«Gegen das Lidl-Verteilzentrum machen wir Einsprache»

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Ein gut gelaunter Gemeindeammann diese Woche an der Aare in Rothrist. Bild: Philippe Pfister

Seit rund zweieinhalb Jahren ist der FDP-Mann Ralph Ehrismann Gemeindeammann von Rothrist. Der Gemeinderat sei ein funktionierendes Team, betont er im Gespräch mit dem Zofinger Tagblatt – man treffe sich auch mal zum Grillieren. Die Corona-Krise wird ein Loch in die Gemeindekasse reissen, sagt Ehrismann – deshalb wolle die Gemeinde im nächsten Budget in allen beeinflussbaren Bereichen sieben Prozent sparen, denn eine Steuererhöhung kommt für ihn nicht in Frage.

Herr Ehrismann, wie sind Sie durch die Corona-Krise gekommen – privat und als Gemeindeammann von Rothrist?

Gut. Privat hat sich nicht allzu viel verändert. Ich war viel an der frischen Luft. Einzig ins Wasser gefallen sind die mit dem Schwager geplanten Segelferien in Holland. Geschäftlich war ich oft in Videokonferenzen – ich mag die nicht so. Der Gemeinderat hat sich im Feuerwehrlokal getroffen, wo wir sehr viel Platz haben. In der Corona-Zeit hat die Geschäftsleitung sehr viel erledigt. Wir haben uns an die vom BAG vorgegebenen Massnahmen gehalten, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wer gefährdet war, konnte von zu Hause aus arbeiten. Die Schulen haben sich selbst organisiert, das hat gut funktioniert. Knackpunkt war das Hallenbad.

Darauf wollte ich Sie gerade ansprechen.

Es war ja geschlossen. Das kostet uns pro Monat 200 000 Franken zusätzlich, also rund 400 000 Franken in der Corona-Zeit. Es werden auch in den nächsten Monaten garantiert Einnahmen fehlen; einen Teil der Löhne können wir vielleicht mit Kurzarbeit auffangen, das ist noch nicht ganz klar. Klar ist, dass es ein Loch in der Gemeindekasse gibt. Wir haben in den Budgetrichtlinien bereits Massnahmen ergriffen. Absehbar ist ja auch, dass wir 2021 weniger Steuern einnehmen, weil die Leute dieses Jahr weniger verdienen. Die Steuereinnahmen von Firmen werden wohl gegen null zusammenbrechen.

Wie sehen die Sparmassnahmen aus?

Wir haben die Vorgabe gemacht, dass jede Abteilung bei den Kosten, die beeinflussbar sind, sieben Prozent einsparen muss. Eine Massnahme, die man spüren wird, auch wenn zwei Drittel der Kosten – zum Beispiel die Löhne – nicht beeinflussbar sind.

Ziel ist, die Steuern nicht anzuheben?

Das ist so. Ziel ist ganz klar, dass wir wegen Corona die Steuern nicht anheben müssen. Wir hatten die beiden letzten Jahre sehr gute Steuerabschlüsse. Wir wissen, dass die letzten beiden Jahre nicht so gut sein werden. Beim Hallenbad gibt es neu Abschreibungen, ebenso bei den Schulhäusern. Die Kosten für Investitionen, die wir gemacht haben, steigen. Deshalb müssen wir früh reagieren, deshalb auch die Sparvorgaben.

Was ist die grösste Herausforderung für den Gemeinderat?

Die neue Bau- und Nutzungsordnung, wir stecken mitten im Verfahren. Wir haben vom Kanton den provisorischen Vorprüfungsbericht erhalten, als Nächstes ist eine Besprechung in Aarau geplant. Danach wird die Vorlage überarbeitet, bevor sie in die öffentliche Auflage geht. Wir hoffen, dass wir die neue BNO bis Sommer 2021 durchbringen.

Eine weitere grosse Baustelle ist die Wiggertalstrasse.

