Brand im Sertelwald: Der Rentner will es nicht gewesen sein

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So sah es nach dem Brand am 29. April 2018 im Sertelwald aus. Die Feuerwehren Wiggertal und Hürntal löschten das Feuer. Bild: Luzerner Polizei

Auf der Rückseite von Strafbefehlen im Kanton Luzern steht dieser Satz: «Mit einem Strafbefehl können Straffälle ohne grösseren Untersuchungsaufwand durch die Staatsanwaltschaft beurteilt werden ...»

Ein beschuldigter Rentner aus Reiden wirft den Strafverfolgungsbehörden vor, eben zu wenig untersucht zu haben, ob er etwas getan hat – oder ob es nicht doch Dritte waren, wie er behauptet. Er wehrt sich vor Gericht gegen einen Strafbefehl. Fakt ist: Am Sonntag, den 29. April 2018, brannte es im Sertelwald oberhalb Reidens. Die Feuerwehren Wiggertal und Hürntal mussten ausrücken, um das Feuer einzudämmen und zu löschen. Es zerstörte laut den Strafuntersuchungsbehörden eine Fläche von zirka 400 Quadratmetern Jungwuchs. Der Schaden betrug zirka 300 Franken.

Hat er Glutreste sorgfaltswidrig entsorgt?

Gebrannt hat es nahe der Feuerstelle des Beschuldigten. Der verheiratete Rentner besitzt seit 14 Jahren eine Waldparzelle im Sertelwald, wo er viele Wochenenden verbrachte. Laut Staatsanwaltschaft Sursee zündete der Mann an diesem Sonntag zwischen 9 und 10 Uhr in seiner Feuerstelle ein Feuer an. «Zur Mittagszeit entfernte sich der Beschuldigte von der Feuerstelle, ohne die Asche wegzuräumen, da diese noch heisse Glutstücke enthielt.» Um 16.30 Uhr sei er zurückgekehrt und habe die vermeintlich abgekühlte Asche mit einem Handbesen in eine Kehrichtschaufel wischen wollen. «Die Asche entsorgte er, einige Meter von der Feuerstelle auf dem Waldboden, wie er es schon oft gemacht hatte.» Doch Glutreste in der Asche hätten weitergeglimmt. Diese «sorgfaltswidrig entsorgten» Glutreste hätten sich mit dem an diesem Tag kräftig wehenden Wind entzündet und zum Feuer geführt.

Am Donnerstag fand die Fortsetzung der Hauptverhandlung am Bezirksgericht Willisau statt. In der Hauptverhandlung hatte ein Vertreter der Staatsanwaltschaft Sursee geschildert, wie sich die Sache laut ihrer Untersuchung abgespielt hat. Sie wirft dem Mann die fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst vor. Darauf stehen laut Strafgesetzbuch bis drei Jahre Gefängnis. Der 78-jährige Schweizer soll eine bedingte Geldstrafe von 4800 Franken mit einer Probezeit von zwei Jahren erhalten. Dazu kommen die Busse von 500 Franken und die Verfahrenskosten und Auslagen, insgesamt 1030 Franken. Ein Zeuge aus Reiden wurde an der gestrigen Verhandlung befragt. Der Rentner ist im gleichen Schützenverein wie der Beschuldigte. «Ich bin im Restaurant Blauer Esel gesessen und da hiess es: Im Sertel brennts», sagte er dem Richter. Dass Buben weggerannt seien, als die Feuerwehr kam, habe er von anderen gehört. Ob jedoch Dritte für den Brand verantwortlich seien, das wisse er nicht, sagte der Zeuge.

Verteidigung kritisiert die Untersuchungsbehörden

Die Verteidigerin meinte in ihrem Plädoyer, für die Schuld ihres Mandanten gebe es nur Indizien und keine Beweise. Der Brand und der Feuerwehreinsatz seien zwar aktenkundig. Die Brandursache sei jedoch mangelhaft abgeklärt worden. «Ein detailliertes Brandgutachten wurde nicht erstellt.» Es gebe einige Ungereimtheiten. Man fokussiere sich nur auf die Schuld ihres Klienten, alles was ihn entlaste, werde nicht berücksichtigt. Sie bestritt ausserdem eine Abklärung, welche die Staatsanwaltschaft bei Meteoschweiz zu den Windverhältnissen 2018 aufgab. «Die Messstation Egolzwil liegt in einer Ebene, dort herrschen nicht die gleichen Verhältnisse wie im Sertelwald.»

Die Verteidigerin verlangte, falls es doch zur Verurteilung käme, eine geringere Strafe wegen leichten Verschuldens. Der Beschuldigte äusserte sich nicht an der Verhandlung. «Das Ganze setzt mir persönlich zu», sagte er dieser Zeitung. Das Urteil des Bezirksgerichts wird zu einem späteren Zeitpunkt schriftlich eröffnet.

Verhaltensregeln beim Feuern im Freien

Die meisten Waldbrände werden durch Fehlverhalten einzelner Personen ausgelöst, die zum Beispiel glühende Zigarettenstummel wegwerfen oder das Grillfeuer nicht gänzlich löschen. Für Feuerverbote und für die Prävention von Waldbränden ist die kantonale Dienststelle Landwirtschaft und Wald zuständig. Sie gibt folgende Empfehlungen fürs Feuern im Freien: 1. Lokale Gefahrensituation abklären, wenn man ein Feuer im Freien entfachen will. 2. Feuerverbote unbedingt einhalten. 3. Bei starkem Wind auf Feuer im Freien verzichten. 4. Brennende Zigaretten und Streichhölzer nie wegwerfen. 5. Festeingerichtete Feuerstellen fürs Grillieren verwenden. 6. Feuer laufend überwachen und allfälligen Funkenwurf sofort löschen. 7. Sich vergewissern, dass das Feuer vollständig gelöscht ist, bevor man den Ort verlässt. 8. Kein Feuerwerk oder Knallkörper im Wald ablassen. (ben)

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