Die Kegler verschieben an einem Match eine Tonne – Teil 2 der Sommerserie «Sport oder nicht»

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10,3 Kilogramm wiegt die Kugel, mit der die neun 3-Kilogramm-Kegel umgeworfen werden sollen. (Bild: mwy)
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Die Safenwilerin Maja Kamber gehört zu den besten Keglerinnen des Landes. (Bild: mwy)

Es ist in etwa so, wie man es sich gemeinhin vorstellt. Die Kegelbahn im Restaurant Frohsinn in Teufenthal befindet sich in einer Art Hinterzimmer der Gaststätte. Das Lokal wirkt etwas urchig, hat aber durchaus seinen Charme. Entgegen der weitverbreiteten Meinung steht aber Mineralwasser und kein Alkohol auf dem Tisch. Und auch geraucht wird nicht.

Jeweils am Donnerstag, um 20 Uhr, trifft sich hier der Kegelklub Orion Aarau zum rund zweistündigen Training. Die sieben Mitglieder sind im Schnitt ungefähr um das Pensionsalter. «Bezüglich Nachwuchs sieht es leider sehr schlecht aus», bedauert die Safenwilerin Maja Kamber, selbst 58 Jahre alt, «wir versuchen viel, um auch die etwas Jüngeren für das Kegeln zu begeistern. Wir haben aber grosse Mühe und es ist keine Besserung in Sicht. Das Durchschnittsalter liegt derzeit zwischen 60 und 70.» Und das ist nicht das einzige Problem. «Es gibt auch immer weniger Bahnen», weiss Maja Kamber, «denn für einen Wirt ist die Bahnpflege mit einem gewissen Aufwand verbunden. Auch gibt es eher selten neue Bahnen, denn eine Kegelbahn ist nicht besonders lukrativ.» Düstere Aussichten, die Maja Kamber mit folgender Aussage untermauert: «Das Kegeln könnte einmal aussterben.»

Die Traditionssportart hat diesbezüglich einen deutlich schwereren Stand als das modernere Bowling. Der «jüngere Bruder» aus den USA mit der längeren Bahn und den leichteren Kugeln wirkt frischer, ist weltweit deutlich verbreiterter, wird in grossen Zentren angeboten, ist auch im Fernsehen ab und zu einmal zu sehen und ist deshalb auch für die jüngere Klientel attraktiver. Bowlingcenter werden auch heute noch gebaut, während die Kegelbahnen langsam aber sicher verschwinden und das Kegeln in Vergessenheit gerät.

Kegeln in der Schweiz
Schon vor 5000 Jahren wurde im alten Ägypten gekegelt. Seither hat sich das Spiel in jedem Land anders entwickelt. In der Schweiz spielt man mit grossen Kugeln und die Kegel sind weltweit die schwersten. In der Schweiz gibt es zwei grosse Verbände, den Sportkegler-Verband (SSKV) und die Freie Kegler-Vereinigung (SFKV). Insgesamt sind in den beiden Verbänden knapp 2500 Keglerinnen und Kegler aktiv. Während beim SSKV Figuren wie Kranz oder Strasse mehr Punkte geben, geht es beim SKFV «nur» um Punkte. Die Kugeln aus Kunststoffgranulat, mit einem Loch für den Daumen und einem Griff für die Hand, haben einen Durchmesser von 24 oder 25 Zentimetern und wiegen 9,3 oder 10,3 Kilogramm. Die Länge der Bahn beträgt 13,5 Meter. Neun Kegel à 3 kg werden in einem Quadrat aufgestellt. Beim Bowling sind es zehn Kegel in einem Dreieck. Die Bahn steigt um drei bis fünf Zentimeter an. (zt)

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Soweit ist es aber noch nicht. In der Schweiz, in der eine einzigartige Form des Kegelns mit schweren Kugeln und schweren Kegeln (das «Nationalkegeln») praktiziert wird, sind immer noch gegen 2500 Frauen und Männer aktiv. Der grösste Verband ist dabei die Schweizerische Freie Kegler-Vereinigung mit um die 1600 Mitglieder. Diesem gehört auch Maja Kamber an, die im vergangenen Jahr erstmals den Schweizer-Meister-Titel bei den Frauen feiern durfte.

