«Die Öffentlichkeit wünscht sich ein hohes Tierwohl, riechen darf es aber nicht»

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Meinrad Pfister mit einem Ferkel auf dem Wiggerhof. Bilder: Marc Benedetti
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Eine Sau im Auslauf. Der Wiggerhof hält 100 Muttersäue und 500 Mastschweine.
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Pfister betreibt mit seinem Cousin auch eine Biogasanlage mit Gülle und Mist aus der Region, über die wir auch schon berichtet haben.

 Meinrad Pfister, Zentralpräsident des Verbandes Suisseporcs (siehe Box), hat sich unsern Fragen gestellt. Pfister ist Inhaber eines Schweinezucht- und Mastbetriebs, des Wiggerhofs in Altishofen. Aktueller Anlass des Gesprächs sind die national bekannt gewordenen Probleme Hofers aus Meggen mit ihrem Nachbarn (wir berichteten). Hofers müssen ihren Schweinstall schliessen und umplatzieren, weil er zu nahe an der Wohnzone und der Villa des Nachbarn liegt.

Herr Pfister, was halten Sie als Präsident von Suisseporcs vom Fall der Familie Hofer in Meggen?

Direkt involviert sind wir nicht. Kaspar und Balthasar Hofer sind nicht Mitglied unseres Verbands. Die Problematik liegt im Allgemeinen darin, dass die Siedlungsgebiete näher an die Landwirtschaft rücken und dass die Betriebe durch die Spezialisierung der Schweinezüchter nicht kleiner, sondern grösser geworden sind. Der Hof von Hofers ist ein Biobetrieb und der Stall hat einen Auslauf. Bei Ausläufen haben wir einen klassischen Zielkonflikt zwischen Geruchsemissionen und Tierwohl.

Können Sie das genauer erklären?

Auf der einen Seite sind Labelbetriebe gewünscht, weil das Tierwohl einen hohen Stellenwert geniesst. Andererseits führen mehr Ausläufe zu mehr Geruchsemissionen. In einem geschlossenen Stall existiert das Problem weniger, es gibt sogar die Möglichkeit der Luftwaschung. Doch ein Labelstall darf nicht geschlossen sein. Wir sind in einem Dilemma.

Die Bauernfamilie Hofer hat Probleme wegen Land, das Hofers vor Jahrzehnten verkauft haben und das später als Bauland eingezont wurde. Ist die Familie nicht ein wenig selber schuld an der heutigen Situation?

Wir empfehlen unseren Mitgliedern deshalb früh aktiv zu werden, wenn es um Einzonungen und die Zonenplanrevision geht. Wenn gebaut wird, ist es eigentlich zu spät. Die Tierhalter müssen sich wehren bei Einzonungen. Wenn man Land selber verkauft, kann man Dienstbarkeiten in den Kaufvertrag aufnehmen, die Konflikte verhindern. Suisseporcs besitzt in Sempach eine Mastprüfungsanstalt, wo Schweine gehalten werden. Wir haben Land über rund 20 000 Quadratmeter im Baurecht abgegeben und im Baurechtsvertrag festgehalten, dass wegen des Tierhaltungsbetriebs gewisse Emissionen auftreten und dass diese keine Berechtigung für eine Klage bieten.

In Meggen entschied die Gemeinde, dass der Schweinestall Hofers aufgegeben respektive versetzt werden muss. Das Bundesgericht hat kürzlich auch einen Entscheid zugunsten von reklamierenden Nachbarn im Werthensteiner Ortsteil Schachen gefällt. Sind Ihnen weitere Fälle bekannt?

Ja, das ist immer wieder ein Thema. Ein Landwirtschaftsbetrieb ganz ohne Geruchsemissionen ist nicht möglich. Wir beraten unsere Mitglieder und empfehlen ihnen, genau hinzuschauen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Wenn prozessiert wird, ist der Mist eigentlich schon geführt, und man hat sich schon verkracht. Es gibt weiche Massnahmen, um Konflikte zu vermeiden. Heute muss zum Beispiel niemand mehr zwingend am Samstag Gülle austragen. Der Grundsatz «Wer war zuerst da?», der von manchen Landwirten zitiert wird, existiert auch nicht im Gesetz. Andererseits hat die Toleranz der Bevölkerung abgenommen.