Genau. Wir sind am Planen des dritten Abschnitts. Wir machen Druck beim Kanton, dass es vorwärtsgeht. Das Verfahren wurde wegen der Pandemie verlangsamt, wir fallen im Zeitplan zurück. Für uns ist wichtig, dass der Verkehr besser gelenkt wird. Wenn die TNT Swiss Post ihren neuen Hauptsitz in Oftringen eröffnet, wird es noch schlimmer mit dem Verkehr. Der ist und bleibt ein Problem in unserer Gemeinde.

In der Corona-Zeit war es sicher besser.

Ja, aber das war nur vorübergehend.

In manchen Gemeinden scheint die Zusammenarbeit im Gemeinderat schwierig zu sein. Wie ist das in Rothrist?

Als Gemeinderat versuchen wir in die Zukunft zu schauen. Was passiert in den nächsten Jahren? Welche Gedanken müssen wir uns über die Zukunft der Gemeinde machen? Bei den letzten Wahlen haben gleich drei neue Gemeinderäte miteinander angefangen. Das war die Chance, einiges zu verändern. Der aktuelle Gemeinderat funktioniert als Team sehr gut, wir versuchen, die Entwicklung von Rothrist langfristig zu steuern. Wir treffen uns auch ausserhalb der Sitzungen, diese Woche waren wir bei einem Gemeinderatskollegen eingeladen. Es ist zentral, dass man sich gegenseitig vertraut und gemeinsam etwas erreichen will. Das ist unsere Stärke in Rothrist.

Sie selbst hängen sicher noch eine Amtsperiode dran?

Etwas Anderes ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht geplant. Nach der zweiten Amtszeit als Gemeindeammann wäre ich 65. Dann werde ich sicher aufhören. Zu unseren Überlegungen gehört auch, wie wir künftig die Pensen der Gemeinderäte ausgestalten. Falls die Schulpflegen im Kanton Aargau abgeschafft werden, kommt Mehrarbeit auf die Gemeinderäte zu. Ich bedaure, dass die Abstimmung über die Abschaffung der Schulpflegen verschoben wurde; das kostet uns in der Planung ein halbes Jahr.

Sind Sie für die Abschaffung?

Ja. Die Situation ist nicht optimal. Wir geben das Geld, die Schulpflege ist für die Strategie zuständig. Das kann man nicht auseinanderdividieren, dafür sollte ein Gremium zuständig sein.

Bauchweh muss Ihnen die Brandruine auf dem Strebel-Areal bereiten. Dieses wäre für die Entwicklung der Gemeinde zentral.

Wir haben mehrere Anläufe genommen, mit dem Besitzer des Areals in Kontakt zu treten. Das Gleiche hat der Wirtschaftsförderer gemacht. Die Hobby-Betriebe, die dort angesiedelt sind, sind gar nicht für das Industrieareal vorgesehen. Der Brand liegt nun über zwei Jahre zurück und die Brandruine ist noch nicht saniert. Wir haben nun eine Ersatzvornahme angekündigt; das heisst, dass wir das betroffene Areal räumen lassen und die Kosten weiterverrechnen müssten. Dies scheint wieder etwas Bewegung in die Sache gebracht zu haben, Ende Juni wissen wir mehr. Das Strebel-Areal ist für uns ein wichtiger Industrie-Schwerpunkt. Wir wollen Arbeitsplätze erhalten und das Gebiet nicht für Wohnraum freigeben. Wir halten daran fest, dass das Strebel-Areal eine Industriezone bleibt.

Die Gemeinde hat einen Vorschlag gemacht, das Areal mit Partnern in einer AG zu übernehmen.

Das kam nicht zustande. Das wurde mit dem Besitzer diskutiert, hat aber leider nicht funktioniert. Möglicherweise ist die Belastung des Grundstücks mit Hypotheken relativ hoch. Wir wissen es nicht.

In den Schlagzeilen ist das geplante Lidl-Verteilzentrumin Roggwil im Kanton Bern. Es würde in Rothrist Mehrverkehr verursachen. Wie verhält sich die Gemeinde?

Wir sind überhaupt nicht begeistert. Basis des Verkehrsgutachtens sind Angaben des Unternehmens, das gesagt hat, wie viele Fahrten es täglich sind. Es wurde nie überprüft oft das realistisch ist. Wir werden eine Einsprache machen.

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