Marc Grieder: «Das wäre für uns ein Desaster» – Kevin Schläpfer: «Der EHC Olten ist der Favorit»

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Langenthal gegen Olten ist auch Kevin Schläpfer (links) gegen Marc Grieder. (Bild: Bruno Kissling)

Kevin Schläpfer, haben Sie gegen Winterthur absichtlich verloren, damit Sie gegen Olten spielen können?
Kevin Schläpfer:
Nein, natürlich nicht. Ich war schon etwas enttäuscht, dass das einige Journalisten nicht gemerkt haben, dass wir immer für das Beste kämpfen und unbedingt diesen 5. Platz möchten. Kloten hätte lange Zeit noch ausgleichen können und deshalb brauchten wir den Sieg nach 60 Minuten und nahmen dieses Risiko, den Torhüter rauszunehmen, in Kauf. Es ging leider nicht auf.

Trotzdem: Olten ist der bessere Gegner als Visp.
Schläpfer:
Olten ist sportlich der schwierigere Gegner, da müssen wir nicht um den Brei herumreden. Olten ist sicher wirtschaftlich besser für uns, aber für mich als Sportchef zählt das nicht, wir wollten gegen Winterthur gewinnen.

 Ist Langenthal für Olten der Traumgegner, Marc Grieder?
Marc Grieder:
Ich denke nicht, dass es überhaupt einen Traumgegner gibt. Es ist sicher ein gutes Los, wir spielen gegen den amtierenden Schweizer Meister und Titelverteidiger. Das Derby wird hoffentlich viele Leute anziehen und eine gute Atmosphäre haben, wie es zu den Playoffs dazugehört. Ich hoffe, dass wir noch ein Brikett drauflegen können, wir freuen uns darauf.

Wir behaupten: Thurgau wäre die grössere Knacknuss gewesen.
Grieder:
In den Playoffs ist alles etwas schwieriger, es hat seine eigenen Gesetze. Es ist wie ein Start in eine neue Saison. Da nützt es nichts, wenn man zwei, drei oder vier Mal in der Qualifikation gegen den Playoff-Gegner gewonnen hat.

Trotzdem: Olten ist der Favorit in dieser Serie.
Grieder:
Nochmals: Wir spielen gegen den amtierenden Schweizer Meister, es kann viel passieren.
Schläpfer (lacht): Da versucht er tiefzustapeln.
Grieder: Nein, es ist nun mal Tatsache, dass wir gegen den Titelverteidiger spielen. Ich sehe uns nicht zwingend als Favorit. Aber verstecken müssen wir uns mit Sicherheit auch nicht.

Und Sie, Kevin Schläpfer, sehen sich als Aussenseiter?
Schläpfer:
Natürlich. Wir wissen alle: Mit einem Titel im Gepäck kann man sich überhaupt nichts kaufen. Es war ein riesengrosser Effort, nichts ist mehr damit zu vergleichen. Alles hat geändert. Wir haben in der Qualifikation durchwachsene Leistungen gezeigt, was auch normal ist, wenn man das Team verjüngt. Es ist für mich klar, dass Olten Favorit ist. Für mich sind Kloten und Olten die zwei besten Teams, sie sind am kompaktesten aufgestellt. Wir haben sicher noch Ajoie, das in diesen Kreis gehört, aber Ajoie ist mehr von Einzelspielern abhängig als Olten und Kloten. Ich möchte damit aber nicht sagen, dass wir keine Chance haben. Auch die Aussenseiterchance hat seine Attraktivität und ist gefährlich.

Wenn man an die vergangene Saison denkt, gab es aus Sicht des EHCO das bittere Halbfinal-Out gegen Langenthal. Dann wird der Erzrivale auch noch Meister. Welche Rolle spielt der Kopf?
Grieder:
Der Kopf spielt immer eine grosse Rolle. Ein Jahr zuvor konnten wir gewinnen und waren im Final gegen Rapperswil-Jona, in der vergangenen Saison kam die Revanche. Ich denke, nun ist die Ausgangslage aber nicht mehr zu vergleichen, es gab viele Wechsel. Wir haben auf jeden Fall wieder etwas gut zu machen. Ich denke, wir konnten uns gut auf die Playoffs vorbereiten und das ist die Basis für erfolgreiche Playoffs.

Welche Rolle spielt die Routine der Trainer? Jeff Campbell ist ein Neuling, Fredrik Söderström wurde schon Meister in Norwegen.
Schläpfer: Ja sicher eine zentrale. Das werden die ersten Playoff-Erfahrungen für Jeff sein, er muss schnell die richtigen Entscheidungen treffen, viel mehr Emotionen, höherer Erwartungsdruck. Das wird neu sein für ihn. Das ist ein Prozess. Aber wir, und vor allem ich in erster Linie, werden hinter ihm stehen und ihn unterstützen. Wichtig ist, dass er davon profitiert und einen Schritt vorwärtskommt.

