Wenn ich gross bin, werde ich König – oder Einhorn

In meiner Kindheit – diese spielte sich noch im letzten Jahrtausend ab – wollten die Jungs Feuerwehrmann, Pilot oder Fussballprofi werden. Die Mädchen stellten sich eine Zukunft als Tierärztin, Sängerin oder Kindergärtnerin vor. Eventuell kam auch noch Prinzessin in die Ränge. So unwahrscheinlich Letzteres, so unwahrscheinlich sind die Vorstellungen vieler Jugendlicher heute.

Kürzlich war ich Zuhörer bei einer Diskussion eines Vaters mit seiner die Oberstufe besuchenden Tochter betreffend bevorstehender Schnupperlehren. Für sie endete das Gespräch mit Tränen und Verzweiflung, für ihn mit Unverständnis und Zweifel. Lehrerin wäre schon toll, auch Tierpflegerin oder Bäckerin. Aber dabei lässt sich doch nicht genug Geld verdienen, so ihr Einwand. Viel interessanter wäre eine Zukunft als Influencerin, Youtuberin, Schauspielerin oder zur Not vielleicht noch CEO eines Weltkonzerns. Ruhm, Follower und möglichst viel Geld sind die Beweggründe für einen solchen Berufswunsch.

Des Vaters Hauptargument, dass doch vor allem die Freude an einer idealerweise langjährigen Tätigkeit an erster Stelle stehen müsse, wurde mehr oder weniger ungehört abgeschmettert. Was ist schon Zufriedenheit wert, wenn ich reich sein könnte? Wer bezahlt mir die teuren Kleider, den Lamborghini und die Luxusreisen, wenn ich «lediglich» einen Durchschnittslohn habe?

Nach einer halben Stunde gab er ernüchtert auf, weil sich bei seiner Tochter und vielen anderen Jugendlichen in den letzten Jahren ein bestimmtes Bild eingeprägt hat. Das Bild der stets lustigen Menschen, die damit berühmt wurden, online den Kasper zu machen. Oft haben sie keinen geregelten Alltag, keine abgeschlossene Ausbildung und nicht vor, sich einmal im normalen Berufsleben zu beweisen.

Wahrscheinlich spricht der Neid des Besitzlosen aus mir, wenn ich sehe, dass sich mit Schwachsinn zuweilen wahnsinnig viel Geld verdienen lässt. Aber ich wünsche mir für meine Kinder und deren Kinder eine (Berufs-)Welt, in der Qualitäten wie Fleiss und Einsatz letztlich entscheidend sind. So bleibt noch eine Frage: Was ist der Unterschied zwischen Influenza und Influencer? Das eine ist eine ansteckende Krankheit – und das andere irgendwie auch.

 

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