Nach dem Tod an den Bankomat

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Im November 2014 sollen sich ein Vater und dessen Sohn aus der Region nach dem Ableben des Bruders respektive des Onkels an dessen Eigentum vergriffen haben. Die Privatklägerin und gleichzeitig alleinberechtigte Erbin bezichtigt die beiden Männer der Urkundenfälschung, des betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsmaschine – namentlich eines Bankomaten – sowie des Diebstahls. Nach einer emotionalen und rund zweieinhalb Stunden andauernden Gerichtsverhandlung sprach Gerichtspräsident Peter Wullschleger die beschuldigten Männer in zwei von drei Anklagepunkten frei. Lediglich im betrügerischen Missbrauch einer Datenverarbeitungsmaschine sah Wullschleger ein effektives Vergehen und verurteilte den Vater zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen à 150 Franken (insgesamt 12 000 Franken) und den Sohn zu 40 Tagessätzen à 125 Franken (insgesamt 5000 Franken).

Konkret sollen die Beschuldigten in einem ersten Vergehen den Inhalt einer Vollmacht dahingehend abgeändert haben, dass sich diese nicht nur über mehrere Bankkonten, sondern auch über ein Bankschliessfach erstreckt. Diesem Anklagepunkt erwidern die beiden Männer in der Befragung durch den Gerichtspräsidenten, die Änderungen hätten dem Wunsch des Verstorbenen entsprochen und seien in dessen Auftrag vorgenommen worden. «Ich hätte nicht etwas reingeschrieben, wenn er das nicht so wollte», so der Neffe des Verstorbenen.

In einem weiteren Vergehen soll der Beschuldigte Sohn wie auch der Mitschuldige Vater an einem Bankomaten insgesamt zwei Mal 3000 Franken abgehoben haben. Gemäss der Anklageschrift geschah dies in der Absicht, sich zum Nachteil der Privatklägerin zu bereichern. Verteidigend sagten die Beschuldigten, der Gesamtbetrag von 6000 Franken sei eine Abgeltung für die Pflegedienste des krebserkrankten Bruders respektive des Onkels gewesen und sei auf dessen Anweisung hin geschehen. Weiter argumentierten sie, nicht gewusst zu haben, dass offene Forderungen nach dem Tod der entsprechenden Person über die Erbmasse eingegeben werden müssen. «Das ist im Nachhinein ein grosser Fehler», sagten die beiden einsichtig und merkten an: «Heute würden wir es anders machen.»

Der dritte und letzte Anklagepunkt bezichtigte die beiden Männer des Diebstahles. So sollen sie sich einen der verstorbenen Person gehörenden Personenwagen im Wert von zirka 10 000 Franken angeeignet und sich damit unrechtmässig bereichert haben. Anschliessend überschrieb der beschuldigte Sohn das Fahrzeug auf seine Firma. Dagegen gaben die beiden Männer zu Protokoll, nicht gewusst zu haben, dass der Personenwagen auf die in der Firma tätige und mittlerweile verstorbene Person und nicht auf die Firma eingelöst war. Aufgrund dessen haben sie sich als rechtmässige Eigentümer gesehen und seien mit dem Fahrzeug herumgefahren.

Freispruch in zwei Punkten

Freispruch in zwei von drei Anklagepunkten lautete das Urteil des Gerichtspräsidenten Peter Wullschleger. Dieser sprach davon, er habe im Zweifel für die Beschuldigten davon auszugehen, dass die Vollmacht dem Wunsch des Verstorbenen entsprochen habe und sprach den Vater wie auch den Sohn hinsichtlich der Urkundenfälschung frei. Einen weiteren Freispruch erfuhren die beiden für den Anklagepunkt des Diebstahls.

Die Verurteilung für das Abheben der insgesamt 6000 Franken am Bankomat begründete Gerichtspräsident Wullschleger folgendermassen: «Ich nehme Ihnen schlicht nicht ab, dass Sie nicht wussten, dass Sie etwas Illegales machen. Sie sind gewiefte Geschäftsmänner.»

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