Hilfe für Gelbbauchunke, Kreuzkröte & Co.

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Beat Rüegger erklärt den Schülern und ihren Lehrern, welche Veränderungen in der Grube momentan ablaufen. Bild: Thomas Fürst
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Der Weiher im Naturschutzgebiet ist stark überwachsen und deshalb kein idealer Lebensraum mehr für Gelbbauchunke und Kreuzkröte.
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Die Kreuzkröte gehört zu den gefährdeten Arten. Bild: Beat Rüegger

Treffpunkt Kiesgrube Oberwilerfeld in Rothrist. Die Sonne scheint, die Temperaturen sind hoch. Vom nahe gelegenen Weiher sind quakende Frösche und Kröten zu hören, ansonsten ist es fast schon gespenstisch ruhig in der Grube. Dann wird Staub aufgewirbelt, von der Strasse her nähert sich eine Gruppe Velofahrer. Es sind 22 Schülerinnen und Schüler der beiden Rothrister Fünftklass-Lehrer Nathanael Sutter und Dominik Feuchter. Sie sind an ihrem freien Mittwochnachmittag hier und holen auf freiwilliger Basis nach, was eigentlich während des Schulunterrichts im März geplant war.

«Im Rahmen des Themas Amphibien sollten die Schüler im Fach ‹Natur Mensch Gesellschaft› bei der Erstellung eines Weihers aktiv mithelfen», erklärt Nathanael Sutter. Das Coronavirus hat das verunmöglicht. In der Zwischenzeit ist der flache Amphibienweiher angelegt, bereits schwimmen Kaulquappen im Wasser. Was noch fehlt, sind Kleinstrukturen wie Steinhaufen, damit Frösche, Kröten, Unken und Eidechsen Unterschlupf finden können. Denn im Grubenareal jagt beispielsweise der Turmfalke.

Ein kleiner Mosaikstein für eine grosse «Züglete»

Rund zehn Weiher befinden sich momentan im Grubenareal und im angrenzenden Naturschutzgebiet, wie Beat Rüegger, Co-Präsident des Naturschutzvereins Rothrist (NVO), den Fünftklässlern erklärt. Und es müssten noch mehr werden. «Denn hier steht eine grosse ‹Züglete› an», sagt Rüegger. Er weist auf die hohen Profile hin, die in der Grube stehen. «Die Grube soll nämlich aufgeschüttet werden und wir müssen schauen, dass wir den Amphibien neue ‹Häuser› schaffen können», erklärt er.

Der Weiher, vor dem die Gruppe steht, ist ein erster neuer Lebensraum für die Amphibien. Aufgabe von den Schülerinnen und Schülern sowie der beiden Lehrer ist es nun, drei Steinhaufen anzulegen. Steinhaufen, die Sonnenplätze und Unterschlupf bieten und die den Amphibien Schutz auf dem Weg vom Wasser zur angrenzenden Vegetation bieten. «Hier hat es Handschuhe und eine Schubkarre, dort sind die Steine», sagt Rüegger. Die Schüler beginnen mit der Arbeit und wir machen uns zu einem Rundgang in der Kiesgrube auf.

Naturnahes Grubenmanagement

Schon bald befinden wir uns beim ersten Weiher. Man würde ihn glatt übersehen, der Weiher ist komplett zugewachsen. Wasser befindet sich schon lange nicht mehr drin, weil er nicht mehr dicht ist. Der Weiher hatte mehrere Mängel, sagt Rüegger, zu tief, nicht genügend abgedichtet, Quadersteine rundherum. Wenig geeignet für Amphibien. «In den langen Jahren der Zusammenarbeit haben der Baggerführer und ich viel voneinander gelernt», sagt Beat Rüegger lachend. «Soll ein neuer Weiher angelegt werden, muss ich nur noch sagen wo», alles andere laufe automatisch ab. Und ohne Rechnungsstellung, wie Rüegger dankbar anfügt. «Die Firma Hallwyler tut viel für den Naturschutz», sagt der begeisterte Ornithologe.

