In Langenthal stellt sich am Sonntag die Grundsatzfrage

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Das neue Eisstadion in Langenthal soll im Gebiet Hard entstehen. (Bild: ryl)

Überall in Langenthal hängen Aufkleber, sind Plakate ausgestellt und wird Werbung gemacht: Die Stadtbevölkerung soll sich zum Eissport bekennen und bei der Abstimmung am Sonntag dessen Zukunft mit einem Ja sichern. Originell sind die SCL-Fans aufgetreten, für die klar ist: «Wär nid Jo stimmt, isch e Outner. Bei einem Nein müsste unser 74-jähriger, hier verwurzelter Traditionsverein die Heimspiele beim Derbyrivalen austragen.» Soweit soll es wirklich nicht kommen, denn «Langenthal ohni Stadion isch wie Fasnacht mit Corona» – einfach nicht richtig.

Doch besteht tatsächlich eine solche Gefahr, sollte die Vorlage abgelehnt werden? Fakt ist: Nach dem Abstimmungsnein für eine verbesserte Unterstützung des SC-Langenthal-Nachwuchs vom letzten Monat geistert die Sorge im Oberaargau umher, dass der Eissport am Sonntag zu Grabe getragen wird.

Planung für zwei Millionen Franken
Dabei entscheidet das Volk noch nicht, ob es ein neues Stadion will, sondern nur, ob es die Planung lancieren und die finanziellen Mittel dafür sprechen will. Letztlich wird ein Planungskredit von zwei Millionen Franken geschnürt, der für drei Teilgebiete gebraucht wird. Einerseits wird sichergestellt, dass der Schoren weiterhin auf Swiss-League-Niveau betrieben werden kann und entsprechend saniert wird. Zudem soll Geld verwendet werden, um mögliche Finanzierungs- und Organisationsmodelle einer neuen Arena zu prüfen und zuletzt wird fast eine Million Franken ausgegeben, um ein potenzielles Stadion im Gebiet Hard zu planen.

Dies hat bereits hohe Wellen geworfen, obwohl offiziell keine gruppierte Gegnerschaft vorhanden ist. Alt-Stadtrat Beat Sterchi hat als Einzelperson die von der Politik getroffene Standortwahl massiv kritisiert, weil Grundwasserschutzzonen den Stadionbau in diesem Gebiet sowieso verhindern würden. Andere wiederum betonen, dass sich die Schutzzonen nicht über die komplette Zone erstrecken und der Stadionbau dort durchaus möglich wäre. So oder so dürfte das Volk aber nicht explizit darüber abstimmen, ob es ein neues Leuchtturmprojekt im Ort haben will, sondern ob der Eissport in Langenthal überhaupt noch erwünscht ist. Es stellt sich in Langenthal folglich «nur» die Grundsatzfrage.

Unterschätzt wird dabei oft, dass es in dieser Abstimmung aber nicht nur um den SC Langenthal geht. Stefan Heilmann ist Präsident vom 140 Mitglieder starken Curling Club Langenthal und gibt unumwunden zu, dass für den Verein die Abstimmung von existenzieller Bedeutung ist. «Angesichts der Ist-Situation würden wir lieber früher als später eine neue Curlinghalle beziehen», sagt er und weist darauf hin, dass man sich beim Curling Club bislang keinen Plan B zurechtgelegt habe, sollte die Abstimmung negativ ausfallen.

Gleiches gilt auch für den 70-jährigen Eislaufclub. Präsident Werner Ingold hofft beim Bau einer neuen Arena auch auf eine zweite Eisfläche, die dem Verein neue Chancen bietet. «Die Nachfrage nach Eis ist ständig gestiegen, weshalb es für die Kunsteisbahn schwierig ist, überhaupt Eiszeit anzubieten.» Mit einem neuen Stadion soll dem Club neues Leben eingehaucht werden, ein Nein hingegen hätte fatale Folgen. «Damit würden wir ein wertvolles Stück Langenthaler Geschichte einfach so beenden. Das darf nicht sein», plädiert er für ein Ja.

Bis 2031 muss der Schoren zurückgebaut sein
Eines bleibt Fakt: Der Baurechtsvertrag im Schoren läuft im Jahr 2031 aus, bis dann muss der «Schoren» zurückgebaut sein. Dass am jetzigen Standort doch noch saniert wird, sehen viele als einzige Chance, den Eissport in Langenthal am Leben zu erhalten. Die Landbesitzerin, die Burgergemeinde Schoren, will aber keine Zugeständnisse machen, die der SCL im Falle einer Sanierung als dringend nötig empfindet. Dazu gehört vor allem die Vergrösserung des Parkplatzes vor dem Stadion und eine geringfügige Waldrodung, die es ermöglichen würde, das Stadion auf 5000 Plätze zu vergrössern.

Spielt der SC Langenthal also bald in Olten? Davon ist nicht auszugehen, obwohl bei einem Nein Alternativen fehlen. Die oft postulierte Ausweichmöglichkeit Huttwil genügt nicht einmal annähernd den Auflagen der Liga und der Gebäudeschutzversicherung, weshalb ohne teure Sanierung keine Zukunft auf Swiss-League-Niveau möglich ist. Während Langenthal über beträchtliche Eigenkapitalreserven verfügt, dürfte in Huttwil bereits die Finanzierung eines solchen Projekts Probleme bereiten. Am Sonntag zeigt sich deshalb auch, ob der EHC Olten der grösste Rivale des SC Langenthals ist, oder nicht.

Saisonabbruch raubt dem SCL eine Chance 
Für Langenthals Stürmer Dario Kummer ist klar: Die Swiss-League-Halbfinals gegen Kloten wären richtig spannend geworden. «Niemand hatte von uns den Sieg gegen Olten erwartet. Als uns dies gelang, waren wir in einem richtig guten Lauf.» Wie weit dieser den SCL noch getragen hätte, weiss niemand. Am Donnerstag wurde die Eishockeysaison abgebrochen, auch der SCL darf nicht weiterkämpfen und seinen Titel verteidigen. Ob er im nächsten Jahr einen neuen Anlauf nehmen kann oder ob gar Kloten als Qualifikationssieger zum Meister gekürt wird, wird sich zeigen. Am Donnerstag war dies aber noch zweitrangig, in erster Linie war die Enttäuschung gross. «Wir erhalten keine zweite Chance zu zeigen, wie weit wir es mit exakt dieser Mannschaft gebracht hätten», sagt Trainer Jeff Campbell. Man müsse das grosse, ganze Bild anschauen, dennoch sei im Team aktuell auch Frustration zugegen. «Wir spielten zuletzt unser bestes Eishockey. Die Jungs haben Charakter gezeigt und hätten die Halbfinals verdient.» Immerhin finanziell dürfte sich der Schaden in Grenzen halten, weil der SCL nur mit dem Viertelfinal budgetierte. «Wir kommen wahrscheinlich mit einem blauen Auge davon», sagt Peter Zulauf, Leiter der Geschäftsführung. «Zwei gut besuchte Halbfinals hätten unserer Rechnung aber gut getan», sagt er weiter. Sportlich gesehen schmerzt die Situation weit mehr, weil neben der ersten Mannschaft auch weitere Teams nach grossen Zielen strebten. So waren mit den Damen, der U15 und der U20 drei weitere Teams im Kampf um einen Aufstieg involviert. Etwas Positives konnte Dario Kummer der ganzen Situation dann doch noch abgewinnen. «Wir hatten tolle Erlebnisse zum Abschluss der Saison.» Dies sei ein Trost für das abrupte Ende dieser Saison.

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