Was kann Fredrik Söder­ström bei Olten einbringen?
Grieder: Er wurde, wie gesagt, schon Meister. Er kann sicher seine Art, seine grosse Persönlichkeit miteinbringen und damit viel bewegen. Er weiss, wie es läuft, aber man darf auch nicht vergessen: Er ist erst 42 Jahre alt, kein Hall-of-Fame-Mitglied und trägt fünf Ringe am Finger. Es sind Fredriks erste Playoffs in der Schweiz, auch er wird dazulernen und profitieren können. Ich denke auch Assistent Tommy Sjödin wird mit seiner Erfahrung viel helfen können. Und ich bin überzeugt, dass sie die Energie, die sie tagtäglich einbringen, auch auf die Mannschaft übertragen können.

Kevin Schläpfer, Sie amten in Ihrer ersten Saison als Sportchef in Langenthal. Wie haben Sie die Rivalität mit Olten aus dieser Optik wahrgenommen?
Schläpfer: Ich habe sie ja schon früher als Spieler auf beiden Seiten erleben dürfen. Es ist immer ein gutes Derby, auch in diesem Jahr, obwohl wir nur einmal gewinnen konnten. Wir haben es als Klub sehr geschätzt, dass sich die EHCO-Fans sehr vorbildlich verhalten haben bei der Schweigeminute, mit welcher wir im letzten Derby unserem verstorbenen Gründungsmitglied gedachten. Wir möchten diese Rivalität beibehalten, sie bereichert diesen Sport, aber am Ende des Tages wird der Unterlegene dem anderen die Hand reichen und zum Sieg gratulieren. Steht der Respekt im Vordergrund, kommt es dann auch zu einem grossen Eishockeyfest. Ich hoffe, dass wir beide als Sportchef, Marc und ich, das auch etwas vorleben können. Wir sind gute Freunde.

Beide Teams sind finanziell nicht auf Rosen gebettet. Auch wenn die Affiche ­attraktiv ist und viele ­Zuschauer anlocken wird: Ein frühzeitiges Out könnte unangenehme Folgen haben. Wie gross ist der Erfolgsdruck?
Schläpfer:
Natürlich spüren auch wir Druck. Gleichzeitig ist es aber auch so, dass wir nicht mit viel mehr als den Viertelfinals budgetiert haben. Ich will hier nicht auf Understatement machen: Aber wir haben gewusst, dass diese Saison für uns mit dem Neubeginn schwierig wird. Sollten wir also ausscheiden, würde das nicht zu einem Zusammenbruch führen.
Grieder: Unser Ziel ist die Finalqualifikation. Entsprechend haben wir budgetiert. Sollten wir im Viertelfinal rausfliegen, wäre das für uns, ganz ehrlich gesagt, ein Desaster. Nicht nur wegen der Finanzen, sondern auch wegen der Erwartungshaltung bei den Fans, Sponsoren, der Vereinsführung, den Spielern und dem Trainer-Staff. Aber diese Drucksituation muss allen Beteiligten bei einem ambitionierten Team, wie wir es in Olten sind, bewusst sein. Klar: Am Schluss kann nur einer gewinnen. Und wir versuchen, die bessere Mannschaft zu sein.

Was können Sie als Sportchef tun, um diesen Druck von der Mannschaft ­möglichst fernzuhalten?
Grieder:
Wir wissen, wie die Situation ist und haben uns nach bestem Wissen und Gewissen vorbereitet. Wir waren in Engelberg im Trainingslager. Wir wissen, was im Verlauf der Qualifikation weniger gut war und wo wir uns steigern können und müssen. Und überhaupt: Viele Spieler sind nach Olten gekommen, weil sie genau diese Herausforderung suchen, etwas gewinnen und sich weiterentwickeln möchten.

Sie haben beide auf die Verpflichtung eines dritten Ausländers verzichtet. ­Weshalb?
Schläpfer:
Bei uns klar deshalb, weil wir sowieso nicht aufsteigen können. Es hätte entsprechend nichts gebracht, da noch eine Investition zu tätigen.
Grieder: Wir wollten nicht um jeden Preis noch einen dritten Ausländer holen, es ist auch eine Frage der Finanzen. Zumal ich von unserer aktuellen Mannschaft überzeugt bin. Wir haben ein stabiles Gerüst mit zwei guten Ausländern. Sollte sich einer der Beiden verletzen, dann ist es halt so. Dann müssen andere Spieler in die Bresche springen. Und ich muss auch sagen, dass ich während meiner Karriere als Spieler mehrheitlich negative Erfahrungen gemacht habe mit zusätzlichen Ausländern. Das hat nicht immer funktioniert.

Der SC Langenthal hat ­während der ganzen Qualifikation mit einigen Leihspielern aus der National League operiert. Können Sie auf diese Spieler auch in den Playoffs zählen?
Schläpfer:
Die meisten werden auch bei uns in die Playoffs starten. Aber klar, wir gehen da auch ein gewisses Risiko ein. Der NL-Klub kann sie jederzeit zurückholen. Aber mit dieser Ausgangslage müssen wir umgehen können.

Letztes Jahr schlug in Olten unmittelbar vor den Playoffs die Verletzungshexe zu mit dem Ausfall der Schlüsselspieler Stan Horansky und Jewgeni Schirjajew. Wie sehr geistert ein solches Szenario in Ihren Gedanken herum?
Grieder:
Es wäre wirklich schön, wenn wir diesmal vom Verletzungspech verschont bleiben. Ich wünsche mir, dass alle unsere Spieler in den Playoffs gesund bleiben und ihr bestes Eishockey zeigen können.

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