Wahre Meister im Versteckspiel

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Ostern ist vorbei. Geblieben ist ein Berg an süssen Schokoladentieren und die immer wiederkehrenden Fragen: Was hat der Osterhase mit diesem christlichen Fest zu tun und weshalb versteckt nicht ein Huhn die kunterbunten Eier? Nun, der Hase war bestimmt beim Lieferantenrennen schneller. So hoppelt sein imaginärer Schatten schon seit Generationen durch Gärten und huscht in Stuben, um bis an den Rand gefüllte Nester zu verstecken.

Wahre Meister im Versteckenspielen sind auch die Lebensmittelhersteller, die mir das Leben unnötig versüssen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt mir pro Tag nicht mehr als 25 Gramm Zucker, das heisst sechs Würfelzucker. Doch allein in einer Energydrink-Dose mit 250 ml sind schon fünf Würfelzucker enthalten. Da Zucker viele Namen hat, nützt mir auch meine Leserbrille nichts. 70 verschiedene Bezeichnungen hat die Industrie, wenn es um das Versteckspiel mit dem Zucker geht. Da lese ich von Saccharose, Fructose oder Glukose. Dahinter verbirgt sich immer der süsse Stoff, der als Geschmacksverstärker und Konservierungsstoff masslos eingesetzt wird, weil er so billig ist. Überdies lauert die Zuckerfalle gar in Produkten, die salzig, sauer oder pikant schmecken.

Ich habe mich schlaugemacht und weiss nun um die Feinheiten. Saccharose heisst der ganz gewöhnliche Haushaltszucker, der je nach Herkunft in Rohrzucker (aus Zuckerrohr) oder Rübenzucker (aus der Runkelrübe) unterschieden wird. Glucose oder Dextrose entspricht dem Traubenzucker. Fructose ist der Fruchtzucker, der bei einer Unverträglichkeit zu einem heftigen Getöse im Bauch, Krämpfen und Verdauungsbeschwerden führen kann. Seit ich bei mir den Zusammenhang erkannt habe, meide ich Light- oder Diät-Produkte, weil viele der kalorienreduzierten Nahrungsmittel diesen Zuckerstoff in grösseren Mengen enthalten. Isoglucose klingt nach isotonischem Fitnessgetränk, ist in Wahrheit aber ein flüssiger Industriezucker. Der Sirupmix aus Maisstärke steckt unter anderem in Fruchtjoghurts, Brötchen und Fitnessgetränken für Sportler. Da sich mein Bewegungsdrang im Studio auf eine Stunde beschränkt, trinke ich Wasser. So verschwende ich keinen Gedanken an all die Zusatzstoffe und muss nicht zusätzliche Runden einlegen, um den völlig überzuckerten Drink wieder abzustrampeln.

Ohnehin nasche ich lieber, gut schweizerisch, Schokolade. Ich bezweifle, dass ich es auf die jährliche Pro-Kopf-Menge von 10,5 Kilogramm bringe. Sicher ist, dass ich meine Überdosis selber bestimme – vor allem nach Ostern. Ob es den Osterhasen gibt, das bleibt weiterhin ein Geheimnis. Klar hingegen ist: Wer den Zucker permanent geschickt mit anderen Bezeichnungen versteckt, dem gehören die Ohren kräftig langgezogen.

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