Schiedsrichter in der Corona-Krise: «Alle werden ihren Weg machen»

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Finden keine Spiele statt, sind auch die Schiedsrichter «arbeitslos». Die Folgen der erzwungenen Pause sind je nach Sportart und -Verband unterschiedlich. (Bild: Otto Lüscher)

«Momentan ist es sehr ruhig», sagt Jan Schenk. Der Leiter der Schiedsrichterkommission des Aargauischen Fussballverbands (AFV) trifft damit den Nagel auf den Kopf. Weil das Sportgeschehen in der Schweiz wegen der Corona-Pandemie seit Wochen ruht, werden auch keine Schiedsrichter benötigt, um auf den Plätzen für Recht und Ordnung zu sorgen. Das hat für die Unparteiischen und die betroffenen Verbände in vielerlei Hinsicht Konsequenzen: Beim AFV beispielsweise wurden alle Ausbildungskurse und Tests, die ein Schiedsrichter regelmässig besuchen muss, abgesagt. Einzig für die Talent-Schiedsrichter fanden Online-Meetings statt. «Ansonsten senden wir unseren Leuten regelmässig Mitteilungen mit neusten Informationen und Antworten auf die wichtigsten Fragen», sagt Schenk.

Kann die Saison 2020/21 im Amateurfussball wie geplant im August beginnen, soll der Ausbildungsbetrieb vor dem Meisterschaftsstart wieder hochgefahren werden. Weil im Frühling alle Schiedsrichter-Coachings, bei denen die Leistung auf dem Platz beurteilt wird, ausgesetzt wurden, spricht der AFV im Sommer keine neuen Qualifikationen aus. Die Schiedsrichter können mit dieser Entscheidung gut leben. «Alle werden ihren Weg machen», ist Jan Schenk überzeugt, «wichtig ist eine gute Kommunikation.»

Alle Aspiranten werden für die neue Saison akzeptiert
Im Rollhockey wurden die Spielleiter im März mitten aus ihrem Rhythmus gerissen. «Erfahrene Schiedsrichter kommen auf 30 bis 50 Einsätze pro Saison. Der Meisterschaftsabbruch war eine einschneidende Erfahrung», sagt der ehemalige RHC-Vordemwald-Trainer Steff Jordi, der beim nationalen Verband (SRHV) für die Schiedsrichter-Ausbildung zuständig ist. Aspiranten, die normalerweise bis Mitte Mai bei Nachwuchsturnieren zum Einsatz kommen, können nun nicht gesichtet werden. «Einige haben wir in ein oder zwei Spielen gesehen. Das ist aber zu wenig, um sich ein ganzes Bild zu machen», sagt Jordi, der auf internationalem Niveau arbitriert.

Um in der nächsten Saison einen personellen Engpass zu vermeiden, akzeptiert der SRHV deshalb alle Aspiranten. «Wenn wir im Herbst mit der neuen Saison starten können, wollen wir die Sichtungen bis Dezember nachholen», sagt Jordi, «mit allfälligen Konsequenzen müssen die Vereine aber erst für die Saison 2021/22 rechnen.»

Anders als bei den Fussballern werden im Rollhockey Promotionen aufgrund von Erfahrungswerten ausgesprochen. «Wir wollen damit auch talentierte Schiedsrichter fördern, wenn sich einer aufdrängt», erklärt Steff Jordi, der momentan mit seinem Team den zweitägigen Schiedsrichterkurs von anfang September mit rund 70 Teilnehmenden in Magglingen aufgleist. Für die Leistungs- und Regeltests im Rahmen dieses Kurses bereiten sich die Schiedsrichter wie bis anhin individuell vor.

Abbruch erfolgte zum Glück spät in der Saison
Beim Schweizerischen Handballverband (SHV) bereitet Roger Felder der Ausbildungsbereich aktuell die grösste Sorge. «Wir hätten im Juni Kurse für unsere rund 600 Schiedsrichter angeboten. Das ist insofern ärgerlich, weil bereits 2019 nicht für alle ein Kurs stattgefunden hatte», sagt Felder. Der Verantwortliche Spielbetrieb und Schiedsrichter zieht nun eine Verschiebung in den Herbst in Betracht.