Der Kanton Luzern ist ein wichtiger Kanton für die Schweinezucht. Was unternehmen die Züchter und Mäster, um die Emissionen gering zu halten?

Der Luzerner Bauernverband reicht dieser Tage ein Ressourcenprojekt beim Bundesamt für Landwirtschaft ein. Es bezieht sich auf Ammoniak und Geruch. Mit dem Ressourcenprojekt will man mehr Forschung anregen, um den Ammoniakausstoss zu senken. Auch bei der Geruchsproblematik gibt es Forschungsbedarf. Seit 2011 hat der Kanton Luzern Massnahmen verfügt. Die Wirkung ist aber nicht wie gewünscht, weil mehr Ausläufe das Erreichte neutralisieren. Da ist es wieder, das Dilemma zwischen Tierwohl und Luftreinhaltung ...

Sie halten sicher nichts von den Tierschützer-Protesten vor Schlachthöfen wie bei Bell.

Das ist richtig. Die Protestierenden sind Veganer. Es ist schwierig mit ihnen zu diskutieren, denn sie propagieren die Abschaffung der Nutztierhaltung. Wenn ich entgegne, ob es besser ist, wenn das Fleisch importiert wird, verneinen sie und sagen, man müsse den Konsumenten dazu bringen, gar kein Fleisch mehr zu essen. Das Vertrauen in Schweizer Fleisch ist sehr hoch. Das legitimiert uns dazu, dass wir das Fleisch hier produzieren.

Ist das Vertrauen ins Schweizer Fleisch gerechtfertigt?

Ja. Wir haben das strengste Tierschutzgesetz weltweit und auch den grössten Anteil an Labelhaltung. Bezüglich Tierwohl sind wir Weltmeister. Die Rückverfolgbarkeit ist ebenfalls gegeben in der Schweiz, Produktion und Verarbeitung sind sehr nah, bis hin zur Überwachung durch die Veterinärämter. Die Schweiz ist das einzige Land, das die Tierbestandesgrösse per Gesetz definiert hat. Ein Betrieb darf nicht mehr als 250 Muttersäue oder 1500 Mastsäue halten. Diese Höchstbestandesverordnung gibt es nirgends sonst. Im Vergleich dazu sind Betriebe in Europa im Durchschnitt zehnmal grösser und in den USA oder Asien sogar mal Faktor 100, dort ist die Tierhaltung industriell. In der Schweiz kennst du noch den Bauern dahinter, diesen Trumpf wollen wir ausspielen.

 

Schweinefleisch-Konsum rückläufig

Mit einem Pro-Kopf-Konsum von 21,6 Kilo ist Schweinefleisch zwar das beliebteste Fleisch der Schweiz. Dennoch ging der Konsum 2018 um 2,8 Prozent zurück. Der Gesamtfleischkonsum war praktisch konstant, aber es gab eine Verlagerung von Schweine- zu Poulet- und Rindfleisch. Die Produzenten von Schweinefleisch kämpfen, neben Justizfällen, auch gegen sich haltende Vorurteile an, dass Schweinefleisch fettig sei oder den Cholesterinspiegel ansteigen lasse. «Da sind Mythen in den Köpfen, die längst widerlegt wurden», sagt Meinrad Pfister. Auch dass tierisches Fett ernährungsphysiologisch schlechter ist als pflanzliches, stimmt nicht. (ben)

Zur Person

Meinrad Pfister (51) aus Altishofen ist Zentralpräsident von Suisseporcs. So heisst der Schweizerische Schweinezucht- und Schweineproduzentenverband mit Sitz in Sempach. Hauptaufgabe ist die Interessenvertretung aller Schweinehalter gegenüber dem Markt, Organisationen, Behörden, der Politik und den Konsumenten. In der Schweiz gibt es rund 3500 Landwirte, die sich auf Schweinemast oder -zucht spezialisiert haben. 28 Prozent aller Schweine werden im Kanton Luzern gehalten. (ben)

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