Hat die klassische Kochschule im Aargau ausgedient? Der Lehrplan 21 krempelt das Fach völlig um

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Claudia Casarramona ist seit bald 30 Jahren Hauswirtschaftlehrerin in Lenzburg (Alex Spichale)

Ab nächstem Schuljahr hat Claudia Casarramona einen neuen Job. Ohne, dass sie sich dafür beworben hätte. Doch der Lehrplan 21 krempelt ihr Fach völlig um und damit auch ihren Berufsalltag. Claudia Casarramona ist seit 1991 Hauswirtschaftslehrerin an der Oberstufe in Lenzburg. In den Sportferien führt sie jeweils die Projektwoche «Res(s)taurant» durch: Schülerinnen und Schüler zaubern und servieren den auswärtigen Gästen ein viergängiges Menu. Zwei Schülerinnen sind für die Verpflegung der Küchencrew zuständig. Claudia Casarramona hat ihnen Anfang Woche 400 Franken gegeben. Svenja und Mirela, beide 14, sind Köchinnen mit Erfahrung. Sie bestimmen das Menu und teilen das Geld ein. Mal schauen, wie weit es reicht. «Vielleicht gibt es Ende Woche kein Fleisch mehr», sagt Casarramona.

Sie war schon immer eine Hauswirtschaftslehrerin, die ihren Schülerinnen und Schülern im praktischen Unterricht viel Handlungsspielraum gelassen hat und versucht hat, ihnen das Verhältnis von Geld und was man damit kochen kann zu vermitteln. Doch mit dem Lehrplan 21 wird dieser Aspekt des Unterrichts viel konkreter. Claudia Casarramonas Fach heisst neu Wirtschaft, Arbeit und Haushalt (mit Hauswirtschaft).

Keine eigentliche «Kochschule» mehr?

Vielleicht verschwindet mit der neuen Lehrplan-21-Generation der Begriff Kochschule, denn in der Küche wird deutlich weniger Zeit verbracht. Im aktuellen Lehrplan fand die Hauswirtschaft im 7. oder 8. Schuljahr statt, vier Lektionen pro Woche. Ab dem Schuljahr 2020/21 geht das Fach Wirtschaft, Arbeit und Haushalt vom 7. über das 8. (jeweils zwei Lektionen pro Woche) bis zum 9. Schuljahr (1 Lektion pro Woche). Das Kochen findet im 8. Jahr statt, wie gewohnt vier Lektionen am Stück, dafür nur ein halbes Jahr.

«Ich finde es schade, dass bei der Ernährungslehre so gekürzt wird», sagt Claudia Casarramona. Ihren Kolleginnen gehe es gleich. Mit dem neuen Lehrplan wird sie den grössten Teil ihrer Arbeit im theoretischen Unterricht verbringen. Sie ist Hauswirtschaftslehrerin mit Leib und Seele und würde am liebsten ihren Unterricht wie gewohnt weiterführen.

Nicht, dass sie die neuen Unterrichtsbereiche nicht wichtig fände. Im Lehrplan 21 wird der Haushalt in die Welt der Wirtschaft eingebettet. Dazu gehören die Prinzipien der Marktwirtschaft, der Umgang mit Geld und der persönliche Konsum wie auch der Einfluss von der Ernährung auf die persönliche Gesundheit. Wichtige Themen, die nicht zu früh angesprochen werden können. Jedoch auf Kosten der Kochzeit.

Lernen die Jugendlichen jetzt weniger gut kochen? Claudia Casarramona hebt die Schultern. Sie weiss noch nicht genau, wie sie den Hauswirtschaftsunterricht gestalten wird. «Mein Ziel ist es, den Schülerinnen und Schülern Freude am Kochen zu geben», sagt die Lehrerin. Niemand soll das Kochen negativ in Erinnerung behalten.

Es geht darum, ein Grundwissen zu vermitteln

Claudia Casarramona ist sich bewusst, dass auch heute niemand nach dem Hauswirtschaftsunterricht in der Regelschule einen Haushalt führen kann oder so virtuos kochen kann, wie sie es im «Res(s)taurant» vorführt. «Aber ich hoffe, dass sie sich später wieder an den Umgang mit Rezepten, die Abläufe am Arbeitsplatz und den Umgang mit den Zutaten erinnern werden», sagt sie. Sie wird versuchen, in Zukunft in der halben Zeit den Schülerinnen und Schülern ein Grundwissen zu vermitteln, auf das sie aufbauen können. Auf jeden Fall werde weniger Zeit für Repetition bleiben.

Dass sich die Zeiten geändert haben und viele Leute heute keine Zeit mehr haben, um stundenlang in der Küche zu werken, kann sie verstehen. Das deshalb viele auf Convenienceprodukte zurückgreifen, nicht. «Es gibt genug Gerichte, die man auch mit wenig Zeit machen kann», sagt sie. Die Hauswirtschaftslehrerin macht natürlich alles selber. «So weiss ich, was drin ist», sagt sie. Und genau deshalb sei der Hauswirtschaftsunterricht auch heute überhaupt kein Auslaufmodell. Hier lernt man die Grundlage für die spätere Routine.

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