Lieber Neuanfänge als Vorsätze

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Schon im alten Jahr waren sie da und im noch taufrischen 2020 gibt es kein Entkommen. Ob ich das Radio oder den Fernseher anschalte, im Internet surfe oder jemanden antreffe – die Menschen und Listen mit guten Vorsätzen lauern überall. Selbstverständlich tut es auch meiner Gesundheit und meinem Wohlbefinden gut, weniger Süssigkeiten und Fleisch zu essen, ab und an auf einen guten Tropfen zu verzichten sowie die Zeit vor der Glotze und dem Smartphone zu reduzieren. So erstaunt es mich nicht, dass zu den Spitzenreitern der Vorsätze ein besserer Umgang mit Stress gehört und die Mehrheit nach mehr Ruhe und Gelassenheit lechzt. Beliebt sind weiter, mehr Zeit mit der Familie und Freunden zu verbringen oder mehr Sport zu machen. An Silvester war ich vor Mitternacht in Festlaune und wurde kurz schwach. Dennoch obsiegte meine Vernunft. So habe ich sie auch diesmal wieder links liegen lassen – die «guten» Vorsätze.

Denn wie vielen Menschen gelingt es auch mir nicht, nach 365 oder wie heuer 366 gelebten Tagen zufrieden auf die Liste mit meinen Vorsätzen zu schauen. Da trösten auch Studien nicht, die besagen, dass nur 30 Prozent der Vorsätze eine realistische Chance haben. Während einige Mitmenschen ihre Absichten nie umsetzen, geben andere nach drei Wochen ihre Pläne auf. Nach einem halben Jahr ist nur noch die Hälfte dabei. So war es auch bei mir. Allzu oft habe ich die Messlatte zu hoch angesetzt. Ich wollte mehrmals pro Woche im Fitnessstudio sein und kaufte mir ein unbegrenztes Jahresabo, weil es mir rein rechnerisch günstiger schien. Auch jeden Morgen still auf dem Meditationskissen zu sitzen und nichts zu denken, hab ich nicht durchgezogen. Kläglich gescheitert bin ich mit dem mehrstufigen Körper-Reinigungsprogramm.

Gebracht haben mir die Versuche dennoch viel: Ich habe eingesehen, dass ich meine selbstfabrizierten und vorprogrammierten Mini-Weltuntergänge nicht mehr brauche. Ich bin nun mal so, wie ich bin. So komme ich besser mit einem leeren, manchmal knurrenden Magen durch den Tag, als überzuckerte Pulvergemische und vegane Powertabletten runterzuwürgen. Ruhe in meine rege Gedankenwelt bringt mir Bewegung. Es macht mir Spass, in der Natur zu Fuss unterwegs zu sein oder meine Bahnen zu schwimmen. Dagegen stressen mich Dauerabos, weil ich um die Geräte im Fitnessstudio ohnehin einen Bogen mache und zum Fernbleiben meine volle Agenda als Sündenbock vorschiebe. Für einen Neubeginn muss es für mich weder der Jahreswechsel noch mein Geburtstag sein. Dafür fange ich gerne am Anfang der Woche etwas Neues an. Bis dahin bleibt mir Zeit, es aufzuschieben, aber auch es anzupacken.

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