200 Jahre: Die Studentenverbindung Zofingia Luzern feiert 2020 Jubiläum

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Hoteldirektorin Marija Bucher und der Präsident der Altzofingia Luzern, Reinhard Obermüller, vor deren Stammlokal. Bild: Marc Benedetti

Die Zofingia Luzern ist eine Sektion des Schweizerischen Zofingervereins, der grössten und ältesten Studentenverbindung der Schweiz. Sie feiert im Mai 2020, ein Jahr nach der Muttervereinigung, ihre Gründung vor 200 Jahren. 180 aktive und ehemalige Mitglieder gehören der Verbindung an.

Die Zofingia Luzern hat eine turbulente Geschichte und wurde zeitweise von der konservativen Luzerner Obrigkeit bekämpft. Denn die Liberalen – der französische Ausdruck «les radicaux» zeugt noch davon – galten damals mit ihren freiheitlichen Ideen als Revolutionäre. Die Luzerner Zofinger protestierten zum Beispiel gegen das 1821 eröffnete Löwendenkmal – für sie ein Symbol der Monarchie. Heute steht die Zofingia Mitgliedern jeder parteipolitischen Couleur offen, solange sie andere Meinungen zulassen. Toleranz ist wichtig.

Im Mai 2018 brannte der «Schlüssel»in Luzern

Ein Drama in der jüngeren Geschichte der Verbindung war der 2. Mai 2018: An diesem Tag brannte ihr Stammlokal, das historische Hotel und Restaurant Schlüssel am Franziskanerplatz in Luzern. Butter hatte in der Restaurantküche im ersten Stock Feuer gefangen. Durch die Lüftung breitete sich das Feuer im Gebäude aus. Der Brand hielt ganz Luzern in Atem: Rund 150 Feuerwehrleute standen im Einsatz. Sie verhinderten ein Übergreifen auf andere Altstadthäuser.

Verletzt wurde zum Glück niemand. Doch für die Zofingia Luzern sowie die «Schlüssel»-Direktorin Marija Bucher und ihre Mitarbeiter war das Ereignis eine Katastrophe. Der Dachstock, wo sich eine Wohnung befand, wurde völlig zerstört. Löschwasser und Russ zogen die unteren Stockwerke des über 500 Jahre alten Hauses in Mitleidenschaft. «Was folgte, war baulich eine unglaubliche Herausforderung», erläutert Reinhard Obermüller, Präsident der Altzofingia Luzern. Der «Schlüssel» hat Baujahr 1545 und ist eines der ältesten Gasthäuser der Leuchtenstadt. Laut Obermüller kamen bei der Freilegung der Wände viele Überraschungen zum Vorschein. Die Restaurierung war deshalb sehr aufwendig.

Anfang Dezember 2019 konnte der Betrieb wieder eröffnet werden. «Wir sind froh, dass unser Oldtimer rundum erneuert werden konnte», erklärt der Unternehmensberater, wir waren gut versichert. Doch nicht alle Kosten waren gedeckt.» Luzerner Altzofinger hätten privat gegen eine Million Franken an die Wiederherstellung ihres Stammlokals beigesteuert und Hunderte Stunden ehrenamtlicher Arbeit geleistet. Peter Camenzind leitete die Baukommission, in der sein Sohn Samuel Camenzind, beide Altzofinger, als Architekt wirkte. Das Resultat kann sich sehen lassen und ist einen Besuch in Luzern wert.

Feinschmeckerlokal im Borromäus-Saal

Schmuckstück des Hauses ist der Borromäus-Saal im ersten Stock. Der mittelalterliche Saal hatte Schaden genommen, konnte aber restauriert werden. Benannt ist er nach einem päpstlichen Gesandten des 16. Jahrhunderts, Kardinal Carlo Borromeo, Erzbischof von Mailand, auch bekannt als der heilige Borromeo. 1570 wohnte dieser auf dem Weg zu einem Konzil mit seinem Gefolge sechs Wochen lang im Gasthaus, kann man auf der Inschrift eines Dachbalkens nachlesen. Auch Tagsatzungen fanden in diesem Saal statt und die Jesuiten betrieben hier zeitweise eine Schule.

Im Saal befindet sich das neu eröffnete Feinschmeckerlokal, das authentische Spezialitäten aus der Schweiz und dem Alpenraum serviert. «Unser neues Konzept kommt gut an und passt zur alpinen Destination Luzern», sagt die Chefin des Hauses, Marija Bucher. Im Erdgeschoss befindet sich «Vrenelis Gärtli» mit einfacheren und günstigeren Gerichten. Renoviert wurde auch das Zofingerstübli im Erdgeschoss, wo sich die Aktiven und Ehemaligen der Zofingia jeweils treffen. Der «Schlüssel» ist mit zehn Zimmern ausserdem das kleinste Hotel der Stadt Luzern, das die Hoteldirektorin mit historischen Möbeln sehr stilvoll eingerichtet hat. Zur Frage, warum eine Studentenverbindung überhaupt ein solches Lokal besitzt, erklärt Reinhard Obermüller, es gebe rund 150 mittelalterliche Häuser in der Altstadt. «Wir wollten eine attraktive Heimat für alle unsere Mitglieder und einen Beitrag leisten an die wunderschöne Stadt Luzern.» Mit den Mitteln einer Stiftung sowie von eigens gegründeten Genossenschaften und Gesellschaften aus Altzofinger-Kreisen konnte die Zofingia das Haus 1984/85 erwerben.

Vom 14. bis 17. Mai 2020 wird die Studentenverbindung ihr Jubiläum feiern. Der Festakt vom 16. Mai im Marianischen Saal ist öffentlich. Eine neue Festschrift wird die Geschichte der Verbindung beleuchten. Bei der Gründung 1820 waren Schüler des Lyceums Luzern sowie katholische Theologiestudenten Mitglieder. 1841 verbot die Luzerner Regierung die Zofingia, welche erst 1850 wiedergegründet werden konnte. Im Zeichen des Kulturkampfes wurde ab 1870 den Theologiestudenten der Beitritt zur Zofingia Luzern verunmöglicht Übrig blieben die Mittelschüler. Im Jahr 2002, zwei Jahre nach der Gründung der Universität Luzern, gelang es dann, neben der Mittelschulsektion auch wieder eine Hochschulsektion zu eröffnen.

Mehr Infos unter: www.zofingia-Luzern.ch/200 

Das Schild des "Schlüssel", im Hintergrund die Franziskanerkirche.
Die Häuserzeile mit dem "Schlüssel" am Franziskanerplatz.
Reinhard Obermüller auf dem Balkon.
Schmuckstück des Hauses ist der Borromäussaal.
Das Zofinger Stübli wurde ebenfalls aufwendig restauriert.
Die Weinbar im Erdgeschoss mit dem Stammtisch der Verbindung mit ihren Vulgos.
Ein alter Tresor im Borromäussaal.
Dachbalken mit Inschrift im Borromäussaal
Dachbalken mit Inschrift im Borromäussaal
Hoteldirektorin Marija Bucher ist froh, dass die Bauerei vorbei ist.
Blick in eines der zehn Hotelzimmer des "Schlüssel".
Reinhard Obermüller mit Marija Bucher bei der Besichtigung des Hotels.
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