Gesundheitsminister Berset reagiert auf Kritik am Krisenmanagement des Bundes

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Bundesrat Berset am Freitag vor den Medien in Bern. © Alessandro Della Valle / KEYSTONE

Knapp drei Wochen nach dem ersten bekannt gewordenen Corona-Fall in der Schweiz ist die Bewegungsfreiheit eingeschränkt wie noch nie. Dafür zeigt der Grossteil der Bevölkerung Verständnis. Aber es gibt auch Vorbehalte. Bundesrat Alain Berset zeigt dafür Verständnis. Gleichzeitig stellt der Gesundheitsminister im Interview mit der «NZZ am Sonntag» aber auch klar: «Es gibt keine magische Massnahme, die das Problem ein für alle Mal löst.»

Vielmehr sei die Eindämmung des neuartigen Corona-Virus «ein Prozess, in dem wir laufend dazulernen». Das gilt laut Berset für alle, auch für den Bundesrat und die Bundesverwaltung: «Wir sagen, was wir wissen und was wir warum tun – nicht mehr und nicht weniger. Nur so kann Vertrauen entstehen», analysiert Berset.

«Die Geschwindigkeit war enorm»

Einer der Kritikpunkte aus der Bevölkerung und von Wissenschaftern lautet: Der Bundesrat agiere in der Corona-Krise zu zögerlich. Dem hält Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) im «SonntagsBlick» entgegen: Die Anzahl Erkrankter sei nicht das einzige Kriterium, das der Bund bei seinen Entscheiden berücksichtigen müsse. «Wir müssen uns auch überlegen, welche Massnahmen die Bevölkerung akzeptieren wird.»

Reagiere der Staat «zu früh, setzen die Leute die Massnahmen nicht um, weil sie den Sinn dahinter nicht sehen.» Zudem, so Daniel Koch im «SonntagsBlick»-Interview, habe niemand vorausgesehen, wie schnell und dramatisch sich die Lage in Italien entwickeln würde. «Die Geschwindigkeit war enorm.»

«Hocken 25 Personen zu nahe, bringt das auch nichts.»

Was Gesundheitsminister Berset unter laufendem Dazulernen versteht, erläutert er in der «NZZ am Sonntag» am Beispiel Volksschulen: «Wir haben lange gesagt, deren Schliessungen sei im aktuellen Moment nicht zielführend. Nun reagieren wir auf neue Erkenntnisse.» So habe die Schliessung von Schulen erwiesenermassen negative wie positive Punkte. Inzwischen überwögen aber letztere, was eine Neubeurteilung der Lage zur Folge gehabt habe. Berset: «Natürlich bleiben wir dann nicht stur.» Krisenmanagement sei eben «keine exakte Wissenschaft».

Daniel Koch vom BAG geht im «SonntagsBlick» noch auf eine andere, zuletzt viel kritisierte Entscheidung ein: Ob nun Anlässe ab 25, 50, 100, 500 oder 1000 Personen verboten werden sollen. «Es geht nicht darum, zu zählen, wie viele Personen sich in einem Raum aufhalten – sondern dass sie sich nicht anstecken.» Und der BAG-Vertreter sagt: «Wenn 25 Personen zu nahe aufeinanderhocken, bringt das auch nichts.» Darum appelliere der Bund auch immer wieder daran, dass sich die Leute wüssten wie sich zu verhalten: «Dass man Distanz wahren und die Hygienemassnahmen einhalten soll.»

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B. Kerzenmacher
schrieb am 15.03.2020 21:03
Jetzt geht es vor allem darum, die Menschen, die unter erschwerten Bedingungen noch für das Gemeinwohl arbeiten, zu unterstützen. Die Regierung muss dafür Gelder bereitstellen. Dieses Geld muss an diejenigen fliessen, die aufgrund Ihrer Aufgaben in der Gesellschaft gezwungen sind, das verbleibende öffentliche Leben und die Versorgung der Bevölkerung mit allem Notwendigen aufrecht zu erhalten.
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