Weil zum Zeitpunkt des Abbruchs ein grosser Teil der Handball-Saison bereits absolviert war, hält sich die Auswirkung für die Schiedsrichter in Grenzen. «Wir gewichten die letzte Phase der Saison generell weniger stark, weil diese Spiele einen anderen Charakter haben als normale Qualifikationspartien», sagt Felder, «ausserdem ist für die Beurteilung die Entwicklung über die ganze Saison massgebend.» Der SHV erarbeitet derzeit ein Konzept, wie sich die Spitzen-Schiedsrichter für die Leistungs- und Regeltests im August fit halten können. «In der Breite zählen wir auf die Eigenverantwortung», sagt Roger Felder.

Keine Ausbildung für die neuen Schiedsrichter
Ähnlich gering war der Einfluss des Lockdowns für das Schiedsrichterwesen im Volleyball. Nur die letzte Runde der regionalen Meisterschaft und die Finalissima mussten abgesagt werden, seither herrscht Sommerpause. «Das kommt uns sicher entgegen. Wir warten jetzt die Entscheide des Bundesrates ab, wie es weitergehen soll», sagt Daniel Dennler.

Was den Ressortleiter Schiedsrichterwesen und Vizepräsidenten von Swiss Volley Region Aargau (SVRA) allerdings schmerzt, sind die abgesagten Kurse für angehende Spielleiter. «Von April bis Juni hätten wir rund 30 neue Schiedsrichter ausgebildet. Weil die neue Saison bereits anfangs August beginnt, ist eine Verschiebung nicht möglich», erklärt Dennler. Als Notlösung steigt der SVRA mit der bestehenden Anzahl Schiedsrichter in die kommende Spielzeit. «Dank unseres bewährten Konzepts können wir das riskieren. Nochmals ein solches Loch verträgt es aber nicht», sagt Dennler.

Verpasste Gelegenheit für den gesuchten Nachwuchs
Einen pragmatischen Weg wählte der Aargauische Leichtathletikverband (ALV). Nachdem der jährliche Weiterbildungskurs ins Wasser fiel, teilte Peter Brühlmann seinen zwölf Kampfrichtern die wichtigsten Informationen und Regeländerungen per E-Mail mit. «Zurzeit ist unklar, welche Wettkämpfe in diesem Jahr noch stattfinden werden. Deshalb müssen wir mit der Zuteilung unserer Leute für die Anlässe warten», sagt der Zofinger, der beim ALV für das Richterwesen zuständig ist.

Die Absage des Kurses ist für ihn insofern ärgerlich, weil einige Neueinsteiger ihren Besuch angekündigt hatten. «Vielleicht können wir den Abend für sie nachholen», hofft Brühlmann. «Wir brauchen junge Richter für die Zukunft. Momentan sind wir personell gut aufgestellt, mit meinen 63 Jahren bin ich aber eher einer der Jüngeren.»

Anerkennung des Brevets läuft automatisch weiter
Beim Schweizerischen Turnverband (STV) sind die Auswirkungen für die 6000 Richter vielfältig. Neben den abgesagten Basis- oder Fortbildungskursen und Wettkampfeinsätzen musste auch die Neuausrüstung verschoben werden. Zudem verzögert sich die Schulung und Einführung der neuen Richterdatenbank bis in den Herbst.

Um ihre «Lizenz» müssen sich die Funktionäre trotz ausbleibender Beurteilung keine Sorgen machen: «Wir haben entschieden, dass alle Richter ihr Brevet halten können und die Anerkennung entsprechend verlängert wird», sagt Jérôme Hübscher, Chef Breitensport beim STV. Man versuche aber, die Kurse in den verschiedenen Sportarten nach den Sommerferien so gut wie möglich nachzuholen.

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