Felix Schönle: «Private beliefern wir nicht, das würde uns absolut überfordern»

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Eine chirurgische Gesichtsmaske, wie sie bald in Rothrist hergestellt werden soll. (Bild: Shutterstock)

Hygienemasken sind in der Schweiz nach wie vor Mangelware – teilweise werden exorbitante Preise bezahlt. Felix Schönle, Inhaber und CEO der Wernli AG, hat vor einigen Wochen angekündigt, in Rothrist so schnell wie möglich solche Masken in grossen Mengen produzieren zu wollen. Die ersten Maschinen aus China sind inzwischen unterwegs, und schon am Wochenende soll die erste Maske vom Band laufen, sagt Schönle im Interview mit dem Zofinger Tagblatt.

Herr Schönle, Sie haben angekündigt, in Rothrist bald chirurgische Gesichtsmasken zu produzieren. Wo steht das Projekt?

Felix Schönle: Wir haben gesamthaft sechs Maschinen bestellt. Die erste Maschine soll heute per Luftfracht in Amsterdam eintreffen, dort geht sie per LKW nach Zürich. Wir erwarten, dass sie spätestens am Donnerstag in Rothrist eintrifft. Weitere drei Maschinen sollen am Donnerstag in Zürich per Flieger ankommen und einen Tag später bei uns sein. Bei Maschine Nummer 5 haben wir den Flug noch nicht; wenn alles gut läuft, wird sie Ende Woche oder Anfang nächster Woche geliefert. Die Maschine Nummer sechs haben wir später bestellt; es wird noch zwei, drei Wochen dauern, bis diese bei uns ist.

Wie gross sind diese Maschinen eigentlich – und wie lange dauert es, bis sie zusammengebaut sind?

Eine Maschine ist rund sieben Meter lang und beansprucht eine Fläche von rund 15 Quadratmetern. Man hat sie in China bereits einmal zusammengebaut und getestet; dann wurden sie wieder auseinandergenommen und in Kisten verpackt. Wir brauchen zwei bis drei Tage, um eine Maschine zum Laufen zu bringen.

Dann wird schon Anfang nächste Woche die erste Hygienemaske vom Band laufen?

Wir hoffen, dass wir mit der ersten Maschine schon übers Wochenende die ersten Masken produzieren können. Wir wollen sofort mit der Produktion beginnen.

Haben Sie genug Platz für alle Maschinen in Ihrem Betrieb?

Nein, wir bauen in der alten Rivella-Fabrik am Juraweg in Rothrist einen zweiten Produktionsstandort auf. Dort wollen wir die nächsten Monate in vier Schichten rund um die Uhr produzieren. Im Stammbetrieb wollen wir in drei Schichten produzieren, ausser am Wochenende. Insgesamt werden wir in der Maskenproduktion rund 80 Leute beschäftigen.

Ist das Material, das Sie zur Produktion brauchen, gut verfügbar?

Nein. Ich habe aber rechtzeitig bestellt, und wir haben genug Material, um zu starten und drei Wochen lang zu produzieren. Das Vlies für die Masken kommt aus Deutschland; die Ohrbändchen aus der Schweiz, Tschechien und China, die Nasenbügel kaufen wir ebenfalls in China ein.

Das künftige Tagesziel ist eine Produktion von 800'000 Hygienemasken – pro Tag.

Ja, falls alle sechs Maschinen laufen, können wir pro Tag voraussichtlich zwischen 750 000 und 800 000 Stück produzieren. Bestellungen haben wir sehr viele. In den nächsten drei Monaten sind wir bereits sehr gut ausgelastet.

Private können bei Ihnen aber nicht bestellen?

Nein, das würde uns absolut überfordern. Wir beliefern Spitäler und den Grosshandel, also diejenigen, die beispielsweise Apotheken oder Heime beliefern.

Was kostet am Schluss eine Hygienemaske aus Rothrist für die Einkäufer?

Aktuell liegen wir mit unseren Preisen in etwa auf dem halben Preis gegenüber einem Bezug in China. Wenn ich sehe, zu welchen Preisen Masken bei uns teilweise verkauft werden, dann muss ich sagen: Das ist ein Witz.

Sie haben sich verschiedentlich kritisch zur Unterstützung des Bundes geäussert. Warum?

Wir haben alles selbst organisiert, evaluiert und vorfinanziert – das ist auch gut so. Ich hatte mir anfänglich mehr Unterstützung durch den Bund gewünscht, beispielsweise in Form eines Darlehens oder beim Transport aus China, der zu einem grossen Problem wurde. Inzwischen muss ich mich aber korrigieren: Letzte Woche hatten wir nochmals Kontakt mit dem Bund; wir haben darauf hingewiesen, dass wir Maschinen haben, die am Flughafen stehen. Der Bund hat sich für uns eingesetzt und konnte die Lieferung beschleunigen. Man hat uns schnell und unbürokratisch unterstützt. In gewissen Bereichen werden ja Masken obligatorisch sein. Deshalb muss man in der aktuellen Situation auch gewährleisten, dass in der Schweiz Masken produziert werden, denn viele Länder haben Exportbeschränkungen erlassen.

Was machen Sie, wenn die Krise in einigen Monaten abebbt?

Im Moment kann man die nächsten vier, fünf Monate überblicken. Ich gehe davon aus, dass wir sicher bis Ende Jahr ausgelastet sind. Man wird ja auch die Lager wieder füllen wollen. Und ich habe von verschiedenen Kunden gehört, dass sie weiterhin bei uns beziehen wollen, also aus einheimischer Produktion, die bei der Versorgung in einer Krise einfach wesentlich sicherer ist.

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