Aufrüstung unter Hochdruck: So wappnen sich Schweizer Spitäler gegen den Kollaps

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Der Eingangsbereich der Notaufnahme mit seiner Triage-Zone im Kantonspital Locarno. © Samuel Golay/Ti-Pres/Keystone

Dass der Bundesrat das öffentliche Leben in der Schweiz wie nie zuvor in Friedenszeiten eingeschränkt hat, dient vor allem dem Ziel, die Ansteckungskurve möglichst flach zu halten. Zeit zu gewinnen. Die Spitäler zu entlasten. Und so Menschenleben zu retten.

Für die meisten Menschen hat Covid-19 – die Krankheit, die das neuartige Corona-Virus verursacht – keine ernsthaften Folgen. Doch rund jeder fünfte Infizierte dürfte laut Experten ernst oder schwer erkranken. Manche von ihnen benötigen wochenlange Intensivpflege mit künstlicher Beatmung.

Unter Hochdruck rüsten sich die Spitäler für eine Krisensituation. Nicht dringende Operationen sollen aufgeschoben, Verlegungen in die Reha vorgezogen werden. Die Behörden haben die Spitäler angewiesen, laufend ihre Intensivpflegeplätze zu melden.

Namentlich die fünf Universitätskliniken arbeiten in ihrer Planung mit verschiedenen Szenarien, um sich auf einen weiteren Anstieg der Corona-Fälle so gut wie möglich vorzubereiten. Die Mehrheit von ihnen ist derzeit noch in der Lage, den Betrieb mit dem regulären Personal aufrechtzuerhalten. Allerdings sind teilweise bereits Massnahmen wie der Verzicht auf Weiterbildungen ergriffen worden, um die Präsenzzeit der Angestellten zu erhöhen. In einigen Spitälern wurden die Angestellten gewisser Abteilungen gebeten, auf geplante Ferien zu verzichten.

Studenten und Pensionierte helfen aus

Das Universitätsspital Lausanne hat wegen der Corona-Epidemie bereits vor dem Wochenende einen Ferienstopp verhängt. Bis mindestens Ende April müssen Mitarbeiter auf ihre Ferientage verzichten. Diese Massnahme sei notwendig, um die Pflege der Patienten gewährleisten zu können, erklärte die Leitung der Waadtländer Klinik.

Andere grössere Spitäler haben bisher darauf verzichtet, einen flächendeckenden Ferienstopp für das Klinikpersonal zu verhängen, wie eine gestern durchgeführte Umfrage von CH Media zeigt. Bisher sei dies nicht notwendig gewesen, sagen die Verantwortlichen unisono. Exemplarisch erklärt ein Sprecher des Kantonsspitals Baden: Man beurteile die Lage laufend und werde auch einen Ferienstopp ins Auge fassen, sobald man das zu erwartende höhere Patientenaufkommen bewältigen müsse. Dass eine entsprechende Massnahme für Ärzteschaft und Pflegekräfte noch angeordnet wird, scheint vielerorts jedoch nur eine Frage der Zeit.

«Der Betrieb kann aktuell mit dem regulären Personal bestritten werden», sagt eine Sprecherin des Universitätsspitals Zürich. Ähnlich klingt es beim Berner Inselspital. «Unsere Einschätzung kann sich jedoch jederzeit ändern», heisst es. Keine Personalengpässe verzeichnet bisher auch das Universitätsspital Basel, wie dessen Sprecher bestätigt. «Natürlich kann es aber sein, dass aufgrund einer neuen Lagebeurteilung ein Ferienstopp ausgesprochen werden muss.» In manchen Abteilungen liefen ohnehin schon Absprachen, wer wann frei nehme. «Die Einsatzbereitschaft ist hoch», sagt der Sprecher. Nach der Absage der Fasnacht hätten Angestellte gar von sich aus angeboten, ihre Ferientage zurückzugeben.

In den Planungen der Kliniken spielen teilweise auch Medizinstudenten im letzten Studienjahr eine Rolle. Sie haben bereits in Spitälern gearbeitet und bringen praktische Erfahrung mit. Die Medizinstudenten Leonie Plastina und Nikola Rakic haben in Zürich betroffene Institute des Universitätsspitals angeschrieben und ihre Hilfe angeboten. «Wir haben unter uns Studentinnen und Studenten schnell gemerkt, dass in dieser aussergewöhnlichen Lage viele helfen wollen», sagt Plastina. Ab dieser Woche sollten die ersten Studenten bereitstehen. Sie werden für ihren Einsatz geschult.

Vielerorts befasst man sich zudem mit der Frage, welche Hilfsdienste pensionierte Ärzte und Pflegefachkräfte übernehmen könnten. Das Universitätsspital Basel hat per Stelleninserat nach Ärzten im Ruhestand gesucht. Hier gilt es aber allgemein zu bedenken, dass Pensionierte teilweise selbst zur Risikogruppe gehören.

Das Tessin hat derweil seine medizinische Versorgung neu organisiert. Das Kantonsspital von Locarno wurde zum Covid-19-Spital umgerüstet. Ab sofort werden alle Tessiner Corona-Patienten nur noch dort behandelt. Ähnlich im Kanton Basel-Landschaft: Zur Sicherstellung der Spitalversorgung hat die Kantonsregierung das Bruderholz-Spital an der Basler Stadtgrenze zur Spezialklinik für Corona erklärt.

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