Es sind keine speziellen Fähigkeiten nötig

Profis gibt es – wenig überraschend – keine und auch zu verdienen ist nichts. Es geht vor allem um die Faszination, der auch Maja Kamber bereits in der Kindheit erlegen ist. «Meine Eltern haben schon immer gekegelt. Ich bin dann jeweils mitgegangen und hatte den Plausch daran.» Mittlerweile ist die Safenwilerin schon 31 Jahre aktiv.

Spezielle Grundvoraussetzungen oder Fähigkeiten benötigt man nicht, wenn man mit dem Sportkegeln beginnen will. «Du brauchst keine Vorkenntnisse, das kann jeder lernen», sagt Maja Kamber, «es ist aber sicher von Vorteil, wenn du ein gewisses Talent mitbringst, ein gutes Gefühl für die Kugel hast. Ausserdem ist es nicht schlecht, wenn du dich gut konzentrieren kannst und etwas Ausdauer hast.»

Das kommt nicht von ungefähr, denn Kegeln sei zweifellos eine Sportart, wie Maja Kamber feststellt. «Es ist eine Freizeitbeschäftigung und ein Sport. An einem Match mit 100 Schuss verschieben wir etwa eine Tonne», rechnet die Mutter dreier erwachsener Kinder vor, «da kommst du definitiv in Schwitzen. Wenn du es seit Jahren machst, spürst du danach zwar nicht mehr viel, aber wenn du damit beginnst, hast du nach einem solchen Programm im Arm oder den Beinen Muskelkater.» Und ab und zu gibt es sogar Programme mit 200 Würfen zu absolvieren. «Das ist dann schon sehr intensiv und für die älteren Kegler kaum mehr zu schaffen», erklärt die Safenwilerin.

Die Sportkegler kämpfen gegen das vorherrschende Klischee

Während Maja Kamber einmal pro Woche trainiert oder stattdessen eines von 20 Meisterschaftsspielen pro Jahr absolviert, betreiben die Allerbesten einen grösseren Aufwand und sind sogar teilweise drei, vier Mal wöchentlich auf der Bahn anzutreffen. Der Ehrgeiz ist vielleicht nicht ganz so ausgeprägt wie in anderen, von viel Geld dominierten, Sportarten, aber jede Keglerin und jeder Kegler will selbstredend möglichst gut abschneiden, wenn sie oder er antritt. Mit Party hat das Sportkegeln wenig zu tun. «Das ist ein weit verbreitetes Klischee, gegen das wir kämpfen», sagt Beni Schwägli, der Partner von Maja Kamber und einer der besten Kegler der Schweiz, «wir möchten, dass das Kegeln als Sport angesehen wird.» Der ausgebildete Kegel-Trainer betont: «Es ist mehr, als ein lustiges Zusammensein, Stumpen rauchen, Bier trinken und die Kugeln zwischendurch nach hinten schmeissen.»

 

 

Schweizer Meisterschaften bis im Oktober in Küngoldingen
Rund 1600 Keglerinnen und Kegler nehmen jeweils an den Schweizer Meisterschaften der Schweizerischen Freien Kegler-Vereinigung (SFKV) teil. Dieses Jahr findet sie zum wiederholten Mal in der Linde in Küngoldingen statt. Die Vor-Meisterschaft, um die Bahn kennenzulernen, gehört bereits der Vergangenheit an. Die Titelverteidigerin Maja Kamber aus Safenwil wird versuchen, sich zwischen dem 31. August und 11. Oktober für den Finaltag am 27. Oktober in der A-Kategorie der besten zehn Frauen zu qualifizieren. «Ich hoffe, zumindest den Final zu erreichen», sagt die 58-jährige Maja Kamber bescheiden. (mwy)

 

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