Gemeinden sollten sich Gedanken über alternative Arbeitszeitmodelle machen

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Zum Artikel «Die Gemeindeschreiberin möchte Jobsharing». Ausgabe vom 8. Januar.

Bei den Kaderstellen in den aargauischen Gemeindeverwaltungen ist der Stellenmarkt seit Jahren ausgetrocknet. Die Gemeinden bekunden Mühe, qualifiziertes Personal als Gemeindeschreiberin oder Gemeindeschreiber, Leiterin oder Leiter Finanzen, Leiterin oder Leiter Steuern et cetera zu finden. An potenziellem Nachwuchs fehlt es zwar grundsätzlich nicht. Die Lehrgänge «Öffentliches Gemeinwesen», welche an der Fachhochschule Nordwestschweiz angeboten werden, sind beim Personal der Aargauer Gemeinden sehr gefragt.

Wenn dann eine Gemeinde eine Kaderstelle neu besetzen muss, wundert man sich allerdings nicht selten, wo die Bewerbungen dieser gut ausgebildeten Leute bleiben. Für dieses Phänomen gibt es sicherlich verschiedene Gründe. Eines aber ist offensichtlich:

Der Frauenanteil in den Lehrgängen ist ausserordentlich hoch, er liegt bei rund 80 Prozent. Diese Tendenz zeichnet sich bereits in der kaufmännischen Grundbildung ab.

Viele dieser bestens ausgebildeten Frauen verspüren irgendwann den Wunsch, eine Familie zu gründen. Nach der Mutterschaft würden sie gerne wieder mit einem Teilzeitpensum in der angestammten Funktion weiterarbeiten. Solche Stellen sind jedoch rar. Darum verschwinden diese hoch qualifizierten Frauen häufig für längere Zeit oder sogar für immer vom Stellenmarkt der öffentlichen Verwaltung, zumindest was Kaderstellen anbetrifft.

Dadurch geht den Gemeinden extrem viel wertvolles Know-how verloren. Dies ist ausserordentlich bedauerlich, vor allem wenn man bedenkt, wie viel Zeit und Geld in die Ausbildung investiert wurde. Und diese Entwicklung führt eben auch dazu, dass es immer schwieriger wird, qualifiziertes Personal zu finden.

Ich bin überzeugt, dass die Gemeinden gut beraten sind, wenn sie sich Gedanken über alternative Arbeitszeitmodelle machen, seien dies Teilzeitstellen, Jobsharing oder allenfalls sogar Homeoffice. In grösseren Verwaltungen sind solche Modelle sicher einfacher umsetzbar, doch auch in kleineren Gemeinden lohnt es sich, darüber nachzudenken, wie wir unsere bestens ausgebildeten Frauen im Arbeitsmarkt behalten können – und zwar auch in leitenden Funktionen. Dass solche Modelle bestens funktionieren können, beweist beispielsweise die Berner Gemeinde Wichtrach, wo sich zwei Frauen die Gemeindeschreiberstelle teilen.

Wenn die Gemeinden aber die Tatsachen verdrängen und sich neuen, unkonventionellen Arbeitszeitmodellen verschliessen, ist zu befürchten, dass früher oder später ernsthafte Schwierigkeiten entstehen werden, die Kaderstellen auf den Gemeindeverwaltungen mit kompetentem Personal zu besetzen.

Stefan Jung, Gemeindeschreiber, Rothrist

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