«Hochwasserschutz Suhrental»: eine grosse Land-Rochade steht an

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Im Zuge des Projekts «Hochwasserschutz Suhrental» soll die Suhre, hier zwischen Reitnau und Moosleerau, von der Kantonsgrenze an revitalisiert werden. Bild: Larissa Hunziker
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In diesen drei Gemeinden soll eine moderne Melioration durchgeführt werden. (Grafik: Swisstopo/pmn)

27 Millionen Franken. So hoch ist das Schadenspotenzial eines Hochwassers, wie es das Suhrental alle hundert Jahre heimsuchen könnte. Rund 45 Hektaren Bauzonen mit etwa 600 Gebäuden und diversen Industrieanlagen wären von solch einem Ereignis betroffen. Mit dem Projekt «Hochwasserschutz Suhrental» möchte der Kanton Schäden durch Überschwemmungen verhindern.

Am vorletzten Dienstag war der «Hochwasserschutz Suhrental» nun im Grossen Rat in Aarau traktandiert. Ohne Gegenstimme hiessen die Ratsmitglieder das Projekt gut und sprachen 26,35 Millionen Franken für das Kombiprojekt Staffelbach. Im Zuge dieses Kombiprojekts soll die Suhre bis zur Kantonsgrenze revitalisiert sowie in Staffelbach ein Hochwasser-Rückhaltebecken gebaut werden. Diese Massnahmen sind Auslöser für eine moderne Melioration im oberen Suhrental, konkret in Reitnau, Moosleerau und Staffelbach.

Für den Bau des Hochwasser-Rückhaltebeckens sowie für die Revitalisierung der Suhre wird nämlich Land benötigt. Aus der Mitwirkung der Bevölkerung der betroffenen Suhrentaler Gemeinden entstand im Jahre 2011 die Idee, die Umsetzung dieser Massnahmen mit modernen Meliorationen in den Gemeinden zu kombinieren, zumal diese so oder so angestanden hätten.

Mit modernen Meliorationen können die landwirtschaftlichen Produktionsbedingungen verbessert und landschaftliche Defizite behoben werden, indem Land umverteilt wird. Neben der Landumlegung werden auch verschiedene bauliche Massnahmen umgesetzt. So können beispielsweise Wege saniert, verbreitert und verstärkt oder Gewässer offengelegt werden. Der Kanton Aargau hat bereits einen Teil des benötigten Lands im Projektperimeter erworben. Mit den geplanten Landumlegungen in den modernen Meliorationen könne dieses Land dem richtigen Ort zugeteilt werden, schreibt der Regierungsrat in seiner Botschaft an den Grossen Rat vom 2.  Juli. Ohne Meliorationen würde es zu Enteignungen kommen.

Meliorationen sind Generationenprojekte, es wird mit einem Zeitrahmen von zwölf oder mehr Jahren gerechnet. Die Melioration im oberen Suhrental ist eine der grössten im Kanton. Die letzte dieser Grössenordnung war die Reusstal-Melioration, die von 1967 bis 1999 dauerte und sieben Gemeinden umfasste. In Moosleerau fand bereits in den 1940er-Jahren eine Melioration statt, in Staffelbach war dies im nördlichen Dorfteil im Zuge des Baus der Umfahrungsstrasse von Schöftland der Fall.

In der Zwischenzeit ist es auch in den Gemeinden mit ihren Meliorationen mehr oder weniger vorangegangen.

Hier ein Überblick über die drei Gemeinden:

Staffelbach: Erfahrener Kommissionspräsident

In Staffelbach ist die moderne Melioration bereits fortgeschritten. Nachdem 90 Prozent der Grundbesitzer an der Grundeigentümerversammlung vom 7. November 2018 einer Melioration zugestimmt hatten, konnte am 30. Oktober 2019 die konstituierende Versammlung der Bodenverbesserungsgenossenschaft Staffelbach durchgeführt werden. Anlässlich dieser wurde die Ausführungskommission gewählt. Als deren Präsident wurde Jakob «Schebi» Baumann aus Villigen bestimmt. Die weiteren Kommissionsmitglieder sind die Staffelbacher Urs Hunziker und Hanspeter Stalder, als Vertreter der Grundeigentümer Landwirtschaft, und Urs Müller-Schär, als Vertreter Verpächter, sowie der Schöftler Martin Leu, Förster und Vertreter des Natur- und Vogelschutzvereins. Von Amtes wegen nimmt zudem Gemeinderat Jonas Waltisberg Einsitz in die Kommission.

Der Kanton schlug Jakob Baumann als Präsidenten vor, da dieser auf einen grossen Erfahrungsschatz in Sachen Melioration zurückgreifen kann. So betreut er ebenfalls als Kommissionspräsident die Meliorationen der Gemeinden Abtwil, Würenlos und Ehrendingen. Die Kommission in Abtwil präsidiert er schon seit knapp zehn Jahren. «Ich bin selber Landwirt und Winzer. Zudem war ich 15 Jahre lang Gemeindeammann von Villigen und bin mir deswegen die Arbeit mit unterschiedlichen Leuten gewöhnt, was ich auch mag», sagt Baumann. Einen gewissen Reiz mache bei Meliorationen aus, dass alle Grundeigentümer, egal wie gross ihre Grundstücke seien, im gleichen Boot sässen. Es gelte deshalb, Lösungen zu finden, die alle akzeptieren können, so Baumann.

