Das Fermi-Problem und die Coiffeure

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Der Stillstand unserer Wirtschaft trifft alle Unternehmen – die einen früher, die anderen später. Zu den früh betroffenen gehören Restaurants, Coiffeure und Gärtnereien. (Gemüse-) Setzlinge zu bekommen ist nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Die beliebten Frühlingsmärkte mit ihren Specie-Rara-Produkten finden nicht statt. Garten-Center sind zu und auch den Grossverteilern ist der Verkauf von Gemüsesetzlingen verboten. Für die Produzenten der Setzlinge eine Katastrophe.

Dass der Staat den betroffenen Angestellten und auch Unternehmern für die Finanzierung ihres privaten Haushalts mit Entschädigungen hilft, ist sozialpolitisch wichtig. Zudem bürgt er für Darlehen, welche die Banken sprechen. Das ist ein gut aufgegleistes Prozedere. Denn die Banken sind nicht nur Kreditgeberinnen, sondern wirken auch als Filter. Sie kennen die Firmen, welche auch ohne Corona in Schwierigkeiten stecken. Denen Geld geben, schiebt nur Konkurse auf und verzerrt den Markt.

Coiffeur-Geschäfte sind in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen. Darunter viele Billigstanbieter und Frauen, die in den heimischen vier Wänden Haare schneiden, legen und färben – sogenannte Badewannen-Coiffeusen. Wie viele dieser Firmen haben keine Zukunft.

Ich weiss es nicht, kenne aber das Instrument des Fermi-Problems. Enrico Fermi war ein italienischer Kernphysiker und Nobelpreisträger. Ein Fermi-Problem liegt dann vor, wenn man für dessen Abschätzung nahezu keine Daten hat. Das klassische Beispiel für ein Fermi-Problem ist die Frage nach der Zahl der Klavierstimmer in einer Region.

Der Lösungsweg? Raten, wie viele Haushalte es in der Region gibt. Wie viele könnten ein Klavier besitzen und wie oft muss dieses gestimmt werden? Wie viele Klaviere kann ein Stimmer pro Tag justieren? Für jede der Frage kennt man die genaue Zahl nicht – aber die Summe der Ungenauigkeiten führt zu verblüffenden Näherungswerten. Eine Methode, die man auch zur Ermittlung der Zahl benötigter Coiffeure anwenden könnte.

Was bereits feststeht: Für sie gibt es keinen Nachholbedarf. Nach dem Lockdown kehren die Kundinnen und Kunden lediglich wieder in ihre normale Haarschnitt-Kadenz zurück. Oder schlimmer: Schneiden sich die Haare weiterhin selber. Ausgerechnet einzelne Betriebe der Coiffeur-Branche selbst liefern im Internet Anleitungen für einen homemade «Notfall-Cut».

Der Newsletter einer Beiz, in der wir ab und zu waren: «Helfen sie uns, damit wir finanziell über die Runden kommen.» Das Angebot: Für 100 Franken gibt es einen Gutschein, mit dem man nach Corona für 110 Franken konsumieren darf. Was hier gemacht wird, ist der Versuch, das Problem der Insolvenz auf die Zeit der Gutscheineinlösungen zu vertagen. Und auch hier: Der Nachholbedarf ist gering.

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Frage

H. Kohler
schrieb am 30.03.2020 10:03
Es gibt auch Journalisten, deren Schreiberei eigentlich überflüssig ist - finden Sie nicht, Herr Kirchhofer?
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