Zeit vernichten, Zeit gewinnen

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Chefredaktor Philippe Pfister.

Zeit vernichten, Zeit gewinnen

Dieses Wochenende sind zwei Neffen meiner Frau zu Besuch. Der eine ist 10, der andere 13 Jahre alt. Sie wissen vielleicht schon, was die erste Frage der Jungs war, die mir ein Smartphone entgegenstrecken: «Hast Du WLAN?» Hab ich natürlich, und diktiere das Passwort.

Minuten später überlege ich, ob das die richtige Reaktion war. Darf ich Kids unbeaufsichtigt surfen lassen? Welche Regeln müssen sie zu Hause befolgen? Glücklicherweise hat eines der Geräte unterwegs schlapp gemacht; es lädt nicht mehr. Das andere hat eine zersplitterte Scheibe. Das entschärft das Problem.

Wir alle haben inzwischen so etwas wie eine Hassliebe zu unseren Smartphones entwickelt. Bei jeder Gelegenheit zupfen wir es aus der Jackentasche. Fast nichts mehr im Leben geht ohne iPhone & Co. Gleichzeitig nerven wir uns, wenn andere ständig auf den Bildschirm starren. Wir möchten befreiter davon sein als andere, sind es aber nicht. Wir wünschen, dass Kids ihre Köpfe nicht bei hirn-losen Spielen weich kochen, vertrödeln aber selbst Stunde um Stunde in den Weiten des Internets. Verbote bringen nichts, sagen Experten, wer Kindern beim Umgang mit Medien etwas Gutes tun wolle, setze auf Begleitung. Aber wie sollen Erwachsene Kinder begleiten, die im Grunde selbst noch Begleitung brauchen?

Gerne demonstriert man im Umgang mit den digitalen Helfern nach aussen Souveränität – um sich in einsamen Minuten einzugestehen, dass oft nicht wir das Smartphone benutzen, sondern das Smartphone uns. Kulturpessimismus ist allerdings kein guter Ratgeber; ein gutes Argument schon. Dank so einem Handy spare man ja auch immer ganz schön Zeit, heisst es ja immer. Nichts ist falscher. Dadurch, dass wir jedes Zeitfenster ausnützen, vernichten wir die Zeit geradezu. Zeit bemisst sich ja für den Menschen nur vordergründig nach dem Minuten- und Stundenzeiger. Zentral ist das Erleben. In Wahrheit ist ja die viel geschmähte leere Zeit die wertvollste Zeit. Erst in der leeren Zeit dehnt sich die Zeit – und gibt Raum für Neues. Und ein Leben ohne leere Zeit entpuppt sich am Schluss als Leben ganz ohne Zeit.

Ich bin ja mal gespannt, ob ich bei meinen Neffen damit durchdringe.

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