Haltet endlich eure nervenden Klappen

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Corona-Krise: Die Flugzeuge sind am Boden. In den An- und Abflugschneisen des Flughafens Kloten ist Ruhe und damit ein Plus an Lebensqualität eingekehrt – die wirtschaftlichen Folgen ausgeklammert. Ein idyllisches und ruhiges Pfingstwochenende stünde bevor – wären da nicht die Raser und Poser, die Fahrerinnen und Fahrer von Autos und Töffs mit Auspuffklappen.

Leise scheint nur der «Bünzli» unterwegs zu sein. Der junge Mann von heute leistet sich einen «fetten Schlitten» mit Auspuffklappe. Einem Balzruf gleich röhrt er mit seinem Boliden – was er bevorzugt innerorts tut. Das darf der? Ja und Nein. Die Schweiz hat hier EU-Vorschriften übernommen. Klar verboten sind Systeme, die ausschliesslich dem Zweck dienen, die Geräuschemissionen in bestimmten Fahrsituationen so zu ändern, dass die Lärmgrenzwerte nicht mehr eingehalten werden.

Die werden bei Fahrzeugen mit Klappenauspuffsystemen hörbar überschritten, sobald die Klappe per Knopfdruck geöffnet wird. Viele teure Fahrzeuge namhafter deutscher Hersteller werden serienmässig oder optional mit einer «Sporttaste» versehen, die für Formel-1-Feeling mit zugehörigem «Sportsound» per Klappe oder Lautsprecher sorgt. Verboten sind diese Vorrichtungen nicht – zu viel Lärm schon.

Wie aber den Tatbestand beweisen? Ob ein Auto oder Motorrad bei der Vorbeifahrt gesetzlich zu laut ist, kann die Polizei kaum kontrollieren. Die Vorgaben, wie der Lärm ermittelt werden muss, sind komplett realitätsfern – im Grundsatz ist eine Prüfung im Strassenverkehrsamt nötig. Und auch hier dürfte der Beweis bei einem Serienfahrzeug schwierig werden.

Ein Auto oder ein Töff sowie alle seine zusätzlichen Bauteile müssen eine Typenprüfung bestehen, um zugelassen zu werden. Die Schweiz führt die Prüfungen nicht selber durch, sondern übernimmt die Ergebnisse der EU-Zulassungsprüfung – dies aufgrund der bilateralen Verträge und des in ihnen enthaltenen Gesetzes über den Abbau von technischen Handelshemmnissen.

Wer sind die Leute, die am Steuer solcher Autos sitzen? Im Internet sind sie präsent und zeigen sich mit ihrem «Black beast», «Best Friend» oder ihrem «Terminator» – gratulieren sich gegenseitig zu noch tieferen Fahrwerken und ausgefalleneren Carrosserie-Anbauten.

Was in dieser Szene zählt, ist Leistung, Sound und Aussehen der Fahrzeuge. Die Zürcher Polizei hat in den letzten Wochen 250 solcher Autos kontrolliert – fast ausnahmslos teure und leistungsstarke Mittel- und Oberklassewagen deutscher Provenienz. Am Steuer der Boliden? Nahezu ausschliesslich Männer im Durchschnittsalter von 25 Jahren.

Da stellt sich die Frage der Finanzierung des seltsamen Hobbys. In die an sich schon teuren Autos werden Tausende von Franken investiert, um sie noch schöner und lauter zu machen. Dazu die Polizei: Diese Leute leben für ihre Autos.

Bräuchte es schärfere Gesetze oder zumindest eine striktere Anwendung der bestehenden, um dem Problem zu begegnen? Müssen «Lärmblitzer« eingeführt werden, wie das der Zofinger Grünen-Grossrat Daniel Hölzle fordert? Zu diesen Themen hat sich kürzlich Daniel Ringier, Kommandant der Aarauer Stadtpolizei, geäussert. Für ihn stellt sich weniger die Frage der Gesetzgebung, sondern eine des fehlenden Respekts vor dem Ruhebedürfnis anderer Menschen. «Das Problem sitzt hinter dem Steuer.» Mit anderen Worten stellt sich die Frage, ob diese Leute charakterlich geeignet sind, ein Motorfahrzeug zu führen. Wer dies nicht ist – dem könnte man nach dem Buchstaben des Gesetzes den Führerausweis entziehen.

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