Einstimmiges Ja von der Gmeind: Geltwil wird zum grössten Steuerparadies im Aargau

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Bild: Eddy Schambron

Sind noch Fragen? Gemeindeammann Felix Enzler blickte in die Runde. Es gab keine Fragen: Einstimmig senkten die 53 anwesenden Geltwiler Stimmberechtigten völlig unaufgeregt den Steuerfuss von bisher 75 Prozent auf sozusagen historische 50 Prozent – Rekord im Kanton Aargau.

Stand heute wird der Steuerfuss in Geltwil die nächsten vier bis sechs Jahre so bleiben. «Und wenn wir wieder mal rauf müssen, hoffe ich auf das gleiche Verständnis dafür wie jetzt, wo wir runtergehen», schloss Felix Enzler das Traktandum.

Die Steuerfusssenkung ist nachhaltig, wie Gemeinderat Thomas Kron erklärte. «Wir können die Reduktion mit gutem Gewissen vorschlagen.» Schon vor einem Jahr senkte die Gemeinde den Steuerfuss auf 75 Prozent. «Wir hätten schon damals tiefer gehen können», räumte Kron ein, «wir waren zu vorsichtig.»

Als Gründe für die «solide finanzielle Situation» der kleinsten Freiämter Gemeinde nannte er die geringen Infrastrukturkosten und die Demografie: «Wir haben einen hohen Anteil an Eigenheimbesitzern, die keinen Grund sehen, wegzuziehen. Eigenheimbesitzer sind zudem meistens einkommens- und vermögensmässig in einer guten bis komfortablen Situation.»

Immer noch ein Ertragsüberschuss

Selbstverständlich gibt es jetzt keinen Finanzausgleich mehr, wie Finanzverwalterin Gabi Vollenweider ausführte. Doch auch ohne ihn und mit der erfolgten Senkung des Steuerfusses auf 50 Prozent sieht das Budget der Einwohnergemeinde Geltwil einen Ertragsüberschuss von 121000 Franken vor.

Dabei wurden durchaus auch erhebliche Ausgaben beschlossen: 218000 Franken als Gemeindeanteil Geltwils an den Neubau einer Filtrieranlage und an die Sanierung der Abwasserreinigungsanlage Muri, 38000 Franken für die Erstellung des Abwasserkatasters, 26000 Franken für die Erstellung des Wasserkatasters sowie ein Projektierungskredit von 52000 Franken für die Sanierung der Gemeindestrasse Teilbereich Schul- und Gemeindehaus bis zur Verzweigung Restaurant Strebel.

Auch die erste Runde Getränke im Restaurant Strebel nach der Gemeindeversammlung konnte die Gemeindekasse verkraften, ganz abgesehen vom Gratis-Dessert für eine Jungbürgerin und vier Jungbürger.

Wilde Vermutungen und Bauland-Anfragen

Im Vorfeld zur Einwohnergemeindeversammlung sorgte die Steuerfusssenkung da und dort, aber nicht im Dorf selber, für allerlei Bemerkungen. Sie reichten von wilden Vermutungen, wer denn hier die grössten Steuerzahler sind, bis hin zur Frage, ob man denn auch einen Firmensitz, analog Zuger Briefkastenfirmen, an den Lindenberghang verlegen könnte. Auch war die Gemeindeverwaltung mit Anfragen nach noch erhältlichen Bauland konfrontiert.

Ebenfalls keine Diskussionen löste der Gemeindevertrag mit Buttwil über die Aufnahme von Schülerinnen und Schülern des Kindergartens und der Primarstufe aus Geltwil aus. Nach der Aufhebung der eigenen Gesamtschule wurde dieser nötig, damit die aufnehmende Schule Buttwil Planungssicherheit erhält und die Geltwiler Kinder einen gemeinsamen Schulweg mit dem Postauto als Schulbus erhalten.

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