berner: Wenn ihr so auf eure Langsamkeit pocht, dann wundert euch nicht über eine sich beschwerende «Züri-Schnurre».

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