Royals in der Schweiz: Wenn Demokraten Könige bejubeln

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Kaiser Wilhelm II. von Deutschland mit Bundespräsident Ludwig Forrer in Zürich. Hunderttausende Schweizer jubelten ihm zu. Bilder: zvg
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König Ludwig II. von Bayern mit Schauspieler Joseph Kainz.
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Zar Alexander I. von Russland. Er war 1814 in Basel.

Sie kamen als Staatsbesucher, Feriengäste oder Exilsuchende: Gekrönte Häupter, die die Schweiz bereisten. Ihre Geschichten erzählt der Zuger Autor und Historiker Michael van Orsouw (53) in seinem neuen Buch «Blaues Blut». Diesen Freitag referiert er im Museum an der General-Guisan-Strasse (20 Uhr) über seine royale Spurensuche.

Wie sind Sie auf das Thema mit Königen in der Schweiz gestossen?

Es lag beim Verlag seit zehn Jahren auf dem Tisch. Die Idee war ein Sammelband mit verschiedenen Autoren. Nachdem ich das erste Kapitel geschrieben hatte, hiess es: «Das musst Du machen!»

Sie haben sich sofort in die Materie verliebt?

Erst dachte ich, das ist jetzt etwas gar boulevardesk. Als ich weiter grub, merkte ich, wie interessant das Thema ist. Es gibt die boulevardesken Geschichten an der Oberfläche, die wie ein Schuhlöffel sind für die Geschichten, die darunter liegen.

Zum Beispiel?

König Ludwig II. von Bayern war immer wieder in der Schweiz. Er war Fan von Friedrich Schillers Dramen, natürlich besonders von Wilhelm Tell. 1865 wollte er das Rütli kaufen und dort ein Schloss bauen. Das muss man sich einmal vorstellen, was das ausgelöst hätte; Ludwig baute ja ab 1869 Neuschwanstein. Heute mit 1,5 Millionen Besucherinnen und Besuchern jedes Jahr die beliebteste Sehenswürdigkeit in ganz Deutschland.

Gibt es noch ein anderes Beispiel?

Zar Alexander I. war 1814 in Basel, er traf Johann Heinrich Pestalozzi. Das weiss man. Der Hintergrund des Besuchs war, dass er den Wiener Kongress vorbereiten wollte. Das Treffen mit Pestalozzi kann man als Einstieg benutzen für den Wiener Kongress. Damit ist man bei der relevanten Geschichte.

Wir Schweizer haben ja ein ambivalentes Verhältnis zu Monarchien.

Einerseits sind wir stolz auf die Urdemokratie. Wenn andererseits Royals da sind, kommen nicht Zehntausende – es kommen Hunderttausende, um ihnen zuzujubeln – egal wie angeknackst sie schon sind. Kaiser Wilhelm II. kam 1912 nach Zürich. Er war in Europa bereits politisch isoliert; aber auf dem Bahnhofplatz Zürich standen 100 000 Menschen, die ihn empfingen. Haile Selassie war 1954 in der Schweiz. Der brutale Diktator wollte Waffen kaufen. In Zürich und Bern jubelten ihm Hunderttausende zu.

Woher diese Begeisterung?

Erst dachte ich, das habe mit medialer Aufputschung zu tun. Dann fand ich heraus, dass die Menschen den Royals schon zujubelten, bevor es Massenmedien gab. Ich denke, unser relativ langweiliges Leben lässt sich aufpeppen, indem wir dieses Leben im Leben von Prominenten und Royals gespiegelt sehen, mit allen Ups und Downs, die sichtbar werden. Das beste Beispiel sind die Windsors.

Michael van Orsouw: Blaues Blut, Hier und Jetzt Verlag.

Diesen Freitag referiert Michael van Orsouw um 20 Uhr im Museum an der General-Guisan-Strasse über seine royale Spurensuche.

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«Erst dachte ich, das Thema ist jetzt etwas gar boulevardesk.» Michael van Orsouw, Historiker und Buchautor
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