Feuer, Fleisch – und ewige Referate

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Philippe Pfister

Keine Sommerbeschäftigung boomte in den letzten Jahren so hemmungslos wie das Grillieren. Man sollte meinen, die Schweiz habe ab Mitte Mai nichts Besseres zu tun als den lieben, langen Tag Fressalien anzuschleppen und auf den Grill zu schmeissen. Die Verkaufsflächen, auf denen Grillzubehör vor allem an den Mann gebracht wird, wachsen von Saison zu Saison. Dort kann man Dialoge aufschnappen wie diesen: «Gibt es eigentlich zum Big Green Egg Funk-Thermometer mit Extra- Sonden zu kaufen?» – «Ich weiss nicht, ich habe nur dieses Infrarot-Thermometer. Meinst Du, ich brauche ein solches Funkgerät auch? Kostet das immer noch 150 Franken?»

Amüsant auch zu beobachten, wie sich im Sommer plötzlich die Rollen verändern. Männer, die in der kalten Jahreszeit den Gang in die Küche meiden, binden sich plötzlich Schürzen mit lustigen Sprüchen drauf um ihre Bäuche. Sie bauen sich hinter ihren monströsen Grillwagen auf (die vorzugsweise «Outdoorchef» heissen) und beginnen Vorträge zu halten. Zum Beispiel über die Marinade. Ja, diese Marinade! Ihre Zutaten sind so geheimnisumwittert, ihre Zubereitung ist so aufwendig, dass die Gäste minutenlang nur noch ehrfürchtig schweigen. Und dann erst das Fleisch! Garantiert nur frischeste Kräuter und saftigstes Gras gefressen, dieses Rind. Exakt 28 Tage gelagert! Da nimmt man die 56 Autokilometer zum entlegenen Metzger und zurück gerne in Kauf. Und jetzt, Achtung – das Salz! Erstaunlich, was Männer, die sonst kaum ein anständiges Spiegelei brutzeln können, plötzlich über Salz wissen. Es kommt vorzugsweise aus dem Himalaja, ist frei von chemischen Zusatzstoffen, Konservierungs- und Bleichmitteln – denn nur das beste, wirklich das beste Salz darf an dieses Fleisch! Aha. Dass Himalaja-Salz locker das Zehnfache kostet wie gewöhnliches Salz, verschweigt der Gentleman am Grill, während die Gäste andächtig nicken. Noch ein Gläschen Prosecco gefällig?

Am Grill dringen, man spürt es mit jedem Zischen, Zehntausende Jahre Menschheitsgeschichte durch. Wir waren viel länger umherziehende Jäger und Sammler als sesshafte Bauern. Fleisch über dem Feuer zu braten sitzt tiefer in den Männergenen als samstags einen Zopf zu backen.

Mögen es die Frauen uns verzeihen, wenn wir am Wochenende zu unserem nächsten Referat am Grill ansetzen!

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