Im Mai 2002 wurde die Gebr. Hallwyler AG von der Stiftung Natur & Wirtschaft erstmals ausgezeichnet für die naturnahe Gestaltung ihrer Kiesabbaustelle im Oberwilerfeld. Dank der Umweltzertifizierung treffen sich Unternehmer und Vertreter des Naturschutzes seit 2010 mindestens einmal jährlich, um anlässlich von gemeinsamen Begehungen Unterhaltsmassnahmen auf dem Areal der Gebr. Hallwyler AG zu planen und zu realisieren. «Eine tolle und völlig unkomplizierte Zusammenarbeit», sagt Beat Rüegger und zeigt auf die beiden nächstgelegenen Weiher. «Mitten durch diese Weiher sollte eine Strasse zum Kiesabbaugebiet führen – nach unserem Hinweis hat man eine Kurve um diesen idealen Weiherstandort gemacht.»

Viel mehr als nur Sand und Staub
Auf dem Weg zum angrenzenden Naturschutzgebiet, das 1994 ausgeschieden wurde, lässt sich Beat Rüegger nochmals über die Entwicklungen in der Grube aus. Der Lebensraum für Tiere und Pflanzen habe in den vergangenen Jahren tendenziell zwar abgenommen, dennoch habe man eine hohe Biodiversität bewahren können. «Die Kiesgrube sieht für Aussenstehende vielleicht karg aus, ist aber nach wie vor einer der artenreichsten und abwechslungsreichsten Lebensräume in der gesamten Gemeinde», betont er.

Hier leben verschiedenste Heuschreckenarten, Amphibien und Schmetterlinge, hier brüten Teichrohrsänger und Goldammer, hier suchen Rotmilan, Schwarzmilan und Wanderfalke Nahrung, während des Vogelzugs ist die Kiesgrube ein idealer Rastplatz und, und, und. Wünschbar wären momentan etwas weniger Pflanzen und Humus, dafür mehr karge Böden, sogenannte Ruderalflächen, sagt Beat Rüegger.

Biotop ist (zu) stark überwachsen

Neben einer Trockenwiese befinden sich in der Naturschutzzone ein Feucht- sowie ein Trockenbiotop, die zum grössten Teil mit Gehölzen bewachsen sind. «Der starke Bewuchs hat dazu geführt, dass das Biotop für die angestrebten Zielarten Gelbbauchunke und Kreuzkröte an Bedeutung verloren hat», betont Beat Rüegger, zudem sei der Weiher auch nicht mehr ganz dicht. Diese Problematik müsse man angehen, meint Rüegger, und man mache dies zusammen mit den drei Grubenbesitzern Einwohnergemeinde, Gebr. Hallwyler AG und Gebr. Klaus AG.

Kiesgrube und Biotop sollen aufgeschüttet werden

Die Kiesvorräte dürften in absehbarer Zeit erschöpft sein. Die Abbaubewilligung läuft 2027 aus. Dann muss das gesamte Areal, ausgenommen das Naturschutzgebiet, rekultiviert werden. Die bewilligte Endgestaltung sieht vor, den grössten Teil des Grubenareals bis auf ein Niveau von ca. 407–410 m ü. M. aufzufüllen und künftig in die Landwirtschaftszone zurückzuführen, anstatt wie ursprünglich vorgesehen gewerblich zu nutzen.

Ebenfalls aufgeschüttet werden soll der bestehende Weiher in der Naturschutzzone. «Eine Sanierung wäre viel aufwendiger», erklärt Beat Rüegger dazu.

Detaillierter Zeitplan für die «Züglete»

Weil der bestehende Weiher in der Naturschutzzone für viele Amphibienarten und weitere seltene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten von hoher Bedeutung ist, wird vor der Aufhebung des Weihers ein entsprechendes Ersatzbiotop geschaffen. Damit die «Züglete» möglichst reibungslos ablaufen kann, hat ein Büro für Raumentwicklung und Landschaftsarchitektur einen detaillierten Zeitplan erarbeitet, der sich über einige Jahre hinweg zieht. Er sieht neben der Schaffung eines Ersatzbiotops in diesem Herbst/Winter die regelmässige Neuanlage von einzelnen Tümpeln vor, sodass immer 12 bis 15 Tümpel auf dem Areal verfügbar sind. 2022 soll die eine, 2023 die andere Hälfte des bestehenden Weihers aufgeschüttet werden, 2024 soll der neue Weiher geschaffen werden, wobei auf eine Neupflanzung von Gehölzen bewusst verzichtet wird, da eine stellenweise Verbuschung kaum verhindert werden kann. Die gefährdeten Kreuzkröten und Gelbbauchunken sollten dann im neuen Weiher angekommen sein.

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