Coronakrise setzt den Grosshandelspreis für Strom unter Druck

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Homeoffice steigert den Stromverbrauch. © KEY

Seit 2017 ist der Grosshandelspreis für Strom deutlich gestiegen. Etwa seit September 2019 sinkt er wieder. Allein der coronabedingte Rückgang der letzten Wochen beträgt rund 20 Prozent. Aktuell kostet Strom im Grosshandel in der Schweiz noch rund 40 Franken pro Megawattstunde.

Deshalb die Frage an Markus Blättler, Chef von SWL Energie AG in Lenzburg und Präsident des Verbandes Aargauischer Energieversorger: Sinken als kleiner Trost bald die Stromtarife? Zu erwarten sei für die Kleinverbraucher derzeit eine geringe Senkung per 1.Januar (der Strompreis wird jährlich angepasst), aber nur eine geringe, sagt Blättler vorsichtig. Die Grossverbraucher spürten dies dagegen nur sehr verzögert, da mit den meisten mehrjährige Verträge bestünden.

Der Grund für Blättlers Vorsicht ist die Einkaufspolitik der Energieversorger. So wie viele Hausbesitzer mehrere Hypotheken mit verschiedenen Laufzeiten haben, kaufen die Versorger den Strom zum Voraus und tranchenweise ein, um zwischenzeitlich höhere Preise zu glätten. Für die Endverbraucher ergibt sich ein Mischpreis. Ein Energieversorger, der sich jetzt mit einer Tranche eindeckt, kaufe günstig, bestätigt Blättler: «Klar schlägt jetzt zu, wer kann.» Es sei aber auch denkbar, dass der Preis noch mehr unter Druck kommt, wenn der Konsum in der Krise weiter zurückgeht, der Absatz der Firmen stockt, und die Produktion von Waren weiter zurückgeht.

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Homeoffice steigert den Stromverbrauch

Interessant ist, wie sich der Stromverbrauch seit Beginn der Coronakrise entwickelt. Er sank in der ersten Woche um bis 10 Prozent. Im Gebiet der SWL Energie AG waren es acht Prozent. Inzwischen steigt dort der Verbrauch wieder, das Minus beträgt noch 4 Prozent. Warum? «Viele arbeiten jetzt nicht mehr oder im Homeoffice, das Pendeln fällt weg», sagt Blättler: «Statt in Zürich brauchen sie den Strom jetzt hier, für den Computer, um daheim zu kochen usw.

Mittelfristig zeigt sich, ob es nur eine «Delle» ist

Im Zentrum der Bemühungen stehe gerade jetzt vor allem die sichere Stromversorgung unter strikter Einhaltung der Schutzmassnahmen für alle Mitarbeitenden, sagt Hubert Zimmermann, Chef der AEW Energie AG. Der Grosshandelspreis sei im Zuge der Coronakrise um gut 20 Prozent gesunken. Das habe «Einfluss auf die im Strompreis enthaltene Komponente Energie, nicht aber auf Netz und Abgaben». Ob der Grosshandelspreis auf dem aktuellen Niveau bleibt oder ob es sich nur um eine «Delle» handelt, werde sich erst mittel- bis langfristig zeigen und hänge mit der wirtschaftlichen Entwicklung nach der Krise zusammen, so Zimmermann. Für die AEW als Stromproduzentin sei ein tieferer Preis nicht attraktiv. Jedoch sichere man sich «in der Regel gestaffelt für drei Jahre im Voraus ab», sagt Zimmermann.

Zu früh für eine Prognose ist es auch für den Chef der Eniwa AG (Aarau), Hans-Kaspar Scherrer. Eniwa verfüge über ein breites Produktionsportfolio. Diese Anlagen decken aktuell rund ein Drittel der gelieferten Energiemenge ab. Auch deshalb könne vom aktuellen Marktpreis nicht einfach der Endkundenpreis abgeleitet werden. Scherrer: «Während zum Beispiel die eingekaufte Energie zu 100 Prozent bezogen und auch vergütet werden muss, kann der Endkunde dann Energie beziehen, wenn er Energie benötigt. Er hat also ein ganz anderes Verbrauchsprofil als der Strom, der als sogenannte Bandenergie am Grosshandelsmarkt beschafft wird.» Damit die Energie für den Endkunden genau dann in ausreichender Menge zur Verfügung steht, brauche es also noch zusätzliche Ausgleichs- und Spitzenenergie. Zudem sei der Strombezug im Winter etwa doppelt so hoch wie im Sommer.

Gas für Einfamilienhaus 220 Franken günstiger

Der Gaspreis bewegt sich schon länger nach unten. Eniwa beispielsweise hat eben zum dritten Mal in Folge (und rückwirkend auf 1.Januar 2020) auf Grund gesunkener Beschaffungskosten eine Preissenkung für Erdgas/Biogas angekündigt. Im Vergleich zu Anfang 2019 bedeute dies für ein durchschnittliches Einfamilienhaus (Bezug von 20'000kWh) eine Ersparnis von rund 220 Franken pro Jahr (exklusive Mehrwertsteuer).

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