Euphorie nach Sensationsfund: Politiker wollen ihn vermarkten – doch eine Archäologin warnt

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Der Kurplatz in Baden mit dem römischen Bassin vor dem «Verenahof» (unten rechts). © Kantonsarchäologie Aargau/Samuel Mühleisen
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Die bisher freigelegte Ecke des römischen Bassins mit den Einstiegsstufen und der Wälderhutquelle (oben). © Kantonsarchäologie Aargau/Samuel Mühleisen

1900 Jahre alt dürfte das römische Badebecken sein, das vor wenigen Tagen im Badener Thermalquartier entdeckt wurde. Archäologin Andrea Schär sprach von einem spektakulären Fund: «Wir haben nicht damit gerechnet, dass wir das hier finden.» Die Entdeckung stütze die These, dass in Badener Thermen seit der Römerzeit ununterbrochen gebadet wurde. Also selbst im dunklen Mittelalter, in dem die zivilisatorischen Fortschritte eine kleine Verschnaufpause einlegten. Das Becken, vermuten Experten, dürfte bis ins Mittelalter oder in die frühe Neuzeit Teil des legendären Badener Verenabades gewesen sein.

Zeitungen und Nachrichtenportale aus ganz Europa haben in den vergangenen Tagen über den sensationellen Fund berichtet. Und auch in Baden herrscht Euphorie – zumindest bei Historikern. Der Badener Stadtarchivar Andreas Steigmeier kommentierte auf LinkedIn: «2000 Jahre ununterbrochene Nutzung, was für eine Marketinggrundlage für die neuen Bäder.

Zwei FDP-Einwohnerräte verlangen nun, dass Baden den Fund für die Öffentlichkeit sichtbar macht und vermarktet. Mark Füllemann und Stefan Jaeck­lin schreiben: «Das Sichtbarmachen eines Teils des Badebeckens im Boden könnte im Kurplatz erfolgen durch eine Glasplatte, die auch das Betreten und Befahren und gleichzeitig einen Blick in die Vergangenheit ermöglicht.» Füllemann und Jaecklin sind überzeugt, dass das Sichtbarmachen eines Fundes dieser Bedeutung eine ausgezeichnete Marketingmassnahme wäre. «Dies erfordert aber schnelles Handeln.»

Darum wollen sie in einer dringlichen parlamentarischen Anfrage vom Stadtrat wissen, ob dieser die Meinung teile, dass der Fund einen wesentlichen Bestandteil darstellen könnte im Bestreben, «die Bäderstadt wieder zu positionieren». Und die Einwohnerräte fragen, welche Schritte die Stadt plane, um die Sichtbarmachtung zu ermöglichen.

Ein Kulturerbe auch für kommende Generationen

Doch wäre es aus archäologischer Sicht überhaupt zu verantworten, das Badebecken für Publikum sichtbar zu machen? «Eine schwierige Frage», sagt Andrea Schaer, die im Auftrag der Kantonsarchäologie den laufenden Thermal- und Werkleitungsbau am Kurplatz begleitet. «Aus rein archäologischer Sicht wäre die beste Lösung, den Fund im Boden zu belassen und die freigelegten Teile mit Kies oder Sand zuzuschütten und ihn auf diese Weise zu schützen», sagt sie. Doch gleichzeitig müsse man bedenken, dass das Badebecken nach dem Fund nicht den Archäologen gehöre, sondern der Allgemeinheit, und dass der Wunsch nach Sichtbarmachung darum legitim sei. «Es handelt sich um ein Kulturerbe, das nicht nur für unsere Generation, sondern auch für unsere Urenkel von Bedeutung sein wird. Darum müssen wir dem Badebecken Sorge tragen, unabhängig von der Frage, wie man es vermarkten soll», ist Schaer überzeugt.

Nachhaltigkeit sei auch in diesem Zusammenhang das entscheidende Stichwort. Eine archäologische Stätte sichtbar zu machen, sei heutzutage dank der Digitalisierung auch mit Visualisierungen sehr gut möglich, sagt Andrea Schaer.

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