Betroffene Landbesitzer zeigen wenig Verständnis für Auszonung

750_0008_15798275_130320_luz_auszonungen_reiden0309_ben.jpg
Das grosse Grundstück am Dorfrand Langnaus (rechts die Reiderstrasse) gehört der Ringier-Personalvorsorgestiftung. Bild: Marc Benedetti

Die Gemeinde Reiden muss bis 2023 insgesamt 3,6 Hektaren eingezontes Bauland wieder auszonen. Dies sieht die Rückzonungsstrategie des Kantons Luzern vor (das ZT berichtete). 31 Grundstücke oder Teilgrundstücke sind betroffen. Für die Parzellen gilt bereits ein Baustopp. Denn der Gemeinderat von Reiden hat eine sogenannte Planungszone erlassen. Diese lag vier Wochen lang bei der Gemeindeverwaltung öffentlich auf; die Auflagefrist ist am 2. März abgelaufen.

«Gegen die Planungszone gab es zwölf Einsprachen aus allen drei Dorfteilen», sagt Gemeinderat Willi Zürcher auf Anfrage. Sie haben keine aufschiebende Wirkung. Die Einsprachen würden nun im Ressort Bau und Infrastruktur behandelt und kämen dann in den Gemeinderat. «Wer danach mit einem allfälligen Entscheid nicht einverstanden ist, müsste an die nächste Instanz, ans Kantonsgericht, gelangen», sagt der Bauvorstand Reidens. Sowohl bei Entscheidungen um die Planungszone wie auch später bei der Revision der Ortsplanung sei aufgrund der Ressourcen beim Kanton nicht mit schnellen Entscheidungen zu rechnen.

Kritik der Besitzer am Kanton Luzern

Die Gemeinde hat alle betroffenen Grundeigentümer im Februar zu einer Orientierung eingeladen. «Das Treffen verlief sachlich», schildert Willi Zürcher. Erfreut sei natürlich niemand. In der Kritik stehe teilweise der Kanton. «Die Ziele des Raumplanungsgesetzes des Bundes beissen sich auch mit dem Fusionsgedanken, dass sich jeder Ortsteil weiterentwickeln soll.»

Rein rechnerisch müsste der Kanton Luzern in Reiden 4,7 Hektaren auszonen. Die bezeichneten 3,6 Hektaren wurden vom Kanton abschliessend nach Kriterien festgelegt. «Der Kanton bezeichnet weitere Flächen als momentan nicht verhältnismässig», erklärt der Bauvorstand. Solche Parzellen wurden in der Stellungnahme des Kantons festgehalten und die Betroffenen sollen innerhalb einer gewissen Zeit auf ihrem Land ein Projekt realisieren. Ansonsten könnten diese Grundstücke als Nächstes ausgezont werden. Willi Zürcher räumt ein, dass dieser Teil der Rückzonungsstrategie paradoxerweise auch zu mehr, statt weniger, Bautätigkeit in den nächsten Jahren führen könnte. «Sollte der Bedarf nach Wohnungen da sein und angesichts des momentanen Niedrigzinsniveaus ist das sicher eine Gefahr.» Parallel zum Verfahren für die Planungszone läuft das Zonenplan-Verfahren für die Auszonungen. 2020 sollen laut Zeitplan des Gemeinderats Reiden zuerst die Einsprachen zu den Planungszonen und danach das Mitwirkungsverfahren durchgeführt werden. Bis der Vorprüfungsbericht des Kantons dazu vorliegt, rechnet Reiden aus Erfahrung mit anderen Gemeinden mit rund einem Jahr. «Das hat mit den Ressourcen des Kantons zu tun», sagt Willi Zürcher.

Sobald Klarheit herrscht, welche Grundstücke definitiv ausgezont werden sollen, will der Gemeinderat die Rückzonungen in die Landwirtschaftszone im Jahr 2021 an eine Gemeindeversammlung bringen. Aufgrund von Erfahrungen der letzten Revision will der Gemeinderat die Ortsplanungsrevision diesmal thematisch staffeln und aufteilen. «Wir haben klar gesagt, dass wir keine abendfüllende oder zweitägige Gemeindeversammlung mehr machen wollen.» Danach werden laut dem Zeitplan die Rückzonungen in die Grünzone und als letztes das Bau- und Zonenreglement in den Jahren 2022 und 2023 an einer Gemeindeversammlung behandelt werden. Die angesprochenen Rückzonungen müssen durch eine Gemeindeversammlung genehmigt oder abgelehnt werden. Zürcher: «Voraussehen lässt sich das nicht.»

Ortsplanungsrevision in Reiden kompliziert

Zur von der IG Reiden kürzlich an ihrem Forum geäusserten Kritik, Reiden sei eine der letzten Gemeinden der Region, die ihre Ortsplanungsrevision anpacke, sagt der FDP-Gemeinderat: «Reiden lässt sich nicht mit Dagmersellen, Pfaffnau oder Wikon vergleichen. Das sind keine Rückzonungsgemeinden wie Reiden.» Zuerst müsse Reiden jetzt seine «Hausaufgaben machen». Will heissen: die Rückzonungen behandeln. «Unser Ziel ist es, eine Blockade zu verhindern.»

Reiden sei 2013 eine der letzten Gemeinden gewesen, welche ihre Ortsplanungsrevision abgeschlossen habe. «Diesmal werden wir wahrscheinlich auch nicht eine der ersten sein», so der Vizepräsident des Gemeinderats.

Die Ringier-PK hat rekurriert

Einer der von den Auszonungen betroffenen Grundeigentümer ist die Personalvorsorgestiftung der Ringier Gruppe aus Zofingen. Sie besitzt ein 17 722 Quadratmeter grosses Grundstück am nordöstlichen Dorfrand von Langnau; der Flurname dort lautet Frobe. In den 1990er-Jahren realisierte die Pensionskasse zwei Mehrfamilienhäuser am Mattenweg. Dieser begrenzt das Grundstück im Süden. Weitere Häuser waren geplant, wurden aber nie realisiert. Nun soll die unbebaute Teilparzelle in die Landwirtschaft ausgezont werden. Sie liegt in der von Reiden erlassenen und öffentlich aufgelegten Planungszone. «Wir haben Einsprache gemacht», sagt der Geschäftsleiter der Ringier-Personalvorsorgestiftung Antonio Sacco auf Anfrage. «Wir haben kein konkretes Bauprojekt dort am Laufen», fügt er hinzu. Direkt neben dem Land der Pensionskasse liegt ein Bauernhof, der laut dem Grundbuch Christoph Ringier privat gehört. (ben)

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.
Keine Kommentare vorhanden
Heute auf zofingertagblatt.ch
Frage des Tages
Marktplatz
regiostellen.ch
Blum Innenausbau AG
Schreiner-Monteur, Mitarbeiter, Dagmersellen
G.+W. Wolf AG
Polymechaniker, Mitarbeiter, Langendorf
Hotel Restaurant-Adelboden
Service-Aushilfe, Mitarbeiter,
Hotel Restaurant-Adelboden
Service-Aushilfe, Mitarbeiter,
Hotel Restaurant-Adelboden
Service-Aushilfe, Mitarbeiter,
Home Instead
Teilzeitselle im Stundenlohn, Mitarbeiter,
regioimmo.ch
Abo-Service

Normal-Abo (e-Paper/Digital inkl.)

Schnupper-Abo / Probe-Abo

Digital-Abo

Leserangebote
Partner