Im Dienst für die «zweite» Familie

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Gestern habe ich mich und meine Gutmütigkeit einmal mehr verflucht. Zum zweiten Mal in dieser Woche bin ich, anstatt gemütlich auf dem Sofa sitzend die Beine nach einem strengen Arbeitstag hoch zu lagern, bis nach Mitternacht vor dem Laptop gesessen. Verantwortlich dafür sind weder das neuste Online-Game noch irgendwelche Youtube-Katzenvideos, sondern meine «zweite» Familie: der Turnverein. Seit 2003 bin ich mehr oder weniger aktives Mitglied, habe früh als Hauptleiter die Jugendriege betreut und anschliessend das Amt des Oberturners übernommen.

Obwohl die insgesamt acht Jahre im Vorstand beinahe gleich tiefe Spuren hinterlassen haben wie ein intensives Training vor einem wichtigen Wettkampf, habe ich mir ein paar Monate nach meinem Rücktritt bereits wieder einen neuen «Job» aufgehalst. Weil mein Turnverein heuer sein 100-Jahr-Jubiläum feiert, organisieren meine Turnkameraden und ich am 14. September die Schweizer Meisterschaften im Steinstossen und Steinheben. Und weil mir der Verein und das Wohl seiner Mitglieder am Herzen liegen, habe ich mich dazu entschlossen, das Organisationskomitee als Präsident zu führen. Jetzt, vier Monate vor dem Fest, spüre ich, dass das Amt vielleicht doch mehr Arbeit mit sich bringt, als mir lieb ist.

Da ist es nur ein kleiner Trost, dass es in der Schweiz nicht nur mir so ergeht. Gemäss Bundesamt für Statistik führten 2016 rund 43 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren – also knapp drei Millionen Schweizerinnen und Schweizer – mindestens eine unbezahlte Freiwilligenarbeit aus. 19,5 Prozent engagieren sich für Vereine oder Institutionen und setzen dafür im Durchschnitt 12,8 Stunden pro Monat ein. Ich bin also eine von etwa 1,3 Millionen Personen, denen die tägliche Arbeit nicht genug ist und die den zusätzlichen Aufwand in ihrer Freizeit nicht scheuen.

Auch wenn ich mich manchmal frage, wieso ich das alles – wohlgemerkt unentgeltlich – mache, überwiegt am Ende der positive Aspekt. Die vielen Erlebnisse mit meinen besten Freunden und die Chance, gemeinsam für den Turnverein etwas Grossartiges auf die Beine zu stellen, sind für mich Lohn genug. Da lassen sich ein paar zusätzliche Stunden am Abend vor dem Laptop eigentlich locker verkraften.

Und das Beste an der ganzen Geschichte: Beim nächsten Anlass kann ich dann ohne schlechten Gewissens «Nein» sagen und anderen den Vortritt in Sachen Organisation lassen. Vielleicht.

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