Pädophiler Rentner vor Gericht: «Ich war für sie wie ein Gott»

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Jahrelang lebten die drei Familien friedlich in einem Mehrfamilienhaus in der Region nebeneinander. Der heute 73-Jährige Hauswart der Liegenschaft sah die Kinder seiner beiden Nachbarn heranwachsen, wurde für sie ein grossväterlicher Freund. Genau diese Vertrauensposition soll der Italiener ab März 2016 ausgenutzt haben, weshalb er sich vor dem Bezirksgericht Zofingen wegen mehrfacher - teilweise versuchter - sexuellen Handlungen mit Kindern, mehrfacher - teilweise versuchter - sexueller Nötigung und mehrfacher Nötigung zu verantworten.

Dabei warf die Anklage dem Hauswart vor, unter einem Vorwand - etwa das etwas defekt sei und er dringend Hilfe brauche - das damals 9-jährige Nachbarsmädchen mehrmals in den Keller gelockt zu haben. Dort habe er das Mädchen sexuell bedrängt, in dem er von ihm verlangte ihn zu küssen und versuchte es im Intimbereich zu streicheln oder zu lecken. Meist sei es beim Versuch geblieben, weil sich das Opfer zur Wehr setzte.

Einige Monate später habe sich das Mädchen dann nur noch in Begleitung ihrer im gleichen Haus lebenden, ein Jahr jüngeren Cousine nach draussen zum Spielen gewagt. Dem Beschuldigten soll es so dann gelungen sein, beide Mädchen mehrmals in den Keller zu locken. Wiederum habe er die beiden Kinder bedrängt und sich an ihnen vergangen. Dem jüngeren Mädchen soll er unter anderem versucht haben in die Unterhose zu fassen. Schliesslich soll der Rentner den beiden gedroht haben, die Polizei würde ihre Eltern ins Gefängnis bringen, sollten sie etwas verraten.

Er bezeichnete das Mädchen als «läufige Katze»

Im April 2018 kam es schliesslich zu einem massiven Übergriff auf das ältere Nachbarsmädchen. Der Beschuldigte zwang die damals 11-Jährige unter anderem, seinen Penis bis zum Orgasmus zu massieren. Diesen Vorfall gestand der 73-Jährige vor dem Bezirksgericht zwar ein, jedoch nicht in der Version, wie ihn die Staatsanwaltschaft darlegte. Viel mehr stellte er sich als Opfer eine Verschwörung dar. Er bezeichnete das ältere Nachbarsmädchen immer wieder als «läufige Katze», die ihm stets überallhin folgte. «Ich war für sie wie ein Gott», erklärte er. Sie sei es denn auch gewesen, die den sexuellen Kontakt zu ihm gesucht habe und die letztlich auch seine Hose geöffnet und seinen Penis angefasst habe. Er sei überrascht gewesen, wie professionell sie dabei vorging. «Es war ein grosser Fehler von mir, das ich es zuliess», meinte er vor Gericht. Das seine eigene Ehefrau nach dem Vorfall im April 2018 Anzeige gegen ihn erstattete und somit die Sache aufdeckte, erklärte der Beschuldigte damit, das sein Frau ihn vor dem aufdringlichen Nachbarsmädchen habe schützen wollen und verhindern wollte, dass die 11-jährige ihrem Mann weiter nachsteigt.

Gericht verurteilt ihn zu zweijähriger Haftstrafe

Ein psychiatrische Gutachten attestierte dem Beschuldigten eine hetrosexuelle Phädophilie und stufte das Rückfallrisiko als mittelgradig ein. «Ich empfinde mich nicht als Phädophiler oder Vergewaltiger», hielt der Beschuldigte fest. Die beiden Mädchen hätten alles erfunden, sich abgesprochen und es gehe nur darum, ihm sein Geld abzuköpfen. Die Opfer wurden vor Gericht, vom Beschuldigten räumlich getrennt, ebenfalls befragt. Sie wirkten eingeschüchtert und aufgewühlt. In ihren teilweise unpräzisen Aussagen konnten sie aber nicht alle Zweifel an ihrer Version der Geschehnisse aus dem Weg räumen.

Die Verteidigung forderte denn auch - ausser für den Vorfall vom April 2018 - einen Freispruch. Die Staatsanwaltschaft hingegen bezeichnete die Aussagen des 73-jährigen als unglaubwürdig. Vieles töne klar nach den Fantasien eines Phädophilen. Der leitende Staatsanwalt Simon Burger beantragte eine 7-jährige Freiheitsstrafe und einen Landesverweis von 10 Jahren. Die Anwältin der Opfer machte Schadensersatz sowie eine Genugtuung von 10 000 Franken respektive 5 000 Franken für die beiden Mädchen geltend.

Das Bezirksgericht Zofingen sprach den Mann für den Vorfall vom April 2018 der sexuellen Handlung mit Kindern schuldig. In allen anderen angeklagten Punkten erfolgte ein Freispruch. Der Italiener wurde zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Zudem wurde eine ambulante Massnahme verhängt. Auf den Landesverweis verzichtete das Gericht - es verweist auf den Härtefall. Die Schadenersatzforderung des älteren Opfers wurde gutgeheissen. Die Genuugtung ebenfalls, allerdings reduziert.

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