Jetzt bloss kein Denunziantentum

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Falls Ihnen diese Kolumne regelmässig begegnet, wissen Sie, dass sie normalerweise auf der ersten Seite erscheint. Diese Woche musste sie weichen. Einer Anzeige, die wohl fast in allen Schweizer Zeitungen erscheint. Lanciert hat sie der Verband Schweizer Medien. Es ist ein Aufruf an alle Bewohnerinnen und Bewohner, gemeinsam die Ausgangssperre zu verhindern. Das geht nur, wenn wir uns alle an die neuen Massnahmen, die der Bundesrat gestern erlassen hat, halten. Zu Hause bleiben. Nie mehr als zu fünft zusammenstehen. Immer zwei Meter Abstand halten.

Was die deutsche Bundeskanzlerin ihren Landsleuten diese Woche eingeschärft hat, gilt uneingeschränkt für die Schweiz: «Seit dem Zweiten Weltkrieg gab es keine Herausforderung an unser Land mehr, bei der es so sehr auf gemeinsames solidarisches Handeln ankommt.»

Fast alle von uns stehen vor Herausforderungen, von denen wir nicht im Traum daran dachten, einmal damit konfrontiert zu sein. Fast alle hatten Pläne, die ein unsichtbarer Gegner zunichtegemacht hat. Fast alle von uns haben so etwas noch nie erlebt. Ausser jene vielleicht, die noch den Zweiten Weltkrieg erlebt haben – genau so also, wie es Merkel formuliert hat.

Und wir merken auch: Wir alle sind unsicher. Und genervt. Zum Beispiel von Gruppen älterer oder junger Menschen, die es noch nicht begriffen haben. Ja, die Regeln müssen ausnahmslos für alle gelten. Es darf jetzt aber auch nicht ein Denunziantentum um sich greifen, bei dem auf andere gezeigt wird.

Der Bundesrat hat in der Krise an einen tief verankerten, demokratischen Reflex angeknüpft: Das Volk ist es, muss es sein, das die freiheitliche Ordnung verteidigt. Diese Ordnung verteidigen wir durch alle Böden hindurch; jetzt sind dazu Kröten nötig, die wir kaum schlucken können. Aber wir müssen. Also tun wirs.

Und man muss es wiederholen: Der Bundesrat und alle anderen, die diese Krise jetzt an vorderster Front meistern, haben ihren Job gut gemacht. Analyse muss sein. Aber für überzogene Detailkritik und Lobby-Forderungen ist jetzt der falsche Zeitpunkt. Der Bundesrat hat Hilfspakete angekündigt, und er wird seine Versprechen halten.

Und schliesslich: Die Welt geht nicht unter. Normalität ist auch in einer Welt möglich, in der manche Regeln vorübergehend ausser Kraft gesetzt sind. Normalität, die sich entdecken lässt – auch wenn es nur in den eigenen vier Wänden ist.

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