«Mit Hunger kann man nicht lernen»

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Nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe: Der Rothrister Philipp Steffen steht als Präsident dem Hilfsverein Bright Future Switzerland vor, der seit zehn Jahren Kinder und ihre Familien in Slums der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba unterstützt.Bild: zvg

In einer Wellblechhütte mit Plastikwänden lebt die achtjährige Tanja mit ihrer kranken Mutter Selam in einem Slum von Addis Abeba. Vor Jahren zog Selam vom Land in die äthiopische Hauptstadt, um Geld für ihre Familie zu verdienen. Doch ihr Traum von einem Auskommen entpuppte sich bald als Albtraum. Selam fand keine Arbeit, hatte kein Dach über dem Kopf und erwartete ein Kind von einem Mann, der sie verliess. Kurz vor der Geburt ihrer Tochter Tanja fand Selam im Slum eine Bleibe. Doch ihr, wie allen Slum-Bewohnern, fehlt es an allem Lebensnotwendigen. Verschärft hat sich die Lage, seit die kranke Selam nicht mehr regelmässig als Fadenaufwicklerin arbeiten kann.

«Alle drei Monate erhalten Mutter und Tochter von uns Grundnahrungsmittel wie Getreide und Öl sowie Hygieneartikel», sagt Philipp Steffen und unterstreicht: «Mit Hunger lässt sich nicht lernen – und gerade die Bildung erachten wir als wichtigste Massnahme gegen die Armut.» Der Rothrister hat vor zehn Jahren den Verein Bright Future Switzerland mitgegründet und steht seither dem fünfköpfigen, ehrenamtlichen Vorstand als Präsident vor. «Es ist möglich, im Kleinen viel zu bewegen und durch Spenden die Welt für einzelne arme Kinder und ihre Familien zu verändern», betont Steffen. Der 50-Jährige lächelt und zeigt auf ein Foto von Tanja. Die Achtjährige strahlt glücklich in die Kamera. Sie gehört zu den über 400 Kindern, die der Verein Bright Future, was so viel bedeutet wie helle Zukunft, mit rund 60 Franken im Monat unterstützt.

Tanjas Berufswunsch ist Pilotin oder Ärztin

«Tanja konnte den Kindergarten besuchen, geht nun in die zweite Klasse und möchte Pilotin oder Ärztin werden», sagt Steffen und fährt fort: «Dass sie dafür bessere Schulnoten braucht, weiss unsere verträumte, verspielte Tanja.» Druck macht dem Mädchen aber niemand, denn seit einem Jahr kämpft ihre Mutter Selam gegen eine Krebserkrankung. «Unser Team kümmert sich um die Mutter, begleitet sie zum Arzt und ins Spital, berät sie und ist für Gespräche da.» Durch die Unterstützung der 400 Kinder erreiche der Verein einen grossen Kreis von Bedürftigen. «Wir gehen davon aus, dass wir durch die Kinder über 1500 Personen unterstützen», sagt Philipp Steffen, der als Briefträger arbeitet und sich seit fünf Jahren unter anderem als Ressortvorsteher Soziales, Jugend und Asylwesen im Gemeinderat Rothrist engagiert.

Dem Vater von zwei erwachsenen Kindern liegt aber auch am Herzen, in Äthiopien etwas zu bewegen. Vor 14 Jahren waren seine Frau Marion und er das erste Mal im ostafrikanischen Binnenland. Damals seien die Strassen noch nicht asphaltiert, die Infrastruktur in sehr schlechtem Zustand und die Armut unglaublich präsent gewesen. «Heute hat sich Addis Abeba äusserlich in eine moderne Stadt verwandelt. Die grosse Armut ist aber geblieben und die in Slums am Stadtrand verdrängten Ärmsten kämpfen ums Überleben.»

Dass kleine Projekte enorm viel bewirken können, hat das Ehepaar Steffen schon im Jahr 2005 erfahren. «Ein paar junge, engagierte Äthiopier investierten ihre Zeit und ihr Geld für einzelne Kinder, damit diese etwas zu essen haben und zur Schule gehen können.» Angeregt von diesem Erlebnis sei für ihn und seine Frau Marion klar gewesen, dass sie Kinder ein Stück auf ihrem Lebensweg begleiten wollen. Der Hilfsverein ermöglicht deshalb Mädchen und Buben den Schulbesuch, kommt für Essen und Kleider – und falls nötig für medizinische Versorgung – auf, und dies für die gesamte Familie. «Es ist wichtig, die Familien in den Entwicklungsweg ihrer Kinder einzubeziehen. Deswegen schulen und coachen Sozialarbeitende sie mit einfachen Mitteln.» Ziel ist die Hilfe zur Selbsthilfe.

Wichtig sei ein guter Draht zu staatlichen Stellen, anderen Organisationen und zu Regula Ganter. Die Schweizerin lebt seit Jahren in Addis Abeba und ist Mitarbeiterin bei Bright Future Ethiopia. «Sie ist Lehrerin und fördert mit ihren kreativen und ganzheitlichen Methoden unsere Kinder auf einzigartige Weise», so Steffen. Glücklich ist er auch, dass der Verein seit sechs Jahren auf die amerikanische Partnerorganisation Awake and Alive zählen kann.

Spenden sammeln am Benefizabend in Rothrist

Um noch mehr Kinder und deren Familien beistehen zu können und den Verein bekannter zu machen, gibt es zum zehnjährigen Bestehen einen Benefizabend im reformierten Kirchgemeindehaus in Rothrist. «Unsere Motivation ist, Kindern eine Perspektive und Motivation zu geben sowie sie zu befähigen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen», sagt Steffen und betont: «Unsere Erfahrung zeigt, dass die von uns begleiteten Kinder später für sich und ihre Gesellschaft Verantwortung übernehmen.»

Benefizabend

ab 18 Uhr: Apéro im reformierten Kirchgemeindehaus in Rothrist. Bei gutem Wetter äthiopische Kaffeezeremonie.

ab 19 Uhr: Hauptgang und Rückblick auf Vereinsarbeit

20 Uhr: Musik mit der jungen Musicaltruppe Vocaholix

 

21 Uhr: Dessert und Verkaufsstand

Infos: www.bright-future.ch oder 078 707 69 65

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