Mediennutzung bei Kindern: Begleiten anstatt verbieten lautet das Credo

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Digitale Medien sind aus dem Alltag von Kindern und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken. Eltern haben dabei aber eine wichtige Begleitfunktion. (Bild: Symbolbild)

Wie viel Zeit mit digitalen Medien ist gesund für Kinder? Wie viel Begleitung braucht es von den Eltern? Der Umgang mit elektronischen Medien stellt Mütter und Väter vor viele Fragen und Herausforderungen. Denn ob Handy, Tablet oder Games – sie faszinieren und beeinflussen den Alltag in der Familie und in der Schule. Da das Spiel «Fortnite» anscheinend bereits von Kindergartenschülern gespielt und nachgeahmt wird, hat die Rothrister Stufenschulleitung des Kindergartens und der Unterstufe darauf mit einem Infoabend für Eltern reagiert.

Mit Erfolg: Das Referat «Eltern up to d@te» zog über 100 Mütter und Väter in die Aula des Bezirksschulhauses. «Digitale Medien können für Kinder bereichernd sein, sofern sie wissen, wie man sie nutzt. Das lernen Kinder in erster Linie von ihren Eltern, indem sie daran herangeführt und begleitet werden», sagte Stufenschulleiter Simon Muffler und übergab an Referentin Stefanie Geiser. Die Fachfrau der Suchtprävention Aargau wollte von den Anwesenden wissen, wer eine Heizung, eine Toilette und fliessend Wasser zu Hause habe. «So selbstverständlich all dies für Sie ist, so selbstverständlich gehen Kinder und Jugendliche mit den digitalen Medien um, weil sie in einer vielfältigen Medienwelt aufwachsen.»

Gewaltszenen in Märchen

Anstatt Angst zu schüren, verstand Stefanie Geiser zu beruhigen: «Offene Gespräche sind viel wichtiger als Filtersoftware. Die ist zwar sinnvoll, garantiert aber keinen vollständigen Schutz.» Die Referentin ermutigte altersgerecht und unaufgeregt mit seinem Kind über Gewalt, Pornografie und vor allem seine Erfahrungen und Ängste zu sprechen. Denn Gewalt sei in Märchen wie «Hänsel und Gretel» und «Schneewittchen» ebenso präsent wie im Zeichentrickfilm «Bambi». «Deshalb ist die aufmerksame Begleitung der Eltern besser als Verbote.»

Bezugspersonen seien vor allem auch Vorbilder – dies bedinge eine Überprüfung der eigenen Mediengewohnheiten. Hier hakte eine Lehrerin ein und bat die Eltern, bei Schulbesuchen sich ihrem Kind und nicht dem Handy und den Fotoaufnahmen zu widmen. «Es gilt, die Geräte im Auge zu behalten und deshalb haben sie nichts im Kinderzimmer verloren», sagte Stefanie Geiser und betonte: «Bildschirme sind keine Babysitter.» Sie berief sich auf die 3-6-9-12-Faustregel. Kein Bildschirm unter 3 Jahren, keine eigene Spielkonsole vor 6 Jahren, kein Internet vor 9 Jahren und keine unbeaufsichtigte Internetnutzung vor 12 Jahren.

Konsumdauer kontrollieren

«Kinder brauchen für ihre körperliche und geistige Entwicklung Begegnungen, viel Bewegung in der Natur, die Möglichkeit, verschiedene Erfahrungen mit allen Sinnen zu sammeln sowie Ruhe und Erholung», sagte Geiser. So gelte es, gemeinsam mit dem Kind Regeln zu bestimmen und unter anderem die Bildschirmzeiten festzulegen. Experten, so Geiser, würden pro Tag zu 10 Minuten pro Lebensjahr raten. Das bedeute, dass sich ein 6-jähriges Kind täglich 60 Minuten in der digitalen Welt – inklusive Fernsehschauen – bewegen kann. Einige Eltern meldeten sich dazu zu Wort und dabei zeigte sich, dass die Mehrheit die Konsumdauer und auch die Wahl kontrolliert. Doch was ist, wenn Kinder mit Kollegen spielen? Stefanie Geiser forderte dazu auf, mit dem Kind darüber zu reden und sich auch mit Eltern auszutauschen und abzusprechen.

Was die Einhaltung der Regeln anbelangt, riet sie zu einem lockeren, entspannten Umgang und sich fortwährend bewusst zu machen, dass Kinder und Jugendliche dabei Unterstützung brauchen. «Der Frontlappen im Gehirn – der Disziplin, Risikobereitschaft und die Vernunft steuert – ist erst zwischen 22 und 25 Jahren ausgebildet.» Deshalb sei eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Eltern und Kind das A und O. Diese Basis wirke vor allem in der Pubertät, in der Strafen und Konsequenzen oft das eigentliche Ziel verfehlen.

Langeweile ohne Limit

Damit Kinder gesund bleiben, brauche es vor allem Alternativen zur Mediennutzung, wie gemeinsam Spiele spielen, Musik oder einen Spaziergang machen. Wertvoll sei für Kinder auch Langeweile. «So lernt es mit negativen Gefühlen umzugehen und kann Eigeninitiative und seine Kreativität entwickeln.» Die Frage eines Vaters, ob es eine zeitliche Limite für Langeweile gäbe, meinte Geiser, dass diese unbegrenzt lang sein dürfe. «Kinder fällt schnell etwas ein.»

Nicht nur Lehrpersonen, sondern auch einigen Eltern bereitet das Spiel «Fortnite» Sorgen. In diesem «Game» treten Spieler gegeneinander an. Wer als letzter überlebt, ist der Gewinner. Betreffend dem Shooter-Spiel legte Stefanie Geiser den Anwesenden ans Herz, dies gemäss den Altersempfehlungen erst mit 12 Jahren spielen zu lassen. Es zeigte sich am Infoabend, dass schon deutlich jüngere Kinder in Kontakt gekommen sind, weil es Kollegen oder ältere Geschwister spielen. Auch hier empfahl sie, durch Gespräche zu erfahren, was am Spiel fasziniert, aber auch Angst macht. «Heranwachsende müssen ihre Erfahrungen und auch Fehler machen dürfen, in der Sicherheit, ohne Angst und Strafen mit den Eltern darüber reden zu dürfen.» Denn zu den Grundbedürfnissen eines Menschen gehöre sich geliebt, angenommen und wertgeschätzt zu fühlen. «Zu wissen, so wie ich bin, bin ich ok, ist enorm stärkend und kraftvoll.»

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