Nun heisst es in Staffelbach, abzuwarten, bis die Beschlüsse der konstituierenden Versammlung rechtskräftig geworden sind. Dies sollte im Dezember der Fall sein. Im Januar 2020 dann will Baumann die erste Kommissionssitzung abhalten. Etwa im Frühling 2020 kann schliesslich mit der Ausschreibung der technischen Leitung der Melioration gerechnet werden. Die Ausschreibung wird die Staffelbacher Bodenverbesserungsgenossenschaft mit derjenigen von Moosleerau in Angriff nehmen. Deren Präsident ist ebenfalls Jakob «Schebi» Baumann. «So können wir Synergien nutzen.» Dies hatte sich Staffelbachs Gemeindeammann Max Hauri gewünscht. «So könnte sichergestellt werden, dass die Melioration auch dorfübergreifend funktioniert», sagte Hauri im Februar dieses Jahres. Dies sei den Staffelbachern besonders wichtig. Rein rechtlich gesehen bleiben Staffelbach und Moosleerau bei ihren Meliorationen aber eigenständig.

Moosleerau: nächster Schritt gemeinsam mit Staffelbach

In Moosleerau genehmigte die Gmeind am 7. Juni 2018 die Melioration. Am 3. Juli 2019 fand schliesslich die konstituierende Versammlung der Bodenverbesserungsgenossenschaft Moosleerau statt. Wie bereits erwähnt, ist Jakob «Schebi» Baumann auch in Moosleerau Kommissionspräsident.

Die erste Sitzung der Ausführungskommission soll laut Baumann Ende dieses Monats stattfinden. Danach wartet Moosleerau, bis Staffelbach so weit ist, um gemeinsam die Ausschreibung für die technische Leitung in Angriff zu nehmen. Ziel sei es, das gleiche Ingenieurbüro als technische Leitung für beide Gemeinden finden zu können, so Baumann. «Dabei sind Eignung und Preis der Büros massgebend.» Wenn die technische Leitung gefunden ist, können die weiteren Schritte geplant werden, wie etwa die Bodenbewertung. Einen genauen Zeithorizont für diese nächsten Phasen der Melioration kann Baumann aber nicht benennen.

Reitnau: Zugeständnis des Kantons erwartet

In Reitnau ist man nicht so weit. Entgegen der Annahmen des Gemeinderates im Februar dieses Jahres wird an der kommenden Wintergmeind vom 2. Dezember nämlich doch nicht über die Lancierung einer modernen Melioration abgestimmt. «Es gibt noch offene Fragen zu klären», sagt Peter Hochuli, Reitnauer Gemeinderat und zuständig für die Melioration. Diese offenen Fragen betreffen vor allem die zukünftige Bewässerung der Felder.

Die Gemeinde Reitnau befürchtet, dass die Suhre nach der Revitalisierung ein breiteres Bachbett und somit einen tieferen Pegelstand aufweist. Dies könnte laut Peter Hochuli dazu führen, dass die Entnahme von Wasser aus der Suhre für die Bewässerung der Felder schneller verboten werde. Das würde ein Problem für die auf den Feldern gezogenen Kulturen der Landwirte darstellen. «Die Bauern brauchen deshalb einen anderen Ort, an dem sie Wasser entnehmen können», so Hochuli. Man habe eine Lösung, wolle aber noch vor der Einleitung der Melioration das Zugeständnis des Kantons, dass diese Lösung möglich sei. Zudem sei klar gewesen, dass Reitnau nicht über die Melioration abstimme, solange der Grosse Rat den Kredit für den «Hochwasserschutz Suhrental» nicht genehmigt habe, so Hochuli. Dies war nun am vorletzten Dienstag der Fall.

«Die Melioration bietet einen klaren und grossen Nutzen für uns. Doch es gibt noch raumplanerische Details auszudiskutieren», fasst Gemeinderat Hochuli zusammen. Wenn die Gespräche so laufen, wie es sich die Gemeinde vorstelle und der Kanton ihnen entgegenkomme, so könne im nächsten Jahr mit einer Abstimmung an der Gemeindeversammlung gerechnet werden. «Festhalten wollen wir aber, dass wir das Projekt sicher nicht verzögern», sagt Peter Hochuli. Denn das Ziel des Gemeinderates sei die Melioration, die aber nicht zu allen Bedingungen akzeptiert werde.

Attelwil: es muss auf Reitnau gewartet werden

Schliesslich gibt es da auch noch Attelwil. Zwar fusionierte die Gemeinde auf Anfang dieses Jahres mit Reitnau. Doch noch als eigenständige Kommune bewilligten die Stimmberechtigen an der Gmeind vom 8. Juni 2018 die Melioration. Im Februar 2019 klärte die Gemeinde Reitnau noch ab, ob es für Reitnau und Attelwil je eine eigene Ausführungskommission braucht oder ob eine gemeinsame Kommission gebildet werden kann.

Diese Frage konnte in der Zwischenzeit geklärt werden. «Es gibt für Reitnau und Attelwil zwei separate Perimeter und zwei separate Rechnungen, aber die Bodenverbesserungsgenossenschaft respektive die Ausführungskommission wird dieselbe sein», sagt Gemeinderat Peter Hochuli. Attelwil muss sich also noch ein Weilchen gedulden, bis es auch bei ihnen vorwärtsgeht mit der Melioration.

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