Schnell Autofahren kann doch jeder, oder? – Teil 5 der Sommerserie «Sport oder nicht»

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Fabio Leimer repariert in der Werkstatt des Kartteams Meier in Altishofen einen Kart, den einer «seiner» Fahrer demoliert hat. (Bild: Michael Wyss)

«Automobilrennsport ist ganz klar ein Sport, das sagt ja bereits der Name», so Fabio Leimer, «für mich ist Sport, wenn du dich auf einem hohen Niveau mit anderen misst.» Das Härteste seien aber tatsächlich nicht die Rennen, sondern die Vorbereitung auf die Saison, «und das bekommen die meisten normalerweise nicht mit.» Er verstehe deshalb die Zweifel mancher Menschen: «Im Fernsehen erkennst du die Sportler im Ausdauerbereich leiden, bei uns siehst du nur, wie wir im Auto im Kreis fahren. Ich wurde auch schon gefragt: ‹Was machst du unter der Woche? Aber wieso trainierst du soviel, ist es nicht wie beim normalen Auto?› Nicht ganz. Bei einem Formel-1-Test hatte ich ständig einen Puls von 180 bis 190.»

Von der scheinbar glamourösen Welt des Formelsports in eine kleine Kart-Werkstatt nach Altishofen. Das Leben des mittlerweile 30 Jahre alten Rothristers Fabio Leimer hat sich in den letzten Jahren enorm verändert. Das Ziel, es einmal als Stammfahrer in die Formel 1 zu schaffen, hat er abgeschrieben, seiner grossen Faszination für den Automobilrennsport kann er aber trotzdem nachgehen – einfach auf kleineren Bühnen und mit bescheidenerem Interesse der Öffentlichkeit. Er scheint sich damit aber arrangiert zu haben und geht auch in seiner neuen Tätigkeit als Fahrercoach und Zuständiger fürs Rennteam im Kartteam Meier auf. «Ich selber teste nur noch im Kart», erklärt Leimer, «zuletzt hatte ich ein Angebot für ein 24-Stunden-Rennen, aber ich bin nicht mehr komplett parat. Eigentlich habe ich damit abgeschlossen, aber wenn etwas Interessantes kommt…»

Es ist nicht ausschliesslich eine Frage des Talents

Von der Rennstrecke neben die Rennstrecke. Neben erfahrenen Piloten betreut der Rothrister auch den Nachwuchs. «Ich helfe sehr gerne mit, wenn es darum geht, Junge aufzubauen», betont Fabio Leimer. Er selbst hat mit fünf Jahren mit Fussball begonnen. «Ich war auch dort recht gut». Mit acht Jahren war Kart ein Thema, weil sein Vater früher auch selbst gefahren ist. «Mein Vater hat aber immer gesagt, entweder wir machen es richtig oder nicht», erklärt der 30-Jährige, «selbstverständlich habe ich aber nicht damit gerechnet, dass die Reise soweit geht. Ohne meinen langjährigen Sponsor Bautro wäre ich nie soweit gekommen.» Der Rennsport sei von Anfang an relativ teuer und es werde immer teurer. «Der Kartsport lässt sich noch einigermassen finanzieren», sagt Leimer, «wenn du Rennsport erleben willst, ist der Kartsport das Beste.

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Auf dem Weg an die Spitze geht es nicht nur um Talent – es geht aber auch nicht ohne. «Ein Talent ist einer, der reinsitzt und ohne Anweisungen richtig handelt», erklärt Leimer, «ausserdem ist es entscheidend, eine kontinuierliche Steigerung hinzubringen und Tipps richtig umzusetzen.» Eine weitere unabdingbare Eigenschaft ist mit «Killerinstinkt» zu umschreiben, denn es gibt auch die sogenannten Trainingsweltmeister. «Das Allerwichtigste ist bei den Jüngsten aber die Freude», betont der Rothrister, «später geht es dann oft um Arbeit – fahrerisch und körperlich. Je älter man wird und je weiter oben man fährt, umso aufwendiger wird es.» Als GP2-Fahrer war Fabio Leimer jeden Tag mit Fitness beschäftigt, am Morgen gut zwei Stunden und am Nachmittag noch Ausdauereinheiten von bis zu sechs Stunden: «Wenn du Profi sein willst, musst du am Tag im Minimum fünf Stunden in Trainings investieren.»

Spezielle Muskelpartien werden besonders gefordert

Im Winter geht es für die schnellen Frauen und Männer darum, die Kraft aufzubauen, während der Saison will man das Erreichte dann möglichst beibehalten. «Wichtig ist die gesamte Grundausdauer», erklärt Fabio Leimer, «Profirennfahrer sind Spitzensportler.» Kräftiger als bei einem normalen Menschen müssen speziell die Muskeln am Nacken, am Hals, in den Armen und im seitlichen Rumpf sein. Unterschiede gibt es aber bezüglich Strecke und Gefährt. «Strecken mit viel Highspeedkurven sind extrem anstrengend für den Hals und die Schulterblätter. Bei der hohen Luftfeuchtigkeit in Singapur geht es mehr um die Grundausdauer. Ich war körperlich auf die Formel 1 vorbereitet und hatte nie Probleme. Dann bin ich an der Kart-SM gefahren und musste nach einem halben Tag aufhören. Ich konnte nicht mehr Steuern wegen der Unterarm- und Fingermuskulatur.»

Ausserdem sind die Fliehkräfte enorm, die auf einen Rennfahrer wirken. «Es kommt immer auf die Strecke und den Reifen an, aber du musst mit bis zu 5 G rechnen und das während einer Stunde immer wieder», sagt Fabio Leimer und macht ein Beispiel: «Ein Kopf wiegt um die 6 Kilo, der Spezialhelm in der Formel 1 rund 1,2 Kilo und das mal 5 ergibt den Wert, der in den Kurven auf den Kopf wirkt.»

Hinzu kommt die enorme Hitze. «Bei fünf, sechs Grad Aussentemperatur ist es mit der feuerfesten Unterwäsche, dem Overall und dem Helm angenehm, sonst hast du immer heiss», erklärt der GP2-Weltmeister 2013, «dabei die Konzentration zu behalten, ist extrem schwierig. Und bei Tempi bis zu über 300 km/h braucht es einiges, um alles zu verarbeiten. Man muss auf die Strecke schauen, die richtigen Knöpfe drücken und zum idealen Zeitpunkt bremsen. Nach dem Rennen ist man komplett ausgetrocknet. Das realisierst du aber selbst nicht. Du trinkst und trinkst und musst nicht aufs WC.» Während eines Rennens verliert ein Fahrer bis zu fünf Kilo. «Der einzige Vorteil daran ist, dass du dann am Abend so viel trinken kannst, wie du willst», sagt Leimer und lacht.

 

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