Der Winter lässt die Bauern kalt

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Den Nüsslisalat ins Treibhaus geholt: Gemüsebauer Mathias Schär. (Bild: R. Hämmerli
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Zum Glück schneits: Winzer Martin Wullschleger will noch keine Triebe.Bild: S. Ziegler

Der geschmolzene Schnee regnete das Dach herab, sodass Bauer Matthias Schär seine Gummistiefel darunter waschen konnte. Der Winter hustete die letzten Tage übers Land. In der Nacht fiel das Thermometer sogar unter null Grad. Der Schnee bedeckte die Äcker, aber die Bauern zucken mit den Achseln.

«Meinetwegen kann es mir bis zum Knie schneien», sagt Gemüsebauer Schär aus Brittnau. Er übernahm dieses Jahr den Biohof Schär mit dazugehörigem Hoflädeli. Zu Schärs gehören Mutter Monika, Frau Corinne, Tochter Ursin und neuerdings auch Edy, wie das Maitannli neben dem Hof verrät. Der kleinste Schär ist auch der einzige Grund, der Vater Schär schlaflose Nächte bereiten könnte. Plötzlicher Frost lässt ihn kalt. «Ich rechne damit, dass der Frost noch kommt», sagt Schär.

Deshalb hat der Gemüsebauer letzte Woche den Nüsslisalat ins Treibhaus verfrachtet. Noch nie zuvor konnte Schär ihn so lange auf dem Feld lassen. «Wegen dem milden Winter gefrieren die Böden nicht», sagt Schär. «Der Frost macht dem Nüsslisalat an sich nichts.» Das einzige Problem sei, dass man den Salat gefroren nicht schneiden könne. Dann bleibt er länger im Boden – und kürzer im Hoflädeli.

Der Winzer setzt nun auf wetterresistente Sorten

Ähnlich tönt es bei Martin Wullschleger aus Zofingen. Der Weinbauer wäre sogar froh, wenn es noch kälter würde. «Frost im Februar schadet den Reben nicht», sagt der Weinbauer. Er verhindere, dass sie zu früh treiben. Zu früh heisst, vor den traditionellen Eisheiligen im April. Diese bringen den letzten Frost und könnten den Ertrag schröpfen. Wullschleger zeigt auf seinem Smartphone Bilder von den Frostschäden im vergangenen Jahr. Man sieht Äste, die abgehackten Daumen gleichen.

Frostschäden betrafen letztes Jahr auch die Obstbauern. «Besonders Kernobstbäume waren von Wetterproblemen betroffen», sagt Katrina Ritter vom Berner Bauernverband. Etliche Obstbauern beklagten Ernteausfälle bei Äpfeln, Birnen und Kirschen. «Wenn es früh im Jahr schon sehr warm ist, blühen die Obstbäume zu früh», sagt Ritter. «Dann kommt im April der Frost zurück und die Blüten erfrieren.»

Deshalb verwendet Weinbauer Wullschleger jetzt wetterresistente Sorten. Bei Frostschäden wachsen deren Triebe problemlos nach. So ist der Ernteerfolg weniger abhängig vom Wetter. Einzig der Mehltau bereitet ihm Sorgen. «Feucht und warm», müsse es sein, damit sich die Rebenkrankheit ausbreitet, sagt Wullschleger. «Der milde Winter begünstigt Mehltau.»

Auch bei Gemüsebauer Schär wäre Väterchen Frost herzlich willkommen. Dann gäbe es im Frühling zur Spargelzeit weniger Spargelfliegen. Deren Larven nisten jetzt im Boden, «der Bodenfrost würde viele abtöten», sagt Schär. «Wir haben tendenziell mehr Schädlinge als in den vorherigen Jahren», sagt Schär.

Das Mehr an Schädlingen könnte auch für andere Bauern eine Herausforderung werden. «In milden Wintern überleben mehr Schädlinge», sagt Katrina Ritter vom Bauernverband. Dadurch müssten mehr Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Aber, so Ritter: «Zum Glück überleben auch mehr Nützlinge.»

Im Kampf gegen die Schädlinge verbündete sich Matthias Schär daher mit Schlupfwespen. Damit diese sich auf seinem Acker zuhause fühlen, pflanzt Schär Grünstreifen mit Blumen an. Die Schlupfwespe ist der natürliche Feind der Spargelfliege. Der Schlachtplan «Nützlinge gezielt fördern ist eine Möglichkeit, auf mehr Pflanzenschutzmittel zu verzichten.

Ob Schädlinge, Krankheiten oder Väterchen Frost, Martin Wullschleger erwartet diesen Herbst eine ertragreiche Ernte. Zum ersten Mal dürften seine Rebstöcke sogar den vollen Ertrag bringen – 4500 Liter Wein. Na dann zum Wohl!

 

Text & Bild: 

Rachel Hämmerli (24) absolviert die Ringier Journalistenschule, ist gelernte Köchin und arbeitet als Praktikantin beim SonntagsBLICK.

Sven Ziegler (21) absolviert die Ringier-Journalistenschule und schreibt für die BLICK-Sportredaktion.

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