Neue Regeln? Oder eher einknicken?

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Chefredaktor Philippe Pfister.

Ab 1. Januar 2021 gelten auf Schweizer Autobahnen, Strassen, Trottoirs, Parkplätzen und Raststätten ein paar neue Regeln. Der Bundesrat wolle einerseits die Verkehrssicherheit erhöhen, heisst es. Andererseits soll damit der Verkehr verflüssigt werden. Ich befürchte, es steckt mehr dahinter: Die Regeln werden einfach den real existierenden Verhältnissen angepasst. Kurz: Der Bundesrat knickt ein.

Eine besonders umstrittene Neuerung betrifft Kinder mit dem Velo. Bisher durften nur Kindergärtler auf den Gehsteigen in die Pedalen treten. Zumindest theoretisch. Wer regelmässig in grösseren Ortschaften und Städten unterwegs ist, kennt die Bilder: Auf den Trottoirs tummelt sich inzwischen alles, was irgendwie Räder hat. Auch Erwachsene, gern noch ohne Licht übrigens.

Künftig solle das Velofahren auf Trottoirs Kids bis 12 Jahren erlaubt sein, falls kein Radweg oder Radstreifen vorhanden ist. Die Regelung helfe, Unfälle von Kindern mit Autos zu verhindern, denn solche Unfälle hätten meist schlimme Folgen. Falls die Zahlen dies zeigen werden, bin ich der E+rste, der die Kritik zurücknimmt. Allein mir fehlt der Glaube. Das Konfliktpotenzial auf den engen Fussgängerflächen wird höher, die Unfallrisiken werden von der Strasse in die Fussgängerzone verlagert.

Fragwürdig erscheint auch die Lockerung beim Rechtsabbiegen: Rad- und Mofafahrer dürfen neu bei Rot rechts abbiegen, sofern dies signalisiert ist. Versuche hätten gezeigt, dass dies kaum zu Komplikationen führt. Ich frage mich, wozu hier Versuche nötig waren: Das machen viele Zweiradfahrer ja schon längst, Verbot hin oder her. Auch hier: Die Regel wird ganz einfach dem real existierenden Verhalten angepasst. Was sie zur Verkehrssicherheit beitragen soll, ist mir schleierhaft.

Schliesslich das Rechtsvorbeifahren auf Autobahnen: Angeblich soll das helfen, den Verkehr zu verflüssigen. Auch daran mag ich nicht so recht glauben. Im Gegenteil: Unser strenges und funktionierendes Regime auf Nationalstrassen wird ohne Not aufgeweicht – die Folge dürfte weniger, nicht mehr Verkehrssicherheit sein.

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Ist doch okay

Silas Arn
schrieb am 25.05.2020 12:21
Die Erlaubnis, rechts zu überholen, begeistert nicht jetzt nicht so. Sie erhöht halt die Kapazität der Autobahnen, aber auf Kosten der Sicherheit.

Rechts abbiegen mit dem Velo bei rot ist ja nur erlaubt wenn signalisiert. Für die Autos hat das auch Vorteile: Die müssen wenn's grün wird weniger auf losfahrenden Velos achten.

Bis 12-Jährige auf Trottoir verhindert wohl schwere Unfälle, führt aber zu mehr leichten. Hier wäre es meiner Meinung nach wichtig, ins Gesetz zu schreiben, dass langsam gefahren werden muss. Ich fahre ein Rennvelo, das heisst in der Stadt ca. 27 bis 40 km/h. Damit habe ich auf einem Trottoir gar nichts verloren. Andere fahren nicht mehr als 15 km/h. Die sollten meiner Meinung nach eher nicht auf einer Strasse ohne Velospur sein.

Das wichtigste vergessen

Matthias
schrieb am 24.05.2020 18:39
Sehr geehrter Herr Pfister
Sie haben die tragischte Neuerung, die garantiert nichts zur Erhöhung der Verkehrssicherheit beiträgt vergessen. Und zwar, dass nun neu auch auf Autobahnraststätten rund um die Uhr Alkohol verkauft werden darf. Ich frage mich, wieso haben Sie das nicht in den Kommentar aufgenommen. Denn hier gibt es Studien die ganz klar belegen, dass dies die Verkehressicherheit vermindert. Der einzige Nutzen davon. Die Tankstellen-Shops machen mehr Umsatz.

Augen und Blickkontakt

Dani
schrieb am 24.05.2020 09:54
Sehr geehrter Herr Pfister,
Bin genau ihrer Meinung. Einzig das rechts vorbei fahren auf Autobahnen hilft die notorischen Linksfahrer definitiv links liegen zu lassen. Selbstverständlich mit der nötigen Vorsicht. Es wird doch täglich von Rücksichtnahme, Verständnis sowie Toleranz gepredigt. Also... wer soll jetzt für wen ?

Liebe Grüsse vom Berufsfahrer

Volle Zustimmung zu Ihrem Wort zum Wochenende

Ludwig Spring
schrieb am 24.05.2020 08:58
Was wird erst auf den Fussgängerstreifen so alles zwischen radelnden Kids und Fussgängern"innen passieren, wenn sich nicht mal die Senioren"innen mit ihren Hightech-E-bikes auf den Trottoirs an die Grundregeln halten?
PS: Durfte bereits einmal Zeuge eines Unfalls sein, bei dem ein rechtsabbiegender Velofahrer mit Höchstgeschwindigkeit eine Seniorin auf dem FUSSGÄNGERSTREIFEN anfuhr und erheblich verletzte. Einer Schuld war er sich nicht bewusst und machte der alten Dame sogar noch Vorwürfe. Hätte ich nicht mein Handy gezückt und die Polizei angerufen, wäre er sogar weitergefahren. Ich weiss: ein Extrembeispiel. Aber halt trotzdem wahr.

Nebensache

R. Klauser
schrieb am 23.05.2020 12:24
Wen interessierts? Corona ist das Thema. Lebt Herr Pfister in einem Paralleluniversum?
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