Lockerung Lockdown – mit diesen Sicherheitsmassnahmen dürfen erste Branchen öffnen

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Abstandhalten ist in Bars und Restaurants auch bei Gästebeschränkungen nur schwer möglich. (Bild: Keystone)

Das Leben geht nach dem Lockdown weiter, nur anders. Wie anders, das lässt sich erahnen anhand der Entwürfe der Schutzkonzepte, die diverse Branchen vorlegen.

Das Einhalten sozialer Distanzen wird im öffentlichen Raum zum Alltag, der Abstand von zwei Metern zum Mitmenschen zum Standard, überall. Beim Coiffeur darf nur jeder zweite Stuhl besetzt werden. Auf dem Sessellift wird der Vierersessel zum Zweiersessel. Am Frühstückstisch im Hotel sitzen Einzelreisende alleine am Tisch. Im Wellnessbad gelten die Abstandsregeln auch.

In der Gastronomie ist der Ausstieg noch Wunschtraum. Die Branche, und mit ihr der gesamte Tourismus, hat noch kein Datum für den Not-Ausstieg erhalten. Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer wetterte: «Im Grunde genommen ist das eine Frechheit.»

Österreich macht Restaurants schon am 15. Mai wieder auf

Diese Woche veröffentlichte die Tourismusbranche einen offenen Brief an den Bundesrat. Man fühle sich im Stich gelassen. Auf Anfrage hiess es vom Verband Seilbahnen Schweiz, die Zeit dränge. Steige die Konkurrenz im nahen Ausland früher aus dem Lockdown aus, werde sie Schweizer Gäste abwerben können. Der Heimmarkt gilt als entscheidend im touristischen Überlebenskampf, da Gäste aus dem fernen Ausland in den nächsten Monaten wegbleiben.

Österreich jedenfalls ist schneller. Bundeskanzler Sebastian Kurz gab gestern in Wien bekannt, dass Restaurants ab dem 15. Mai wieder öffnen dürfen. Wie es in der Schweiz auch zu erwarten ist, gelten Einschränkungen. Um 23 Uhr muss Schluss sein. Das Personal muss Masken tragen. Die Zahl der Gäste wird beschränkt. Ähnlich wie Gesundheitsminister Alain Berset für die Schweiz verkündete Kurz für Österreich das Motto für die nächsten Wochen: «So viel Freiheit wie möglich, so viel Einschränkung wie nötig.»

Das Hochfahren von Gastronomie und Tourismus ist besonders heikel. Zu diesem Schluss kommt man, wenn man das Schutzkonzept der Schweizer Gastronomie und Hotellerie genauer liest. In diesem Papier beschreiben die Verbände mögliche Standards und Normen. Ein paar Absätze später erklären sie in «Einschätzungen aus der Praxis» jedoch, warum eine Aufrechterhaltung dieser Standards schwierig wird.

Beispielsweise wird eine Obergrenze für die Zahl der Gäste vorgeschlagen: Nur drei Viertel oder die Hälfte der Sitzplätze dürfe besetzt werden. Später heisst es jedoch: Die Abstandsregelung von zwei Metern sei nicht umsetzbar, weder für die Gäste noch für das Personal. Damit würde der Goldstandard der sozialen Distanzierung nicht aufrechterhalten werden können. Dieser Verstoss würde umso schwerer wiegen, da die Gäste oftmals längere Zeit im selben Raum verweilen. Gemäss dem Bundesamt für Gesundheit ist jedoch enger und längerer Kontakt einer der wichtigsten Übertragungswege des Corona-Virus: «Wenn man zu einer erkrankten Person länger als 15 Minuten weniger als zwei Meter Abstand hält.»

An Grenzen stösst man selbst beim Desinfizieren von Händen und Flächen. Die Betriebe hätten grosse Mühe, sich Desinfektionsmittel zu beschaffen, heisst es im Schutzkonzept. Daraus wird sogleich abgeleitet, dass der Staat aushelfen muss: «Daher bedingt es die Unterstützung von Bund und Kantonen, die ausreichende Verfügbarkeit sicherzustellen und Betrieben preisgünstig zur Verfügung zu stellen.»

Unter «Bemerkungen» findet sich im Schutzkonzept ein entscheidender Satz: «Aus den Rückmeldungen der betroffenen Betriebe geht hervor, dass sich Betriebe mit (starken) Einschränkungen wirtschaftlich nicht oder kaum betreiben lassen.» Damit ist die Crux des Lebens nach dem Lockdown angesprochen: Es werden zwar weite Teile der Wirtschaft wieder hochgefahren. Doch das rechnet sich oft nicht.

Restaurants wären offen, aber sie rentieren nicht mehr

Die Rechnung sieht je nach Branche anders aus. Die Seilbahnen haben hohe Fixkosten. Jeder Gast trägt wenigstens etwas dazu bei, diese Kosten zu decken. Die Hotellerie verdient ihr Geld mehr mit Übernachtungen als mit dem Essen. Ihr tut es weniger weh, im Restaurant den Abstand von zwei Metern durchzusetzen. In der Gastronomie schmerzt die soziale Distanzierung am meisten. Die ohnehin geringen Margen sind weg. Ein Kenner sagt: Selbst für mittlere oder grosse Restaurants lohnt sich der Betrieb finanziell nicht. «Es wäre bloss ein Service am Kunden.»

Schnellere Lockerung? Der Druck steigt

Ein halbes Dutzend Kantone fordert vom Bundesrat eine Öffnung aller Geschäfte bereits am nächsten Montag, dem 27. April. Der Bundesrat will in dieser ersten Etappe unter anderem Gartencenter und Baumärkte öffnen.

Und was besonders zu reden gibt: Die Sortimentsbeschränkungen in Lebensmittelläden werden aufgehoben. Wenn sich Güter des täglichen Bedarfs und weitere Güter auf der gleichen Verkaufsfläche befinden, dürfen sie verkauft werden. Noch hat der Bund nicht genau festgelegt, welche Produkte die grossen Detailhändler verkaufen dürfen, die kleinen Läden fühlen sich aber benachteiligt. Deshalb macht auch das Parlament Druck auf den Bundesrat. Die Wirtschaftskommission des Ständerates hat den Bundesrat in einem Brief aufgefordert, dass es keine Wettbewerbsverzerrungen geben dürfe.

«Es kann nicht sein, dass die Migros ab dem 27. April wieder Schuhe verkaufen kann, der Schuhhändler aber nicht», sagt Kommissionspräsident Christian Levrat. Er zeigt sich aber überrascht von der «Leichtfertigkeit, mit welcher kantonale Regierungen eine vollständige Öffnung der Läden am 27.4. fordern» und warnt vor einer zweiten Ansteckungswelle. Darüber hatte auch die Wirtschaftskommission lange und ausführlich diskutiert. Gemäss Erich Ettlin (CVP/OW) geht die Mehrheitsmeinung der Kommission eher Richtung stärkere Lockerung.

Das gilt auch für eine zweite Forderung, welche die Kommission nächste Woche mit Gesundheitsminister Alain Berset diskutieren will. Nämlich, ob es nicht Sinn machen würde, die regionalen Unterschiede bei den Öffnungsschritten stärker zu berücksichtigen. Genf ist zum Beispiel viel mehr vom Coronavirus betroffen, als die Zentralschweizer Kantone. Die Konferenz der kantonalen Volkswirtschaftsdirektoren fordert indes eine möglichst einheitliche Lösung, weil es sonst zu Wanderbewegungen komme. (dk)

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