Kantonsärztin Yvonne Hummel rechnet damit: Bald wird wieder Quarantäne verordnet

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«Es ist wichtig, dass die Bevölkerung weiterhin Abstand hält und die Hygienemassnahmen befolgt», sagt Yvonne Hummel. (Bild: Severin Bigler)

In den nächsten Wochen und Monaten wird der Lockdown schrittweise gelockert. Sobald die Fallzahlen ausreichend gesunken sind, werden die Kantone die einzelnen Corona-Fälle wieder identifizieren, Kontaktpersonen unter Quarantäne stellen und regelmässig kontaktieren, teilte der Bundesrat letzte Woche mit. Es ist eine Rückkehr zum Regime, das zu Beginn der Krise galt.

Damals war die Infektionskette noch bei jeder Ansteckung klar. Der Kantonsärztliche Dienst konnte zurückverfolgen, wo sich die Betroffenen angesteckt haben. Der Kanton Aargau hat am 6. März mit diesem Contact-Tracing aufgehört. Gründe für den Systemwechsel waren laut Kantonsärztin Yvonne Hummel der nicht mehr bewältigbare Aufwand sowie die fehlenden Testkapazitäten.

Nun soll das Contact-Tracing wieder eingeführt werden. Und zwar dann, wenn es schweizweit etwa 100 neue Infektionsfälle pro Tag gebe, sagte Bundesrat Alain Berset letzte Woche. Diese Zahl ist bald erreicht. Seit Montag haben sich in der Schweiz 119 Personen neu mit dem Corona-Virus angesteckt.

Contract-Tracing soll eine zweite Welle verhindern

Kantonsärztin Hummel weiss nicht genau, wann der Systemwechsel kommt: «Wir haben die gleichen Informationen wie die Öffentlichkeit.» Der Aargau bereite derzeit alles so vor, dass ein Contact-Tracing ab Montag möglich wäre, wenn die ersten Massnahmen gelockert werden. «Wir werden damit anfangen, wenn das Bundesamt für Gesundheit (BAG) eine entsprechende Empfehlung an die Kantonsärztlichen Dienste abgibt.»

Das Contact-Tracing sei im Zusammenhang mit den Lockerungsmassnahmen aber sehr wichtig, sagt sie. «Damit es trotz Lockerung nicht zu einem Anstieg der Fälle oder sogar zu einer zweiten Welle kommt, muss man die Personen, die sich mit dem Virus angesteckt haben und deren Umfeld wieder genauer anschauen.» Wichtig sei zudem, dass die Bevölkerung weiterhin strikt Abstand halte und die Hygienemassnahmen befolge.

Gehe man für einen Systemwechsel von den 100 Neuansteckungen pro Tag in der Schweiz aus, dann würde das Contact-Tracing im Aargau – gemessen an der Einwohnerzahl – bei etwa acht Neuansteckungen wieder eingeführt. Von dieser Zahl geht auch der Kantonsärztliche Dienst bei der Planung aus. «Aber natürlich sind es nur Annahmen. Wir planen mit acht Fällen, müssen aber auch überlegen, wie wir die Fälle zurückverfolgen können, wenn es 10 oder 20 Neuinfektionen pro Tag werden», sagt Hummel.

Im Aargau bewegen sich die Neuansteckungen im Moment in diesem Bereich. Inzwischen gibt es 1017 bestätigte Fälle (fünf mehr als am Montag). 43 Personen sind im Spital, davon müssen 18 auf der Intensivstation künstlich beatmet werden, zwei sind auf der Überwachungsstation. 29 Personen sind an den Folgen des Coronavirus gestorben (eine mehr als am Montag). Rund 680 Personen gelten als geheilt.

Bund will das Testwesen anpassen

Das Konzept für das Contact-Tracing stehe noch nicht im Detail, sagt Hummel. Klar ist, dass die Mitarbeitenden des Kantonsärztlichen Dienstes diese Aufgabe nicht alleine stemmen können. Ob neue Mitarbeitende für diese Aufgabe rekrutiert werden oder Mitarbeitende aus anderen Abteilungen der Verwaltung einspringen, sei noch nicht entschieden.

«Wir gehen heute davon aus, dass wir das Contact-Tracing ein paar Wochen oder vielleicht sogar wenige Monate aufrechterhalten müssen», sagt sie. Bezüglich der Rekrutierung werde es deshalb wohl unterschiedliche Phasen geben.

Eng mit der Wiedereinführung des Contact-Tracings verbunden ist das Testwesen. «Es müssen alle Personen mit Symptomen getestet werden, damit man im Fall eines positiven Tests entsprechende Massnahmen einleiten kann», sagt Hummel. Sie hatte sich bereits letzte Woche darüber gewundert, dass der Bund die Testkriterien nicht schon längst angepasst hat.

Die Medienstelle des BAG schreibt auf Anfrage, der Bund sei dabei, die Kriterien zu überprüfen – dies auch mit Blick auf die nächste Phase, wenn das Contact-Tracing wieder aufgenommen werde.

Keine flächendeckenden Tests in Aargauer Pflegeheimen

Der Kanton Zürich geht bei den Corona-Tests offensiver vor als der Aargau. Im Nachbarkanton werden alle Patienten, die in ein Spital eintreten, auf das Virus getestet. In Pflegeheimen werden alle Mitarbeitenden und Bewohner einer Abteilung getestet, sobald ein bestätigter Fall vorliegt. Der Kanton Zürich führe diese beiden Massnahmen im Rahmen von Studien durch, sagt Kantonsärztin Yvonne Hummel. Die Tests in den Spitälern hätten gezeigt, dass es bei Patientinnen ohne Symptome fast keine positiven Testresultate gab. «Deshalb kommt man wohl irgendwann zum Schluss, dass diese Tests nicht so sinnvoll sind, weil es enorm viele Tests braucht, um ganz wenige Fälle zu identifizieren», sagt sie.

Anders verhalte es sich bei den Zahlen aus den Alters- und Pflegeheimen. Im Kanton Zürich wurden auf Abteilungen mit bereits infizierten Personen 80 von 190 Bewohnerinnen und Bewohner positiv getestet, wie die «NZZ» berichtete. 40 Prozent der positiv Getesteten wiesen allerdings keine Symptome auf. Trotzdem wird es im Aargau diese Regel in Zukunft nicht geben. «Wir werden, sobald jemand Symptome zeigt, weiterhin grosszügig testen und an den Besuchsverboten festhalten», sagt die Kantonsärztin.

Für sie gebe es aber Ausnahmen: Bei Demenz könnten grossflächige Tests sinnvoll sein, weil solche Personen oft nicht unter Quarantäne gestellt werden oder die Massnahmen nicht einhalten könnten. «Bei dieser Personengruppe könnte ich mir vorstellen, eine ganze Abteilung zu testen.» Aber auch hier müsse man beachten, dass ein negativer Test bereits am nächsten Tag positiv sein könnte. Das sagt auch Thomas Peterhans, Reusspark-Direktor und Spartenpräsident Pflegeinstitutionen beim Verband vaka: «Während der Inkubationszeit kann ein Bewohner ein negatives Testergebnis erhalten, keine Symptome zeigen, aber trotzdem Virusträger und -überträger sein.» Damit bestehe für das Pflegeheim die Gefahr, sich in einer falschen Sicherheit zu wiegen. (nla)

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